Ausgleichszahlung für Rentenabschläge durch den Arbeitgeber

Ausgleichszahlung für Rentenabschläge durch den Arbeitgeber

Vor einiger Zeit habe ich bereits einen sehr ausführlichen Beitrag zum Thema “Rentenabzüge ausgleichen” geschrieben. In dem Beitrag habe ich mich unter anderem mit folgenden Fragen beschäftigt:

“Wer kann zusätzlich in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, um Rentenabschläge auszugleichen?”

“Wie viel Geld lässt sich auf diesem Weg in der gesetzlichen Rentenversicherung unterbringen?”

“Lohnt sich das überhaupt?”

Und weil das Interesse am Thema so groß war, habe ich noch einen Folgebeitrag speziell zum Thema “Ausgleichszahlung und Steuern” veröffentlicht.

Doch wie es bei so umfangreichen Themen häufig ist:

Selbst diese beiden Beiträge enthalten nicht alle Antworten zum Thema “Ausgleichszahlung für Rentenabschläge”.

Viele Nachfragen zur Ausgleichszahlung durch den Arbeitgeber

Gerade zur Frage: “Kann auch der Arbeitgeber die Ausgleichszahlung leisten, welche Vorteile hat dies und was ist zu beachten?” haben mich eine Vielzahl an Rückfragen erreicht.

Da die Ausgleichszahlung durch den Arbeitgeber für viele Personen besonders interessant zu sein scheint und diesbezüglich viele offene Fragen bestehen, will ich mich diesem Thema in diesem Beitrag genauer widmen:

Kann auch der Arbeitgeber die Ausgleichszahlung leisten?

Beginnen wir mit den Grundlagen:

“Gibt es überhaupt die Möglichkeit, dass der Arbeitgeber für den Versicherten Rentenabschläge in der gesetzlichen Rentenversicherung ausgleicht?”

Die Antwort:

Ja, auch der Arbeitgeber kann für seine Arbeitnehmer Rentenabschläge ausgleichen.”

Welchen Vorteil hat es, wenn der Arbeitgeber die Ausgleichszahlung übernimmt?

Die Frage, die sich nun anschließt, ist natürlich:

“Warum sollte ich die Ausgleichszahlung überhaupt über meinen Arbeitgeber vornehmen lassen? Welche Vorteile hat dies?”

Aus meiner Sicht gibt es zwei Vorteile, die man sich in diesem Zusammenhang genauer anschauen muss:

1. Steuerlicher Vorteil bei Ausgleichszahlung durch den Arbeitgeber

Erfolgt die Ausgleichszahlung für Rentenabzüge über den Arbeitgeber, liegt der Vorteil darin, dass die Hälfte der durch den Arbeitgeber geleisteten Ausgleichszahlung gemäß § 3 Nr. 28 Einkommenssteuergesetz von vornherein steuerfrei ist und die andere Hälfte vom Arbeitnehmer steuerlich als Altersvorsorgeaufwendungen abgesetzt werden kann.

Beispiel:

Zahlt ein Arbeitgeber für einen seiner Arbeitnehmer 20.000 € in die gesetzliche Rentenversicherung ein, um dessen Rentenabschläge bei vorzeitigem Rentenbeginn auszugleichen, müssen nach § 3 Nr. 28 Einkommenssteuergesetz 50 % der Einzahlung – also 10.000 € – nicht versteuert werden.

Auf die andere Hälfte zahlt der Arbeitnehmer zwar zunächst Lohnsteuer, er kann die 10.000 € jedoch in seiner Steuererklärung als Altersvorsorgeaufwendungen absetzen. Die zunächst gezahlte Lohnsteuer erhält er so zum Teil vom Finanzamt zurück.

Erfolgt die Ausgleichszahlung für Rentenabschläge im Rahmen einer Abfindung, können für die zu versteuernden 50 % sogar die Vorteile der Fünftelregelung genutzt werden. Die tatsächlich zu zahlenden Steuern reduzieren sich somit noch weiter.

Wo ist aus steuerlicher Sicht der Unterschied zur Ausgleichszahlung, die der Arbeitnehmer selbst vornimmt?

