Bei Abfindung weniger Steuern zahlen durch die Ausgleichszahlung für Rentenabschläge

Bei Abfindung weniger Steuern zahlen durch die Ausgleichszahlung für Rentenabschläge

Gerade wenn es bei großen Unternehmen zu Kündigungen kommt, geht damit häufig auch die Zahlung einer Abfindung einher. Und eine solche Abfindung kann durchaus üppig ausfallen und im oberen fünfstelligen oder sogar im sechsstelligen Bereich liegen.

Was beim ersten Blick auf die Abfindungssumme aber regelmäßig vergessen wird: Es handelt sich hierbei um einen Brutto-Betrag – netto kommt auf dem Konto tatsächlich deutlich weniger Geld an, weil von der Abfindung zunächst noch Steuern abgezogen werden; und das nicht allzu wenig – trotz der für Abfindungen geltenden sogenannten Fünftelregelung, infolge derer Abfindungen steuerlich etwas besser behandelt werden als das reguläre monatliche Einkommen.

Doch die Höhe der Steuern, die man bei einer Abfindung zahlen muss, ist nicht in Stein gemeißelt: Hier gibt es verschiedene Wege, um die Steuerlast zumindest etwas oder sogar zu einem nicht unerheblichen Anteil zu reduzieren.

In diesem Beitrag werde ich mir eine solche Möglichkeit genauer ansehen: Die zusätzliche Einzahlung in die gesetzliche Rentenversicherung zum Ausgleich von Rentenabschlägen.

Doch zunächst noch ein kurzer Hinweis: Ich bin kein zugelassener Steuerberater und dieses Beitrag ersetzt auch keine individuelle Beratung. Ich möchte lediglich ein Gefühl dafür vermitteln, wie hoch der steuerliche Vorteil sein kann, wenn man sich dafür entscheidet, seine Abfindung zumindest zum Teil in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen.

Beispiel – Ausgangssituation:

Wie sich die Ausgleichszahlung auf die von der Abfindung zu zahlenden Steuern auswirkt, möchte ich gerne anhand eines kleinen Beispiels demonstrieren.

Schauen wir uns daher zunächst die Ausgangslage an:

Das gemeinsame zu versteuernde Einkommen eines Ehepaares liegt im Jahr 2021 bei 60.000 €.

Dies ist nicht der Brutto-Verdienst des Ehepaares, sondern wirklich das zu versteuernde Einkommen. Der Brutto-Verdienst liegt womöglich eher bei ca. 80.000 € – bei den 60.000 € an zu versteuerndem Einkommen lande ich, weil vom Brutto-Verdienst ja noch verschiedene Ausgaben wie Werbungskosten und Sonderausgaben abgesetzt werden können.

Hinzu kommt nun im Jahr 2021 die Zahlung einer Abfindung – ebenfalls in Höhe von brutto 60.000 €.

Die Fünftelregelung:

Doch wie viel bleibt netto von der Abfindung übrig? Schauen wir uns dazu einmal an, wie genau die für die Besteuerung von Abfindungen so wichtige Fünftelregelung funktioniert:

Um die von der Abfindung zu zahlenden Steuern zu ermitteln, müssen wir zunächst die Abfindung außenvorlassen und bestimmen, was das Ehepaar ohne die Zahlung einer Abfindung hätte an Steuern zahlen müssen: Bei einem zu versteuernden Einkommen in Höhe von 60.000 € wären das im Jahr 2021 – sofern man als Ehepaar steuerlich gemeinsam veranlagt wird – Steuern in Höhe von 10.182 €.

In einem zweiten Schritt kann man nun die von der Abfindung zu zahlenden Steuern ermitteln. Hierzu muss der Abfindungsbetrag zunächst durch 5 geteilt werden – Stichwort: Fünftelregelung. Verbleiben also von den 60.000 € noch 12.000 €. Diese 12.000 € werden nun auf das zu versteuernde Einkommen – also das Einkommen ohne Abfindung – in Höhe von 60.000 € aufgeschlagen. Im Anschluss wird dann ermittelt, was das Ehepaar bei einem zu versteuernden Einkommen in Höhe von 72.000 € an Steuern zahlen müsste: Konkret sind dies 13.972 €3.790 € mehr als ohne Abfindung.

