Nachzahlen für Schulzeiten – Sinnvoll?

17. September 2018 Altersvorsorge 0
Nachzahlen für Schulzeiten

Wer jünger als 46 ist und zusätzliche Zahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung leisten möchte, sollte sich einmal genauer mit der Nachzahlung für Ausbildungszeiten auseinandersetzen.

Die gesetzliche Rentenversicherung bietet euch verschiedene Möglichkeiten, freiwillige Zahlungen zu leisten und dadurch eure Rente zu erhöhen. So hat derjenige, der keine Pflichtbeiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung zahlt, die Option, freiwillige Beiträge zu leisten. Davon abgesehen können die meisten, die das 50. Lebensjahr erreicht haben, Zahlungen zum Ausgleich von Rentenabschlägen vornehmen. Und selbst wer bereits das Rentenalter erreicht hat, hat Möglichkeiten, weiter in die Rentenversicherung einzuzahlen.

Eine bisher in diesem Kontext noch nicht thematisierte Alternative ist die Nachzahlung für Schul- bzw. Ausbildungszeiten. Diese kann sich insbesondere für Personen anbieten, die das 50. Lebensjahr noch nicht erreicht haben, daher keine Ausgleichszahlung für Rentenabschläge vornehmen können, aber dennoch ihre gesetzliche Rente erhöhen wollen.

Wer kann für Schulzeiten nachzahlen?

Bei den Regelungen zur Nachzahlung für Schul- und Studienzeiten sind die gesetzlichen Vorschriften sehr streng. Der Antrag auf Nachzahlung muss spätestens bis zum 45. Lebensjahr gestellt werden. Wer zu einem späteren Zeitpunkt – weil er zum Beispiel noch zusätzlich Monate für die Mindestversicherungszeit erwerben möchte – mit der Nachzahlungsoption für Schulzeiten liebäugelt, kann diese leider nicht mehr in Anspruch nehmen.

Eine Ausnahme gibt es lediglich für Personen, die versicherungsfrei in der gesetzlichen Rentenversicherung waren – also zum Beispiel Beamte, die keine Beiträge zur Rentenversicherung zahlen mussten. Scheidet eine solche Person aus ihrer versicherungsfreien Tätigkeit aus und wird durch ihren Dienstherrn in der gesetzlichen Rentenversicherung nachversichert – der Dienstherr zahlt also für die Zeit der versicherungsfreien Tätigkeit nachträglich Beiträge in die Rentenversicherung ein – gilt die Frist „45. Lebensjahr“ nicht.

Diese Gruppe darf den Antrag auf Nachzahlung für Schulzeiten unabhängig vom Alter innerhalb von 6 Monaten nach Durchführung der Nachversicherung stellen.

Für welche Schulzeiten ist eine Nachzahlung möglich?

Spricht man von „Nachzahlung für Ausbildungszeiten“ beschreibt dieser Passus den tatsächlichen Inhalt der Nachzahlungsmöglichkeit eigentlich nur unzureichend.

Man könnte nämlich annehmen, dass in der gesetzlichen Rentenversicherung bis zum 45. Lebensjahr für alle Schul- und Studienzeiten die Option besteht, nachträglich Beiträge zu entrichten. Diese Annahme ist nicht korrekt!

Tatsächlich erlaubt der § 207 SGB VI die Nachzahlung für Ausbildungszeiten erst ab dem 16. Lebensjahr und nur dann, wenn es sich bei diesen Zeiten nicht bereits um Anrechnungszeit handelt und in diesen Zeiten nicht bereits aus einem anderen Grund (z. B. Erwerbstätigkeit) Beiträge zur Rentenversicherung gezahlt wurden. Da der Großteil der Schul- und Studienzeiten bei der Rentenberechnung in Form einer Anrechnungszeit berücksichtigt wird, sind die Nachzahlungsmöglichkeiten für Ausbildungszeiten also gar nicht so groß, wie man zunächst vermuten könnte.

Wann sind Schul- und Studienzeiten keine Anrechnungszeiten?