“Steuerlicher Vorteil” hört sich erst einmal gut an…

Doch schaut man ein wenig genauer hin, stellt sich die Frage: “Wo liegt der Unterschied zur Ausgleichszahlung, die nicht über den Arbeitgeber läuft?” Denn in diesem Fall kann die getätigte Ausgleichszahlung doch ebenfalls steuerlich abgesetzt werden.

Auf unser obiges Beispiel übertragen könnten also rein gedanklich nicht nur 10.000 €, sondern 20.000 € steuerlich als Altersvorsorgeaufwendungen abgesetzt werden, wenn der Arbeitnehmer die Ausgleichszahlung selbst übernimmt.

Altersvorsorgeaufwendungen verringern das zu versteuernde Einkommen nicht um 100 %

Für Altersvorsorgeaufwendungen gilt bis Ende 2024 jedoch noch die Regelung, dass diese nicht zu 100 % steuermindernd berücksichtigt werden.

Im Jahr 2020 werden tatsächlich nur 90 % der Altersvorsorgeaufwendungen als Sonderausgaben berücksichtigt. Dieser Prozentsatz steigt Jahr für Jahr um 2 % an und erreicht 2025 dann die 100 %.

Die Folge dieser Begrenzung: Macht man im Rahmen seiner Steuererklärung 20.000 € als Altersvorsorgeaufwendungen geltend, werden hiervon tatsächlich nur 18.000 € als Sonderausgaben berücksichtigt.

Hätte hingegen der Arbeitgeber die Einzahlung übernommen, wären 10.000 € vollständig steuerfrei gewesen und die restlichen 10.000 € zu 90 %. In Summe würden damit 19.000 € steuerfrei bleiben – 1.000 € mehr, als wenn man selbst die Zahlung an die Rentenversicherung selbst übernommen hätte.

Und Achtung: Es gibt einen Höchstbetrag für absetzbare Altersvorsorgeaufwendungen

Dieser Vorteil wird zwar von Jahr zu Jahr unbedeutender und spielt dann ab 2025 keine Rolle mehr, aus steuerlicher Sicht gibt es jedoch noch ein weiteres Argument für die Ausgleichszahlung durch den Arbeitgeber:

Denn im Einkommensteuergesetz ist festgelegt, dass Altersvorsorgeaufwendungen nur bis zu einem bestimmten Betrag als Sonderausgaben abgesetzt werden können. Dieser Höchstbetrag liegt für eine ledige Person im Jahr 2019 bei 24.305 € (2020: 25.046 €). Für Verheiratete, die steuerlich gemeinsam veranlagt werden, erhöhen sich die maximal absetzbaren Sonderausgaben auf das Doppelte, also 48.610 € (2020: 50.092 €).

Der Höchstbeitrag ist schnell erreicht!

24.305 € hört sich zunächst nach einem recht hohen Betrag an.

Ihr müsst jedoch berücksichtigen, dass ein Teil dieses Maximalbetrags bereits durch andere Zahlungen aufgebraucht wird:

Von den maximal absetzbaren Altersvorsorgeaufwendungen werden nämlich auch die normalen Rentenversicherungsbeiträge des Arbeitnehmers und des Arbeitgebers sowie eventuell gezahlte Beiträge in eine Rürup-Versicherung abgezogen.

Beispiel:

Bei einem jährlichen Verdienst von 50.000 € zahlen Arbeitnehmer und Arbeitgeber zusammen bereits bereits 9.300 € an Rentenversicherungsbeiträgen. Der Höchstbetrag von 24.305 € reduziert sich um diesen Betrag, sodass für die Ausgleichszahlung tatsächlich nur noch 15.005 € verbleiben, die steuerlich abgesetzt werden können.

Bei einer Ausgleichszahlung von 20.000 € würde der Maximalbetrag somit bereits überschritten.

Bei Ausgleichszahlung durch den Arbeitgeber: Nur 50 %-Anrechnung auf den Höchstbetrag

An diesem Punkt kommen nun die Vorzüge der Ausgleichszahlung über den Arbeitgeber zum Tragen:

Denn erfolgt die Ausgleichszahlung über den Arbeitgeber, werden nur die 50 %, die der Arbeitnehmer in seiner Steuerklärung angegeben kann, auf die maximal absetzbaren Altersvorsorgeaufwendungen angerechnet. Die andere Hälfte der Ausgleichszahlung reduziert die maximal absetzbaren Altersvorsorgeaufwendungen hingegen nicht.