Diese Differenz muss dann aufgrund der Fünftelregelung zum Abschluss wieder verfünfacht werden (3.790 € x 5 = 18.950 €).

Im Ergebnis müssen von der Abfindung somit 18.950 € an Steuern abgeführt werden. Von den 60.000 € gehen also knapp über 30 % direkt ans Finanzamt. Bei einer höheren Abfindung oder einem höheren zu versteuernden Einkommen kann dies auch ein noch größerer Anteil sein.

Die Ausgleichszahlung für Rentenabschläge

Doch die Steuerlast lässt sich ja durchaus auch reduzieren – beispielsweise durch eine zusätzliche Einzahlung in die gesetzliche Rentenversicherung.

Voraussetzungen

Jeder ab 50, der hochgerechnet bis 63 zumindest theoretisch noch auf 35 Versicherungsjahre kommen kann – und hierbei zählen auch Schul- und Studienzeiten ab dem 17. Geburtstag sowie Kindererziehungs- und Kinderberücksichtigungszeiten mit – hat die Möglichkeit, zusätzlich in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen, um die Rentenabschläge auszugleichen, die man bei einem vorzeitigen Renteneintritt hätte.

Die besondere Rentenauskunft

Man kann übrigens nicht einfach so Geld an die Rentenversicherung überweisen. Zunächst braucht man eine sogenannte besondere Rentenauskunft. Diese kann man bei der Deutschen Rentenversicherung beantragen – wie genau, habe ich in diesem Video beschrieben: Wie beantrage ich eine besondere Rentenauskunft? – Die Ausgleichszahlung für Rentenabschläge.

In der besonderen Rentenauskunft findet sich unter anderem die Information, wie viel Geld man maximal zum Ausgleich von Rentenabschlägen in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen kann sowie die Kontoverbindung der Deutschen Rentenversicherung.

Da die Ausstellung der besonderen Rentenauskunft etwas Zeit in Anspruch nehmen kann, sollte man diese rechtzeitig beantragen. Da mit der Ausstellung der besonderen Rentenauskunft keine Verpflichtung einhergeht, tatsächlich zusätzlich in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen, ist es auch nicht schlimm, wenn man sich letztlich doch gegen die zusätzliche Einzahlung entscheidet.

Ausgleichszahlung für Rentenabschläge steuerlich als Altersvorsorgeaufwendungen absetzen

Doch kommen wir zurück zur Abfindung:

Was die Ausgleichszahlung im Zusammenhang mit einer Abfindung so attraktiv macht, ist, dass die Einzahlung steuerlich – zumindest zum Teil – als Altersvorsorgeaufwendungen beziehungsweise als Sonderausgaben abgesetzt werden kann.

Maximal absetzbare Altersvorsorgeaufwendungen

Für das Jahr 2021 gilt, dass Alleinstehende maximal 25.787 € an Rentenbeiträgen steuerlich absetzen können.

Neben den Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträgen zur gesetzlichen Rentenversicherung werden auch Einzahlungen in einen Rürup-Vertrag auf den Maximalbetrag angerechnet. Nicht jedoch solche in eine Riester-Rente.

Für verheiratete Personen gilt der doppelte Betrag. Sie können maximal 51.574 € als Altersvorsorgeaufwendungen absetzen.

Berücksichtigung Altersvorsorgeaufwendungen als Sonderausgaben

Doch Altersvorsorgeaufwendungen werden – zumindest derzeit noch – nicht in voller Höhe als Sonderausgaben bei der Steuer berücksichtigt.

Für das Jahr 2021 gilt, dass 92 % der Altersvorsorgeaufwendungen als Sonderausgaben steuerlich abgesetzt werden können. Dieser Prozentsatz steigt Jahr für Jahr. Ab dem Jahr 2025 können die Altersvorsorgeaufwendungen dann zu 100 % steuerlich abgesetzt werden.

Beispiel: Bei Abfindung Ausgleichszahlung steuerlich absetzen

Was sich zunächst kompliziert anhört, sollte mithilfe unseres Beispiels etwas besser verständlich werden:

Das Brutto-Einkommen unseres Ehepaares liegt bei 80.000 €. Bei einem Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung in Höhe von 18,6 % zahlen Arbeitnehmer und Arbeitgeber zusammen also bereits 14.880 € an Rentenbeiträgen.