Es gibt zwei klassische Fälle, in denen sich die Nachzahlung anbieten kann, weil Schul- und Studienzeiten eben nicht als Anrechnungszeit berücksichtigt werden:

1. Da Anrechnungszeiten erst ab dem 17. Lebensjahr berücksichtigt werden, Nachzahlungen für Ausbildungszeiten aber bereits für Zeiten ab dem 16. Lebensjahr möglich sind, kann ein jeder, der zwischen 16 und 17 eine Schule besucht hat, für das Jahr von 16 bis 17 Beiträge nachzahlen.

2. Schul- und Studienzeiten werden laut Gesetz für maximal 8 Jahre als Anrechnungszeit anerkennt. Wer also relativ lange zur Schule gegangen ist oder studiert hat und in Summe gerechnet ab dem 17. Lebensjahr mehr als 8 Jahre mit Schul- und Studienzeiten aufweist, kann für die Zeiten, die aufgrund der obigen Einschränkung nicht mehr mitgerechnet werden, Beiträge nachzahlen (sofern in diesen Zeiten nicht bereits aus anderen Gründen Beiträge zur Rentenversicherung gezahlt wurden).

In welcher Höhe ist die Nachzahlung für Schulzeiten möglich?

Nachdem nun klar ist, wer in welchen Zeiträumen dazu berechtigt ist, Nachzahlungen für Schul- und Studienzeiten zu entrichten, stellt sich als nächstes die Frage, in welcher Höhe eine Nachzahlung möglich ist.

Die Regelungen sind hierbei vergleichbar zu den Vorschriften der freiwilligen Beitragszahlung. Es gibt  lediglich einen gesetzlich festgelegten Mindest- und Höchstbeitrag, der pro Nachzahlungsmonat in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt werden kann. Der monatliche Mindestbeitrag liegt bei Nachzahlungen im Jahr 2018 bei 83,70 €, der Maximalbetrag bei monatlich 1.209 €.

Beabsichtigt man nun, für die Zeit zwischen 16 und 17 die Nachzahlung für Ausbildungszeiten zu nutzen – also für insgesamt 12 Monate – muss man mindestens 1.004,40 € (83,70 € x 12 Monate) einzahlen und kann maximal 14.508 € bei der gesetzliche Rentenversicherung loswerden.

Sowohl Mindest- als auch Höchstbeitrag können sich in den kommenden Jahren verändern.

Der monatliche Mindestbeitrag berechnet sich folgendermaßen:

450 € x Beitragssatz zur Rentenversicherung = Mindestbeitrag.

Verändert sich in den nächsten Jahren der Beitragssatz zur Rentenversicherung, wird also entsprechend auch der Mindestbeitrag nach oben oder unten angepasst.

Der Maximalbetrag hängt  ebenfalls vom Beitragssatz zur Rentenversicherung ab und zudem von der Beitragsbemessungsgrenze, die zurzeit bei 78.000 € liegt. Die Beitragsbemessungsgrenze wird jedes Jahr angepasst, sodass davon auszugehen ist, dass es Jahr für Jahr zu einer Erhöhung des Maximalbetrags kommen wird.

Bis wann muss die Nachzahlung erfolgt sein?

Klar ist: Bei der Nachzahlung für Schul- und Studienzeiten handelt es sich nicht um Peanuts-Beträge. Über diesen Weg lassen sich durchaus höhere Beträge in der gesetzlichen Rentenversicherung unterbringen, sodass sich die Frage anschließt, ob diese Beträge denn auf einmal eingezahlt werden müssen oder auch eine Art Ratenzahlung möglich ist.

Wer bereits einen Blick auf das für die Nachzahlung relevante Antragsformular V0080 geworfen hat, der weiß: Bereits der Antrag sieht die Möglichkeit vor, die Einzahlung auf bis zu fünf Jahre aufzuteilen. Der Nachzahlungsbetrag muss also nicht zwangsläufig auf einmal geleistet werden.