Werden also 20.000 € durch den Arbeitgeber in die Rentenkasse eingezahlt, können diese auch bei einem Jahresverdienst von 50.000 € voll steuerlich abgesetzt werden.

2. Keine Sozialversicherungsbeiträge bei Ausgleichszahlung durch den Arbeitgeber

Nachdem wir nun den ersten Vorteil der Ausgleichszahlung über den Arbeitgeber kennen, schauen wir uns noch den zweiten Aspekt an, der diese attraktiv macht:

Wird die Ausgleichszahlung durch den Arbeitgeber geleistet, müssen keine Beiträge zur Renten-, Kranken-, und Arbeitslosenversicherung abgeführt werden.

Begründung:

Die Beitragsfreiheit bei einer Ausgleichszahlung über den Arbeitgeber lässt sich rechtlich wie folgt begründen:

1. Wenn Einkommen steuerfrei ist, folgt daraus in den meisten Fällen auch, dass von diesem Einkommen keine Sozialversicherungsbeiträge entrichtet werden müssen.

Dies trifft auch auf die 50 % der vom Arbeitgeber geleisteten steuerfreien Ausgleichszahlung zu. Von diesen 50 % müssen daher keine Sozialversicherungsbeiträge abgeführt werden.

2. Aber auch von den anderen 50 % werden keine Sozialversicherungsbeiträge abgezogen. Denn diese gelten unabhängig vom Einzelfall als Entschädigung im Sinne des § 24 Nr.1 Einkommenssteuergesetz; und derartige Entschädigungen sind nicht beitragspflichtig.

Welche Sozialversicherungsbeiträge spare ich bei einer Ausgleichszahlung durch den Arbeitgeber?

Was heißt das konkret? Welche Sozialversicherungsbeiträge spare ich, wenn der Arbeitgeber die Ausgleichszahlung leistet?

1. Beitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung

Der Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung liegt zurzeit bei 18,6 % und wird hälftig vom Arbeitnehmer und hälftig vom Arbeitgeber getragen.

Als Arbeitnehmer spare ich somit 9,3 %, die der Arbeitgeber bei einer normalen Auszahlung als Lohn an die Rentenversicherung hätte abführen müsste.

Von 20.000 € müsste der Arbeitgeber bei einer regulären Auszahlung als Arbeitslohn beispielsweise 1.860 € an Rentenbeitrag abziehen.

Aber: Bei Beitragsfreiheit auch keine Rentenpunkte

1.860 € sparen hört sich zunächst gut an…

Tatsächlich liegt hierin aber sogar ein Nachteil für den Arbeitnehmer. Denn er spart sich nicht nur den Arbeitnehmerbeitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung, auch der Arbeitgeberbeitrag fließt nicht in die Rentenkasse.

Am besten wird dieser Nachteil an einem Beispiels deutlich:

Beispiel:

Frau Frank hat die Wahl:

Entweder ihr Arbeitgeber zahlt ihr 20.000 € als Lohn aus und sie zahlt das Geld selbst im Wege der Ausgleichszahlung in die Rentenkasse ein oder der Arbeitgeber übernimmt die Ausgleichszahlung.

Option 1:

Im ersten Fall werden Frau Frank tatsächlich nur 18.140 € ausgezahlt, weil von den 20.000 € die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung abgezogen werden. (Steuern und Beiträge zu den anderen Sozialversicherungsträger lasse ich an dieser Stelle unberücksichtigt, um das oben aufgeworfene Problem besser herausstellen zu können.)

Frau Frank zahlt dann die 18.140 € im Rahmen der Ausgleichszahlung in die Rentenkasse ein und der Arbeitgeber entrichtet von den 20.000 € den Arbeitnehmer- und den Arbeitgeberbeitrag zur Rentenkasse. In Summe fließen der Rentenversicherung also 21.860 € zu – 18.140 € Ausgleichszahlung + 1.860 € Arbeitnehmerbeitrag + 1.860 € Arbeitgeberbeitrag.

Option 2:

Übernimmt der Arbeitgeber hingegen die Ausgleichszahlung, ist er nicht verpflichtet, diese um den Arbeitgeberbeitrag aufzustocken. Bei einer Einzahlung von 20.000 € durch den Arbeitgeber würde Frau Frank somit auch nur Rentenanwartschaften im Wert von 20.000 € erwerben.

