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Ausgleichszahlung für Rentenabschläge – 2021 einzahlen, aber von den 2022er-Konditionen profitieren?

In meinem letzten Beitrag habe ich ausführlich dargestellt, warum das Jahr 2022 besonders günstig ist, um im Wege der Ausgleichszahlung für Rentenabschläge zusätzlich in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen.

Nun gibt es jedoch unterschiedlichste individuelle Gründe dafür, trotz des günstigen Preises für einen Rentenpunkt im Jahr 2022 die Ausgleichszahlung – oder zumindest einen Teil davon – dennoch bereits im Jahr 2021 vorzunehmen.

Meist werden dies steuerliche Gründe sein: Zum Beispiel, weil das Einkommen im Jahr 2021 besonders hoch war, oder, weil man im Jahr 2021 eine Abfindung erhalten hat und daher den steuermindernden Effekt der Ausgleichszahlung in diesem Jahr besonders ausnutzen kann.

Die betreffenden Personen stehen also vor der Entscheidung: Höhere Steuerersparnis im Jahr 2021 oder günstigerer Rentenpunkt im Jahr 2022? Eine pauschale Antwort , welcher Weg der lukrativerer ist, gibt es nicht. Dies hängt von der individuellen Situation ab und muss gut durchkalkuliert sein.

Ausweg aus dem Dilemma?

Oder etwa doch nicht?

Einer meiner Leser hatte nämlich eine scheinbar geniale Lösung für diese Problematik.

Seine Idee:

Er veranlasst die Überweisung an die Deutsche Rentenversicherung erst kurz vor Jahresende, also zum Beispiel am 30. Dezember 2021 oder am 31. Dezember 2021. Die Zahlung wird dann steuerlich noch dem Jahr 2021 zugerechnet, kommt bei der Rentenversicherung jedoch erst im neuen Jahr, also im Jahr 2022, an, sodass für die Berechnung der zusätzlichen Rentenpunkte dann eigentlich der 2022er-Wert zugrunde gelegt werden müsste.

Mein erster Gedanke beim Lesen dieses Vorschlags war: Äußerst interessante Idee – aber klappt dies wirklich?

Also habe ich ein wenig recherchiert:

Das Abflussprinzip

Unter steuerlichen Gesichtspunkten erscheint mir der Plan wasserdicht zu sein: Im Steuerrecht gilt das sogenannte Abflussprinzip, wonach Ausgaben dem Jahr zuzuschlagen sind, in dem sie auch tatsächlich geleistet wurden. Sobald die Bank den Überweisungsauftrag annimmt, gilt das Geld als abgeflossen. Sonderregelungen gibt es in diesem Zusammenhang nur für wiederkehrende Ausgaben, was bei der Ausgleichszahlung für Rentenabschläge aber ja nicht der Fall ist.

Die RV-Beitragszahlungsverordnung

Doch wie ist es im Rentenrecht?

Gehen wir davon aus, dass das Geld erst am 3. Januar 2022 auf dem Konto der Deutschen Rentenversicherung gutgeschrieben wird. Dann dürfte doch nichts gegen eine Berechnung auf Grundlage der 2022er-Werte sprechen, oder?

Leider doch: Für Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung inklusive der Ausgleichszahlung für Rentenabschläge gilt nämlich die Verordnung über die Zahlung von Beiträgen zur gesetzlichen Rentenversicherung (RV-Beitragszahlungsverordnung – RV-BZV) und diese besagt im § 6 Satz 1 Nr. 2:

Als Tag der Beitragszahlung gilt:

2. bei Überweisung oder Einzahlung auf ein Konto des Trägers der Rentenversicherung der achte Tag vor dem Tag der Wertstellung zugunsten des Trägers der Rentenversicherung oder, falls es für den Versicherten günstiger ist, der Tag der Belastung oder Einzahlung;

§ 6 Satz 1 Nr. 2 RV-BZV

Auf unser Beispiel übertragen heißt dies:

Wenn die Wertstellung auf dem Konto des Rentenversicherungsträgers am 3. Januar 2022 erfolgt, gilt für die Rentenversicherung als Tag der Beitragszahlung nicht der 3. Januar 2022, sondern der 26. Dezember 2021. Für die Rentenversicherung ist die Einzahlung damit im Jahr 2021 erfolgt, sodass (leider) auch der Rentenpunkt-Preis aus dem Jahr 2021 gilt.