Von dem Maximalbetrag in Höhe von 51.574 € bleiben also noch 36.694 € übrig für sonstige Altersvorsorgeaufwendungen, die steuerlich abgesetzt werden können.

Und welche Auswirkungen hat es nun auf die von der Abfindung zu zahlenden Steuern, wenn sich das Ehepaar dazu entschließt, im Jahr 2021 genau diese 36.694 € zum Ausgleich von Rentenabschlägen zusätzlich in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen und damit die absetzbaren Altersvorsorgeaufwendungen voll auszunutzen?

Bestimmen wir zunächst, wie viel von den 36.694 € tatsächlich als Sonderausgaben steuerlich berücksichtigt werden:

92 % hiervon wären 33.759 €, die als Sonderausgaben steuerlich abgesetzt werden können. Für die Steuerberechnung ergeben sich hierdurch zwei Veränderungen:

1. Das regulär zu versteuernde Einkommen verringert sich von 60.000 € um die absetzbaren Sonderausgaben in Höhe von 33.759 € auf dann 26.241 €.

Statt den rund 10.000 € müssen vom regulären Arbeitsentgelt daher nur noch Steuern in Höhe von 1.172 € gezahlt werden. Es ergibt sich also schon einmal eine Steuerersparnis von 9.010 €.

Doch damit noch nicht genug:

2. Denn es verändert sich ja auch die Berechnung für die von der Abfindung zu zahlende Steuer. Nach Anwendung der Fünftelregelung kommt man auf 14.510 € an Steuern, die aufgrund der Abfindung zu zahlen sind. 4.440 € weniger als ohne Ausgleichszahlung.

(Berechnung: Die 12.000 € Abfindung (60.000 € geteilt durch 5) werden auf die 26.241 € an zu versteuerndem Einkommen aufgeschlagen. Bei einem zu versteuernden Einkommen von dann 38.241 € müssten 4.074 € an Steuern gezahlt werden. Die Differenz zur Steuerbelastung ohne Abfindung liegt bei 2.902 €. Verfünffacht man diesen Betrag, kommt man auf 14.510 €, die von der Abfindung noch an Steuern gezahlt werden müssen.)

In Summe spart man durch die Ausgleichszahlung somit Steuern in Höhe von 13.450 €. Von den rund 36.700 €, die unser Ehepaar zusätzlich in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat, übernimmt das Finanzamt somit fast 37 %.

Ausgleichszahlung über den Arbeitgeber

Und was die Ausgleichszahlung betrifft, gibt es noch die ein oder andere Besonderheit: So ist es beispielsweise möglich, dass sich der Arbeitgeber dazu bereiterklärt, dass er die Überweisung an die gesetzliche Rentenversicherung übernimmt. Eine Überweisung über den Arbeitgeber kann zwei Vorteile bieten:

1. Eine Hälfte der Einzahlung bleibt vollständig steuerfrei – nicht nur zu 92 % und

2. lediglich die zweite Hälfte, die man selbst als Altersvorsorgeaufwendungen beim Finanzamt geltend machen muss, wird bei der Steuerberechnung berücksichtigt und auf die maximal absetzbaren Altersvorsorgeaufwendungen angerechnet.

Dieser Weg – also die Einzahlung über den Arbeitgeber – kann gerade dann interessant sein, wenn man mehr als die maximal absetzbaren Altersvorsorgeaufwendungen in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen möchte.

Zu beachten ist jedoch, dass die Einzahlung über den Arbeitgeber nicht immer die bessere Wahl ist. Hier hängt es von der individuellen steuerlichen Situation ab. Gerade bei kleineren Einzahlungen kann es steuerlich sinnvoll sein, diese selbst zu tätigen.

Beispiel – Ausgleichszahlung für Rentenabschläge über den Arbeitgeber

Damit auch diese Möglichkeit etwas besser nachzuvollziehen ist, noch ein kleines Beispiel:

Angenommen, unser Ehepaar möchte gerne die gesamten 60.000 € als Ausgleichszahlung in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen.

Zwar ließe sich die Einzahlung auch über mehrere Jahre strecken, sodass die maximal absetzbaren Altersvorsorgeaufwendungen nicht überschritten würden, die Eheleute wünschen jedoch – aus welchen Gründen auch immer – die volle Summe im Jahr 2021 einzuzahlen.