2. Beitrag zur Kranken- und Pflegeversicherung

In der Realität werden von den 20.000 € Lohn jedoch nicht nur die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung, sondern auch die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung abgezogen.

Der durchschnittliche Beitragssatz zur gesetzlichen Krankenversicherung liegt aktuell (2019) bei 15,5 %, 7,75 % hiervon hat der Arbeitnehmer zu tragen.

Bei 20.00 € wären dies 1.550 € die man sich spart, wenn die Ausgleichszahlung über den Arbeitgeber läuft.

Der Beitragssatz zur Pflegeversicherung liegt zurzeit bei 3,05 % beziehungsweise 3,3 % für Kinderlose (Arbeitnehmerbeitrag: 1,525 % bzw. 1,775 %).

Bei einer Ausgleichszahlung in Höhe von 20.000 € über den Arbeitgeber kommt es in der Pflegeversicherung somit zu einer Ersparnis von ca. 300 €.

3. Beitrag zur Arbeitslosenversicherung

Und auch in der Arbeitslosenversicherung spart man durch die Zahlung über den Arbeitgeber Geld. Bei einer Einzahlung in Höhe von 20.000 € liegt die Ersparnis für den Arbeitnehmer bei 250 €, da der Beitragssatz in der Arbeitslosenversicherung 2019 bei 2,5 % – 1,25 % sind durch den Arbeitnehmer- und 1,25 % durch den Arbeitgeber zu tragen – liegt.

Auch der Arbeitgeber spart Sozialversicherungsbeiträge

Für den Arbeitnehmer liegt die Gesamtersparnis an Sozialversicherungsbeiträgen somit – wenn er sich für eine Ausgleichszahlung in Höhe von 20.000 € über den Arbeitgeber entscheidet – bei ca. 4.000 €.

Seid euch aber bewusst, dass nicht nur ihr diese 4.000 € spart, sondern auch euer Arbeitgeber.

Euer Arbeitgeber kann also durchaus auch selbst Interesse an der Ausgleichszahlung über den Arbeitgeber haben. Und daher besteht an dieser Stelle durchaus Potenzial für Verhandlungen:

Steht ihr vor der Frage: “Auszahlung als Lohn oder Einzahlung in die Rentenkasse über den Arbeitgeber” sollte, wenn die Wahl auf Option 2 fällt, der Arbeitgeber aus meiner Sicht einen höheren Betrag in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen als er alternativ als Lohn ausgezahlt hätte.

Ich persönlich bin der Meinung, der Arbeitgeber sollte zumindest die gesparten Rentenversicherungsbeiträge oben drauf legen, also an den Arbeitnehmer weiterreichen.

Wie funktioniert die Ausgleichszahlung über den Arbeitgeber?

Nachdem wir uns die Vorteile der Ausgleichszahlung durch den Arbeitgeber genauer angeschaut haben, will ich abschließend die Frage beantworten:

“Wie muss ich vorgehen, wenn die Ausgleichszahlung über den Arbeitgeber erfolgen soll?”

1. Ihr benötigt eine besondere Rentenauskunft

Um eine besondere Rentenauskunft zu erhalten, müsst ihr den Vordruck V0210 bei dem für euch zuständigen Rentenversicherungsträger einreichen.

Im Vordruck wird auch eine Arbeitgeberbescheinigung (V0211 gefordert). Die Angaben eures Arbeitgebers werden erbeten, damit euer aktuelles Einkommen bis zum Rentenbeginn fortgeschrieben werden kann. Der V0211 ist jedoch nicht zwingend erforderlich. Alternativ kann auf dem V0210 handschriftlich vermerkt werden, dass stattdessen das zuletzt gemeldete Einkommen weiter fortgeschrieben werden soll.

Zusätzlich zum Vordruck V0210 müsst ihr entweder den Vordruck V0100 oder V0300 ausfüllen. Welcher der beiden für euch relevant ist, hängt davon ab, ob euer Rentenkonto bereits geklärt ist (V0300) oder ob ihr noch keine Kontenklärung habt vornehmen lassen (V0100).