Besonders interessant für Personen, die kurz vor Vollendung ihres 45. Lebensjahres stehen, kann die Regelung sein, dass lediglich der Antrag auf die Teilzahlung bis 45 gestellt werden muss. Die tatsächlichen Zahlungen können im Rahmen der fünfjährigen Ratenzahlung auch nach dem 45. Lebensjahr erfolgen. Ihr habt somit die Möglichkeit, sogar bis zum 50. Lebensjahr für Schul- und Studienzeiten nachzuzahlen.

Wer sich für eine Ratenzahlung entscheidet, muss sich lediglich bewusst sein, dass sich jährlich mehrere Werte verändern (können), die einen Einfluss darauf haben, wie viele Rentenpunkte ihr für eure Nachzahlung erhaltet. Ein ganz entscheidender Wert ist in diesem Zusammenhang der Durchschnittsverdienst aller Versicherten, der zum 1. Januar eines jeden Jahres angepasst wird. Der Durchschnittsverdienst ist wichtig, weil anhand des Durchschnittsverdienstes bestimmt wird, bei welchem Einkommen bzw. bei welcher Beitragszahlung man exakt einen Rentenpunkt erhält. Daneben kann sich zum 1. eines Jahres auch der Beitragssatz zur Rentenversicherung sowie die Beitragsbemessungsgrenze verändern, was ebenfalls Auswirkungen auf die Ausgleichszahlung haben kann.

Hätte man beispielsweise im Jahr 2015 im Rahmen der Nachzahlung für Ausbildungszeiten 7.000 € in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt, hätte man damit 1,0585 Rentenpunkte erworben, was die monatliche Brutto-Rente im Jahr 2018 um 33,90 € erhöht hätte. Ein Jahr später, im Jahr 2016, gab es für 7.000 € nur noch 1,0344 Rentenpunkte (33,13 € Brutto-Rentensteigerung).

Will man seine Einzahlung auf mehr als fünf Jahre verteilen, lässt sich auch das über ein kleines Hintertürchen ermöglichen. Stellt ihr einen Antrag auf eine Ausgleichszahlung gebt ihr im Antrag an, für welche Zeiträume ihr nachzahlen wollt. Gebt ihr hier nur einen Teilzeitraum des gesamten Zeitraums an, für den ihr nachzahlen wollt, könnt ihr für die Teilzahlung die fünfjährige Ratenzahlung beantragen. Nach Ablauf der fünf Jahre könnt ihr nochmals einen Antrag auf Nachzahlung für einen weiteren Teilzeitraum stellen, sofern ihr noch nicht älter als 45 seid, und erneute eine fünfjährige Ratenzahlung beantragen.

Beispiel: Ihr seid 35 Jahre alt und wollt für den Zeitraum vom 16. – 17. Lebensjahr, in dem ihr zur Schule gegangen seid, die Ausgleichszahlung für Schulzeiten leisten, weil diese Zeit nicht als Anrechnungszeit anerkannt wurde. Weiterhin möchtet ihr die Einzahlung gerne auf 10 Jahre aufsplitten. So beantragt ihr mit 35 zunächst die Ausgleichszahlung mit Ratenzahlung für die 6 Monate von 16 1/2 bis zum 17. Lebensjahr und stellt mit 40 einen neuen Antrag, um für die Zeit von 16 bis 16 1/2 nachzuzahlen (wiederum mit einer Ratenzahlung).

Welche Vorteile bietet die Nachzahlung für Schulzeiten?

Es gibt zwei verschiedene Argumente, die für eine Nachzahlung für Schulzeiten angeführt werden können:

1. Zusätzliche Monate für die Mindestversicherungszeit

Will man nicht bis zum regulären Renteneintrittsalter arbeiten, sondern bereits vorzeitig in Rente gehen, muss man bestimmte Mindestversicherungszeiten erfüllen.

Nur bei Erfüllung der 35-jährigen Mindestversicherungszeit besteht die Möglichkeit, mit Abschlägen bereits ab dem 63. Lebensjahr in Rente zu gehen oder die Vorzüge der Altersrente für schwerbehinderte Menschen zu beanspruchen.