Und auch die in der Verordnung genannte Alternative, dass, falls es für den Versicherten günstiger ist, der Tag der Belastung oder Einzahlung als Tag der Beitragszahlung gilt, bringt uns in diesem Fall nicht weiter. Denn der Tag der Belastung bzw. der Einzahlung wäre ja der 30. oder der 31. Dezember 2021 und läge damit ebenfalls noch im Jahr 2021.

Fazit

Bleibt also festzustellen: Eine Interessante Idee, vor die man rechtlich jedoch einen Riegel geschoben hat.

Tipp für den Jahresübergang 2022 – 2023

Wer den Beitrag bis zu diesem Punkt gelesen hat, wird sich nun möglicherweise denken: Die Überlegungen mögen zwar ganz interessant sein, einen wirklichen Vorteil bringt mir dieses Wissen nun aber nicht. Denn: Anders, als es sich mein kreativer Leser erhofft hat, lässt sich die Ausgleichszahlung leider nicht steuerrechtlich dem einen und rentenrechtlich dem anderen Jahr zuordnen.

Oder vielleicht doch?

Denn die Idee lässt sich ja auch umdrehen – zwar nicht für den Jahresübergang 2021 – 2022, aber ein Jahr später beim Jahresübergang 2022 – 2023.

Auch wenn der Rentenpunkt im Jahr 2022 besonders günstig ist, ist es unter steuerlichen Gesichtspunkten meist sinnvoll, die Einzahlung über mehrere Jahre zu strecken – mit dem Nachteil, dass der Preis für einen Rentenpunkt ab dem Jahr 2023 wieder ansteigt.

Und an dieser Stelle hat mich mein aufmerksamer Leser auf eine Idee gebracht:

Wenn ich die Einzahlung in die gesetzliche Rentenversicherung direkt zu Beginn des Jahres 2023 vornehme, geht diese vermutlich noch vor dem 9. Januar 2023 auf dem Konto des Rentenversicherungsträgers ein. Die Folge: Die Zahlung wird steuerrechtlich zwar dem Jahr 2023 zugerechnet (was ja auch das Ziel war), der Tag der Beitragszahlung im Sinne der Rentenversicherung fällt jedoch noch in das Jahr 2022 und liegt damit in dem Jahr, in dem der Rentenpunkt noch besonders günstig ist.

Für diejenigen, die eh geplant hatten, 2023 Rentenabschläge durch eine zusätzliche Einzahlung in die gesetzliche Rentenversicherung auszugleichen, ist es aus meiner Sicht daher auf jeden Fall eine Überlegung wert, die Einzahlung direkt zu Jahresbeginn vorzunehmen, damit für diese möglicherweise noch die 2022er-Werte gelten.

Achtung bei Ausgleichszahlung zu Jahresbeginn 2022

Zum Abschluss noch ein wichtiger Tipp für all jene, die mit dem guten Vorsatz ins Jahr 2022 starten, etwas für ihre Altersvorsorge zu tun, und hochmotiviert direkt zu Jahresbeginn in die Rentenkasse einzahlen, um Rentenabschläge auszugleichen. Die Mitteilung, die die Rentenversicherung nach Einzahlung übersendet, sollte in diesem Fall genau geprüft werden: Denn der oben für den Jahresübergang 2022 – 2023 dargestellte Einzahlungstrick, kann womöglich nachteilig wirken. Damit meine ich: Obwohl man die Einzahlung tatsächlich erst im Jahr 2022 vorgenommen hat, erfolgt die Berechnung noch anhand der teureren 2021er-Werte, da der Tag der Beitragszahlung aufgrund der 8-Tages-Regel auf das Jahr 2021 zurückdatiert wird.

Sollte dies tatsächlich der Fall sein, empfehle ich, direkt Kontakt mit der Rentenversicherung aufzunehmen und diese über den tatsächlichen Tag der Einzahlung zu informieren. Denn dann gilt: „falls es für den Versicherten günstiger ist, der Tag der Belastung oder Einzahlung“ (und nicht der achte Tag vor dem Tag der Wertstellung).