2. Stimmt euch mit eurem Arbeitgeber ab

Sobald euch die besondere Rentenauskunft vorliegt, könnt ihr diese in Kopie an euren Arbeitgeber weitergeben und mit diesem abstimmen, wann er wie viel Geld im Wege der Ausgleichszahlung in die Rentenkasse einzahlen soll.

Die Kontoverbindung des Rentenversicherungsträgers findet sich auf der besonderen Rentenauskunft. Der Rentenversicherung ist es egal, ob die Einzahlung durch den Arbeitgeber erfolgt oder durch den Arbeitnehmer. Eine besondere Mitteilung darüber, dass der Arbeitgeber die Ausgleichszahlung vornimmt, ist nicht erforderlich.

Wie der Arbeitgeber die Ausgleichszahlung (melde)technisch umsetzt, kann ich an dieser Stelle leider nicht beantworten. Sollte es diesbezüglich Experten geben, wäre ich für eine Ergänzung im Kommentarbereich sehr dankbar.

3. Setzt 50 % der Ausgleichszahlung von der Steuer ab

Nachdem der Arbeitgeber die Ausgleichszahlung vorgenommen hat, erhält der Arbeitnehmer vom Rentenversicherungsträger eine Bescheinigung über die Höhe des eingezahlten Betrags. Außerdem wird er darüber informiert, wie viel Geld jetzt noch maximal im Rahmen der Ausgleichszahlung eingezahlt werden kann.

Wie oben erläutert, kann der Arbeitnehmer 50 % der Ausgleichszahlung als Altersvorsorgeaufwendungen von der Steuer absetzen.

Hierzu nutzt ihr – zumindest bei der Steuererklärung für die Jahre 2017 und 2018 – die Anlage “Vorsorgeaufwand”. Unter der Rubrik “Beiträge zur Altersvorsorge” gebt ihr in Zeile 6 alle Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung an, die nicht bereits  in Zeile 4 geltend gemacht wurden. In Zelle 6 gehören daher auch die 50 % der durch den Arbeitgeber geleisteten Ausgleichszahlung.

Alternative: Einzahlung in eine Betriebsrente

Seid ihr auf der Suche nach Möglichkeiten, um möglichst steuer- und beitragsfrei für das Alter vorzusorgen, könnte alternativ auch die Einzahlung in eine Betriebsrente interessant sein.

Denn bis zu einer Höhe von 4 % der Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung – im Jahr 2019: 3.216 € – sind Einzahlungen in eine Betriebsrente sowohl steuer- als auch beitragsfrei möglich.

Wenn die Einzahlungen 4 % der Beitragsbemessungsgrenze übersteigen, müssen von den übersteigenden Beträgen zwar Sozialversicherungsbeiträge abgeführt werden, bis zu einer Grenze von 8 % der Beitragsbemessungsgrenze (2019: 6.432 €) bleiben die Einzahlungen jedoch weiterhin steuerfrei.

Bei Verträgen, die erstmals 2019 geschlossen wurden, ist der Arbeitgeber sogar verpflichtet, einen Zuschuss von mindestens 15 % auf die Einzahlung des Arbeitnehmers zu gewähren.

Besondere Regelung bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses

Eine noch höhere Steuerersparnis lässt sich realisieren, wenn man seine Abfindung wegen der Beendigung des Arbeitsverhältnisses in eine Betriebsrente einzahlt:

Nach § 3 Nr. 63 Einkommenssteuergesetz können im Rahmen der Beendigung eines Arbeitsverhältnisses nämlich bis zu 4 % der jährlichen Beitragsbemessungsgrenze der allgemeinen Rentenversicherung vervielfältigt mit der Anzahl der Dienstjahre für den jeweiligen Arbeitgeber (maximal 10 Jahre) steuerfrei in eine Betriebsrente eingezahlt werden.

Sofern man 10 oder mehr Jahre für einen Arbeitgeber tätig war, wären dies im Jahr 2019 also bis zu 32.160 €, die man steuerfrei in einer Betriebsrente unterbringen könnte – allerdings mit den – euch vermutlich bekannten – “Nachteilen” einer Betriebsrente.

Hier gilt es: Nicht vorschnell handeln. Alternativen vergleichen. Beratung einholen.