Sofern Sie die Einzahlung selbst vornehmen, müssten Sie – genauso wie im obigen Beispiel – 15.682 € an Steuern zahlen; denn alles oberhalb von 36.694 € kann nicht mehr als Altersvorsorgeaufwendungen berücksichtigt werden und wirkt sich damit auch nicht mehr auf die Höhe der Steuerbelastung aus.

Anders ist dies jedoch, wenn der Arbeitgeber die 60.000 € zum Ausgleich von Rentenabschlägen in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt.

Die steuerliche Situation würde sich dann nämlich wie folgt darstellen:

Die Hälfte der Ausgleichszahlung – also 30.000 € – bleibt vollständig steuerfrei und wird nicht daher nicht als Altersvorsorgeaufwendungen berücksichtigt beziehungsweise nicht auf den absetzbaren Maximalbetrag angerechnet. Die andere Hälfte zählt normal als Abfindung. Von den 30.000 € können jedoch 92 % – also 27.600 € – als Sonderausgaben steuerlich abgesetzt werden.

Damit wären wir also bei einem zu versteuernden Einkommen von 32.400 € (60.000 € – 27.600 €), woraus sich – vor Berücksichtigung der Abfindung – eine Steuerbelastung in Höhe von 2.604 € ergibt.

Hinzu kommt jetzt noch die Abfindung in Höhe von 30.000 €. 30.000 €, weil von den 60.000 € Ausgleichszahlung die Hälfte steuerfrei bleibt und daher nur die andere Hälfte bei der Besteuerung als Abfindung berücksichtigt wird.

Nach Anwendung der Fünftelregelung ergeben sich dann noch 7.560 € an Steuern (1.512 € x 5), die aufgrund der Abfindung gezahlt werden müssen.

In Summe wären im Jahr 2021 damit 10.164 € an Steuern zu zahlen; rund 5.500 € weniger, als wenn man die 60.000 € selbst in die Rentenversicherung eingezahlt hätte.

Besonders hohe Steuerersparnis bei Bezug von Arbeitslosengeld I

Besonders hoch kann die Steuerersparnis durch die Ausgleichszahlung übrigens dann sein, wenn man in dem Jahr, in dem man Abfindung bekommt, auch Anspruch auf Arbeitslosengeld I hat.

Zwar muss das Arbeitslosengeld selbst nicht versteuert werden, aufgrund des sogenannten Progressionsvorbehalts beeinflusst es jedoch indirekt die Steuern, die von der Abfindung zu zahlen sind. Da die Berechnung hier noch etwas komplexer ist als in den vorherigen Beispielen, will ich diese nur verkürzt darstellen:

Folgende Ausgangslage:

Unsere Eheleute erhalten im Jahr 2021 Arbeitslosengeld I in Höhe von insgesamt 40.000 €. Hinzu kommt noch ein zu versteuerndes Einkommen aus regulärem Arbeitsentgelt in Höhe von 25.000 €. Die im Jahr 2021 ausgezahlte Abfindung liegt in diesem Beispiel überdies sogar bei 100.000 €.

Sofern unsere Eheleute sich gegen eine Ausgleichszahlung entscheiden, müssten sie Steuern in Höhe von 30.720 € an das Finanzamt zahlen.

Bei einer Ausgleichszahlung in Höhe von 30.000 € sähe das Ergebnis schon deutlich anders aus:

In diesem Fall würde sich die Steuerlast fast halbieren – nämlich auf 15.830 €. Mit 14.890 € würden also nahezu 50 % der Ausgleichszahlung aus Steuermitteln finanziert, was aus meiner Sicht auf jeden Fall eine Überlegung wert wäre.

Weitere Möglichkeiten, die Steuerlast bei einer Abfindung zu reduzieren

Die Ausgleichszahlung für Rentenabschläge ist nicht der einzige Weg, um die Steuerlast bei einer Abfindung zu verringern.

Alternativ könnte man einen Teil der Abfindung beispielsweise auch in eine Rürup-Rentenversicherung einzahlen oder vom Arbeitgeber in eine Betriebsrente abführen lassen.