Dieser Beitrag hat 9 Kommentare

  1. Anonymous

    Ich habe am 15.11.2021 einen Antrag auf Auskunft zum Ausgleich einer Rentenminderung gestellt und am 11.01.2022 die Auskunft erhalten. Dort wird noch das Durchschnittsentgelt 2021 zugrunde gelegt. Zitat: Für die Ermittlung … wurden die
    bei Antragstellung [also 2021] geltenden Rechengrößen zugrunde gelegt. Der Beitrag bleibt maßgebend, wenn er innerhalb von drei Monaten nach Erhalt dieser Auskunft gezahlt wird… Der Beitragsaufwand verändert sich entsprechend der Entwicklung der vorläufigen Durchschnittsentgelte und der Höhe des jeweiligen Beitragssatzes. Ein Aufschieben der Beitragszahlung kann damit einen höheren beitragsaufwand zur Folge haben…

    In diesen Jahr ist diese Warnung also eher eine Warnung vor deutlichen Ersparnissen für den beitragszahler und ich sollte die drei Monate auf jeden Fall verstreichen lassen, oder?

    1. Rentenfuchs

      Die drei Monate verstreichen zu lassen, ist nicht zwingend erforderlich: Die Deutsche Rentenversicherung schreibt in Ihrem Anweisungen zum § 187a SGB VI: “Ist der Umrechnungsfaktor im Zeitpunkt der Auskunftserteilung niedriger als im Zeitpunkt der Antragstellung beziehungsweise der nachgeholten Mitwirkung, so ist dieser Umrechnungsfaktor für die Berechnung maßgebend.”

      Bei einer Einzahlung innerhalb des 3-Monatszeitraums würde ich den Einzahlungsbescheid jedoch genau darauf prüfen, ob tatsächlich der günstigere Umrechnungsfaktor zugrunde gelegt wurde und andernfalls Widerspruch bei der Deutschen Rentenversicherung einlegen.

  2. Gato Loco

    Hallo an allen Mitleser,

    Sollte die Ampelkoalition die angekündigten Steueränderungen bezüglich Rente vornehmen, lohnt sich besonders die Einzahlung Anfang 2023, denn dann wären 100% der Einzahlung (im Rahmen des Höchstbetrages) absetzbar und nicht wie bisher für das Jahr 2023 nur 96%.

  3. Anonymous

    Gilt dieser Vorteil/Nachteil je nach Einzahlungsjahr nur bei Ausgleichszahlungen für Rentenabschläge oder auch für den Fall freiwilliger “Nachzahlungen”, z.B. für zurückliegende Ausbildungsjahre >8 bzw. das 16. Lebensjahr, um damit den Rentenpunktebestand zu erhöhen?

    Falls nicht, könntest du erläutern warum hier der Zeitpunkt der Einzahlung nicht relevant ist und ob es hier andere Gründe gibt früher oder später einzuzahlen? Steuerliches außen vor.

    1. Rentenfuchs

      Die Ausführungen im Beitrag zu besonders günstigen Rentenpunkten im Jahr 2022 beziehen sich tatsächlich lediglich auf die Ausgleichszahlung für Rentenabschläge. Der Grund hierfür ist, dass die erworbenen Rentenpunkte bei der Ausgleichszahlung für Rentenabschläge immer anhand des vorläufigen Durchschnittsentgeltes bestimmt werden, welches im Jahr 2022 bedingt durch dessen Berechnung vergleichsweise gering ausfällt. Bei der Nachzahlung für Schul- und Studienzeiten wie auch bei der Zahlung freiwilliger Beiträge ist hingegen das endgültige Durchschnittsentgelt maßgeblich, welches für das Jahr 2022 voraussichtlich deutlich über dem vorläufigen Durchschnittsentgelt liegen wird.

  4. Karsten

    Hallo lieber Rentenfuchs, vielen Dank für Ihre klugen Überlegungen. Gilt diese Regelung, die sich auf auf Ausgleichszahlungen bezieht, auch für freiwillige Versicherung? Ich habe einen Bescheid zur Zulassung zur freiwilligen Versicherung. Oder könnte ich im Verwendungszweck der Zahlung neben der Versicherungsnummer auch angeben, für welches Jahr die freiwilligen Zahlungen gelten sollen? Also z. B. (das wäre mein Anliegen) in 2021 gezahlt für Zeitraum in 2022 (z. B. Januar bis April 2022), immer unter der Voraussetzung, dass die Voraussetzungen für eine freiwillige Versicherung dann noch gegeben sind?

  5. Thomas

    Lieber Rentenfuchs, das Thema birgt doch wieder immer neue und interessante Varianten. Ich merke mir das auf jeden Fall für Anfang 2023 vor. Zweimal mit dem steuerwirksamen Maximalbetrag vom günstigen Rentenpunktpreis 2022 zu profitieren, hört sich in der Tat verlockend an.

    1. Rentenfuchs

      Das war auch mein Gedanke, als ich auf diese interessante Möglichkeit gestoßen bin.

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