Will man vorzeitig ohne Abzüge in Rente gehen, muss man sogar 45 Jahre mit Beitragszeiten oder vergleichbaren Zeiten vorweisen können, um von der Altersrente für besonders langjährig Versicherte profitieren zu können.

Bei der Erfüllung der Mindestversicherungszeiten werden auch Monate mitgezählt, in denen Beiträge für Ausbildungszeiten nachgezahlt wurden. Unter Umständen lässt sich durch die Nachzahlung also sicherstellen, dass man die 35-jährige oder die 45-jährige Mindestversicherungszeit (früher) erfüllen kann.

(Hinweis: Zahlt man im Rahmen der Ausgleichszahlung für Rentenabschläge Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung ein, kann man hiermit keine zusätzliche Monate für die Mindestversicherungszeit erwerben.)

Das Problem: Da die Nachzahlung für Ausbildungszeiten nur bis zum 45. Lebensjahr möglich ist, lässt sich zum Zeitpunkt der Zahlung noch gar nicht abschließend beurteilen, ob man die Mindestversicherungszeiten bei Rentenbeginn wird erfüllen können, wie viel Monate einem gegebenenfalls fehlen werden und ob sich die Rechtslage innerhalb der nächsten 20 Jahre nicht noch eklatant verändern wird.

Die Entscheidung für oder gegen die Nachzahlung basiert dementsprechend auf einer ungewissen Zukunftsannahme. Fälle, in denen man unter Gesichtspunkten der Mindestversicherungszeit eindeutig eine Nachzahlung empfehlen kann, sind dementsprechend selten.

Nichtsdestotrotz würde ich jedem empfehlen, sich vor Erreichen des 45. Lebensjahres mit den verschiedenen Mindestversicherungszeiten auseinanderzusetzen (zum Beispiel zusammen mit einem Berater der Deutschen Rentenversicherung in einer Auskunfts- und Beratungsstelle) und abzuklären, wie viele Monate man bei seinem geplanten Renteneintritt voraussichtlich unter Fortschreibung der eigenen beruflichen Situation zusammengespart haben wird. Stellt sich dann heraus, dass voraussichtlich nur ein paar Monate fehlen werden, die man über die Nachzahlung für Ausbildungszeiten noch kaufen könnte, würde ich im Regelfall hierzu raten.

2. Rentensteigerung

Der zweite Vorteil, der mit der Nachzahlung einhergeht und mit weniger Ungewissheit verbunden ist als Vorteil Nummer 1, ist die von euch erkaufte Rentensteigerung.

Zahlt ihr zusätzliche Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung erwerbt ihr hierdurch weitere Rentenpunkte, die sich positiv auf eure spätere Rentenhöhe auswirken werden.

Um ein Gefühl dafür zu bekommen, welche Rentensteigerung sich bei welcher Einzahlung ergibt, könnt ihr für das Jahr 2018 folgende Formel nutzen:

Für je 1.000 €, die ihr im Jahr 2018 im Rahmen der Ausgleichszahlung in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt, steigert ihr eure spätere monatliche Brutto-Rente um 4,55 €; pro Jahr also knapp 55 €.

Unbedingt zu berücksichtigen ist, dass von den 4,55 € noch, sofern ihr nicht privat krankenversichert seid, Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung von ca. 11 % sowie gegebenenfalls Steuern zu entrichten sind. Die Netto-Rentensteigerung wird daher eher irgendwo zwischen 3 und 4 € liegen (ausführlichere Überlegungen zur Rentabilität findet ihr im Artikel zur freiwilligen Beitragszahlung und im Beitrag zur Ausgleichszahlung für Rentenabschläge).

Ob es sich hierbei um eine gute oder weniger gute Rendite handelt, ist von einer Vielzahl an Faktoren abhängig und lässt sich – wenn überhaupt – nur im Einzelfall beurteilen.

Gibt es auch Nachteile, wenn ich mich für die Nachzahlung entscheide?