Habt ihr Fragen oder Anmerkungen zur Ausgleichszahlung für Rentenabschläge durch den Arbeitgeber? Schreibt gerne einen Kommentar im Kommentarbereich oder eine E-Mail an rentenfuchs@gmx.de. Auch über Mitteilungen zu euren Erfahrungen mit der Ausgleichszahlung würden ich und vermutlich auch viele andere Leser sich sehr freuen.


Dieser Beitrag hat 6 Kommentare

  1. Bernd .M

    Ausgleichzahlung in Wertguthaben DRV

    Hallo Rentenfuchsteam,
    sehr umfangreich, und sehr gut erklärt. Top Job.👍

    Habe vom Arbeitgeber ein Angebot in Atz zu gehen,bedingt durch Restrukturierung im Betrieb.
    Die Arbeitnehmer können 6 Jahre mit 82% vom Netto in Atz gehen.

    Der Arbeitgeber wird auch eine Ausgleichszahlung für die Rente bezahlen.

    Wie im Artikel beschrieben ,gibt es mehrere Möglichkeiten die Ausgleichzahlung entsprechend in die Rente einzuzahlen.

    Besteht auch die Möglichkeit, die Ausgleichzahlung beim Arbeitgeber in ein Wertguthabenkonto zu schieben ,und dieses Konto an die DRV zu übertragen?

    Bei der Übertragung an die DRV fallen keine Steuern an.
    Die Steuern werden erst bei Abruf des Wertguthaben bei der DRV fällig.

    Im voraus vielen Dank.

    1. Rentenfuchs

      Hallo Bernd,
      die Ausgleichszahlung für Rentenabschläge und die Wertguthabenvereinbarung sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Sofern dein Arbeitgeber einverstanden ist, besteht auch die Möglichkeit die Abfindung oder einen Teil davon in ein Wertguthaben zu überführen und dieses dann aufgrund des Ausscheidens direkt an die DRV zu übertragen. Unter finanziellen Gesichtspunkten sollten Sie hier aber gut rechnen: Aus meiner Sicht bietet nämlich die Ausgleichszahlung mehrere Vorteile (Steuer- und Beitragsfreiheit), die Ihnen bei der Lösung über das Wertguthaben entgehen würden.

  2. Christa Franz

    Vielen Dank für die schnelle Antwort. Da muss ich aber doch noch mal nachfragen. Wenn die Rentenversicherung mir mitteilt, dass ich für meine Kürzung eine Ausgleichzahlung von 70.000 Euro zu leisten hätte und von meinem Arbeitgeber nur 35.000 Euro an die Rentenversicherung schicken lasse, dann wären nur 17.500 Euro für mich steuerfrei? Ich wollte “meine” 35.000 Euro erst dann an die RV zahlen, wenn es steuerlich Sinn für mich macht. Ich dachte bisher, dass es dafür das Schreiben der RV bezüglich der Höhe gibt. Liege ich da so falsch?

    1. Rentenfuchs

      Fast korrekt! Wenn der Arbeitgeber 35.000 € als Ausgleichszahlung für Rentenabschläge in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt, sind hiervon 50 % steuerfrei (17.500 €), die verbleibenden 50 % müssen (zunächst) versteuert werden, können dann von Ihnen im Rahmen der Steuererklärung jedoch – innerhalb der gesetzlichen Grenzen – als Altersvorsorgeaufwendungen steuerlich abgesetzt werden (Sonderausgabenabzug).

  3. Christa Franz

    Ein Traum – solch ein Artikel. Ich stehe genau vor diesem Problem. Einen Teil meiner Abfindung möchte ich an die Rentenversicherung vom Arbeitgeber bezahlen lassen. Und hier meine Frage: muss ich zwingend die anderen 50 % auch einzahlen, damit die 50 % meines Arbeitgebers steuerfrei bleiben? Es wäre klasse, eine Antwort zu erhalten. Vorab vielen, vielen Dank.

    1. Rentenfuchs

      Hi, freut mich, dass dir der Beitrag gefallen hat. Tatsächlich zahlt der Arbeitgeber 100 % ein, sodass du gar nicht die Möglichkeit hast, nur die steuerfreien 50 % einzuzahlen. Von der Einzahlung des Arbeitgebers bleiben nur lediglich 50 % steuerfrei.

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