Die Frage mutet zunächst kurios an. Warum sollte es zu Nachteilen kommen, wenn ich zusätzlich in die gesetzliche Rentenversicherung einzahle – außer natürlich dem „Nachteil“, dass mir deutlich weniger Geld zur Verfügung steht.

In bestimmten Konstellationen kann es aber aufgrund der Nachzahlung für Ausbildungszeiten tatsächlich zu Nachteilen kommen, derer man sich vor der Zahlung zumindest bewusst sein sollte. Ursächlich hierfür sind die Besonderheiten der Rentenberechnung.

In der gesetzlichen Rentenversicherung gibt es nämlich bestimmte Versicherungszeiten, deren Wert anhand von Durchschnittsberechnungen bestimmt wird. Das wichtigste Beispiel hierfür ist die sogenannte Zurechnungszeit.

Wer vor Erreichen eines bestimmten Alters (zurzeit 62 Jahre und 3 Monate) aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten kann oder verstirbt, erhält in seinem Versicherungskonto für die Zeit vom Eintritt der Erwerbsminderung oder vom Todestag bis zum 62. Lebensjahr und 3 Monate eine Zurechnungszeit. Durch die Zurechnungszeit wird der Versicherte so gestellt, als wenn er bis zu einem gesetzlich festgelegten Zeitpunkt (2018: 62 Jahre und 3 Monate) gearbeitet hätte und Beiträge in der Höhe eingezahlt hätte, wie er es in der Vergangenheit im Durchschnitt getan hat.

Der Durchschnittswert für die Zurechnungszeit berechnet sich normalerweise, indem der Zeitraum vom 17. Lebensjahr bis zum Eintritt der Erwerbsminderung oder bis zum Todestag des Versicherten betrachtet wird und aus allen in diesem Zeitraum eingezahlten Beiträgen ein Durchschnittswert bestimmt wird.

Wurden bereits vor dem 17. Lebensjahr Beiträge zur Rentenversicherung eingezahlt, werden auch diese bei der Durchschnittsberechnung berücksichtigt. Und genau hierin liegt die Krux: Entscheidet ihr euch dafür, für den Zeitraum vom 16. bis zum 17. Lebensjahr freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen, wirken sich die eingezahlten Beiträge auch auf die Durchschnittsberechnung aus, was nicht zwangsläufig negativ sein muss, jedoch durchaus sein kann:

Wann wirkt sich die Beitragszahlung negativ auf die Durchschnittsberechnung aus?

Liegen die von euch im Rahmen der Nachzahlung eingezahlten Beiträge oberhalb eures „Erwerbslebensdurchschnitts“ beeinflusst ihr hierdurch den Durchschnittswert positiv und es gibt keine Nachteile. Sofern eine Erwerbsminderungsrente oder eine Hinterbliebenenrente zu zahlen ist, wäre diese aufgrund der Nachzahlung sogar (etwas) höher.

Nachteile treten lediglich dann auf, wenn ihr für den Zeitraum zwischen 16 und 17 im Vergleich zu eurem späteren Erwerbsleben unterdurchschnittlich einzahlt.

Dieser Aspekt ist, wie bereits dargestellt wurde, von besonderer Relevanz, wenn es um die Höhe der Erwerbsminderungsrente und die Höhe einer Hinterbliebenenrente geht. Bei der späteren Altersrente spielt diese Nachteile eher eine untergeordnete Rolle. Zwar können auch bei der Berechnung der Altersrente Zeiten mit einem Durchschnittswert bewertet werden, jedoch ist deren Anteil am Gesamtergebnis meist verschwindend gering.

Auch wenn man zum Zeitpunkt der Einzahlung nicht davon ausgeht, dass man vorzeitig versterben wird oder auf die Zahlung einer Erwerbsminderungsrente angewiesen sein wird, sollte man immer im Hinterkopf haben: Zum Zeitpunkt der Einzahlung ist man maximal 45 Jahre alt und der Rentenbeginn liegt noch in weiter Ferne. In der Zeit bis dahin kann es, auch wenn man nicht damit rechnet, immer noch zum Eintritt der Erwerbsminderung oder zum Todesfall kommen. Auch hier lohnt es sich auf jeden Fall, Rücksprache mit einer Auskunfts- und Beratungsstelle zu halten und gegebenenfalls etwas höhere Beiträge einzuzahlen.

Wer für Zeiten nach dem 17. Lebensjahr einzahlt, weil er Schul- und Studienzeiten von mehr als 8 Jahren aufweist, muss sich um das oben geschilderte Problem übrigens keine Gedanken machen. In diesem Fall beeinflusst man den Durchschnitt mit einer Einzahlung immer positiv.

Meine Empfehlung zur Höhe der Nachzahlung

Aufgrund der oben beschriebenen Vor- und Nachteile ist meine persönliche Empfehlung:

Entscheidet ihr euch für die Nachzahlungsmöglichkeit für Schulzeiten zwischen dem 16. und 17. Lebensjahr, solltet ihr möglichst den Höchstbeitrag von 1.209 € pro Nachzahlungsmonat einzahlen.

Wollt ihr beispielsweise nur 3.500 € in die Rentenversicherung einzahlen, teilt ihr das Geld nicht auf 12 Monate, sondern nur auf 3 Monate auf.

Ausnahme: Braucht ihr die 12 Monate für die Erfüllung von Mindestversicherungszeiten, müsst ihr eure Einzahlung natürlich auf alle 12 Monate aufteilen. Hier gilt dann die einfache Regel:

Je höher der Beitrag, desto besser.

Genau gegenteilig ist meine Empfehlung bei der Nachzahlung für Schulzeiten nach dem 17. Lebensjahr, die nicht als Anrechnungszeit anerkannt wurden:

Teil euer Geld möglichst auf alle Monate nach dem 17. Lebensjahr auf, für die ihr nachzahlen könnt.

Doch bevor ihr nun für alle Monate nach dem 17. Lebensjahr lediglich den Mindestbeitrag einzahlt, macht euch bewusst, dass ein Aufstocken nicht möglich ist. Wollt ihr also unter Umständen zu einem späteren Zeitpunkt – bis zum 45. Lebensjahr – nochmal Geld in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, solltet ihr hierfür ausreichend „Puffer“ (Monate, für die noch nicht nachgezahlt wurde) übrig behalten.

Wie beantrage ich die Nachzahlung für Schulzeiten?

Um Beiträge für Schul- und Studienzeiten nachzuzahlen, müsst ihr vor eurem 45. Lebensjahr den Antrag V0080 bei dem für euch zuständigen Rentenversicherungsträger einreichen. In den Online-Services der Deutschen Rentenversicherung steht dieser Antrag noch nicht zur Verfügung, sodass ihr diesen zwingend ausdrucken und eurem Rentenversicherungsträger übersenden müsst.

Da der Antrag nicht besonders umfangreich ist, sollte das Ausfüllen keine größeren Probleme darstellen. Es wird lediglich geprüft, ob in den Zeiten, für die nachgezahlt werden soll, gegebenenfalls doch bereits rentenrechtlich relevante Zeiten liegen (z. B. Kindererziehungszeiten). Außerdem wird natürlich abgefragt, für welche Zeiträume nachgezahlt werden soll und in welcher Höhe. Frage 6 sieht zudem bereits die Möglichkeit vor, für bis zu 5 Jahre eine Ratenzahlung zu beantragen.

Zusammenfassung

Abschließend lässt sich sagen, dass die Nachzahlungsoption für Ausbildungszeiten eine häufig nicht bekannte Möglichkeit darstellt, um bis zum 45. Lebensjahr noch zusätzliche Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung zu zahlen. Entscheidet man sich für eine solche Zahlung, sollte man nicht überstürzt entscheiden, in welcher Höhe und für welche Zeiträume man nachzahlen möchte. Hier gibt es einige Besonderheiten.

Habt ihr Fragen oder Anmerkungen zur Nachzahlung für Schul- und Studienzeiten, kontaktiert mich gerne oder schreibt einen Kommentar.

 

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