Ob bei einem solchen Weg am Ende aber mehr oder weniger Rente als bei einer Einzahlung in die gesetzliche Rentenversicherung herumkommen, hängt vom jeweiligen Produkt ab. Nach meiner Erfahrung schlägt sich die gesetzliche Rentenversicherung aktuell recht gut gegen die privaten Versicherer – vergleichen schadet aber auf jeden Fall nicht.

Zum “Nachhören” und “Schauen” findet ihr diesen Beitrag auch noch einmal auf meinem YouTube-Kanal: “Von Abfindung weniger Steuern zahlen dank Ausgleichszahlung für Rentenabschläge

Dieser Beitrag hat 11 Kommentare

  1. Peter

    Hallo Rentenfuchs,
    auch ich finde die Aufbereitung des Themas hervorragend. An einer Stelle möchte ich eine Anmerkung machen, nämlich zur Berechnung des Vorteils bei einer Abfindungszahlung mit Ausgleichszahlung in die Rentenversicherung durch den Arbeitgeber:
    Die gesetzliche Grundlage ist § 3 Nr. 28 EStG und besagt, dass die Zahlungen des Arbeitgebers zur Übernahme der Beiträge im Sinne des § 187a des Sechsten Buches Sozialgesetzbuch, soweit sie 50 Prozent der Beiträge nicht übersteigen, steuerfrei sind.
    50% der Einzahlungen bedeutet 50% der Nettoabfindung und nicht 50% der Bruttoabfindung. Dieser Ansatz wurde mir von Fachleuten auf dem Gebiet der Gehaltsabrechnung bestätigt. Der steuerfreie Teil der Abfindung ist danach in einem iterativen Verfahren festzustellen. Dies bedeutet, dass der steuerfreie Anteil schrittweise so lange verändert werden muss, bis der steuerfreie Teil 50% der resultierenden Nettoabfindung (= Überweisung) ausmacht. Der steuerfreie Teil wird nach dieser Berechnung nicht die Hälfte des Bruttobetrags ausmachen, sondern überschlägig eher um die 30%.
    Ein anderes Problem sehe ich in der Folge beim Geltendmachen der Vorsorgeaufwendungen. Die Ausgleichszahlung erfolgt nun also durch den Arbeitgeber an die Rentenversicherung, wobei die Hälfte davon bereits steuerfrei ist. Die Rentenversicherung bescheinigt dem Versicherten den Erhalt der Ausgleichszahlung, Der steuerfreie Anteil ist der Rentenversicherung natürlich nicht bekannt. Gibt nun der Versicherte diese bescheinigte Einzahlung in der Steuererklärung als abziehbaren Vorsorgeaufwand an, würde der bereits erhaltene Vorteil in Form des steuerfreien Anteils ungerechtfertigt ein zweites Mal geltend gemacht werden. Um dies auszuschließen, müsste der Arbeitgeber entweder dem Finanzamt den steuerfrei gezahlten Teil melden, oder in der anderer Form in der Lohnsteuerbescheinigung ausweisen.
    Wie ist deine Einschätzung dazu?

    1. Rentenfuchs

      Hallo Peter, das mit dem iterativen Verfahren höre ich zum ersten Mal. Da ich kein Steuerberater bin, kann ich nicht mit Sicherheit sagen, dass diese Aussage falsch ist, im Kommentarbereich zum meinem Beitrag “Ausgleichszahlung für Rentenabschläge durch den Arbeitgeber” berichten jedoch viele meiner Leser, dass Sie die Möglichkeit, die Ausgleichszahlung über den Arbeitgeber laufen zu lassen, bereits genutzt haben und rechnen hier genauso wie ich auch. Nach meinem Verständnis ist der § 3 Nr. 28 EStG hier zudem ziemlich klar: 50 % der Beiträge bleiben steuerfrei; hier steht nichts von Brutto- oder Netto-Abfindung. Wenn der Arbeitgeber also 100.000 Euro einzahlt, bleiben hiervon 50.000 Euro steuerfrei, auf die restlichen 50.000 Euro müssen dann Steuern gezahlt werden; dafür kann die Einzahlung jedoch innerhalb der gesetzlichen Grenzen als Altersvorsorgeaufwendungen abgesetzt werden. Zu Ihrer zweiten Frage: In einem der Kommentare zum obigen Beitrag wurde berichtet, dass der Arbeitgeber die Hälfte der Ausgleichszahlung in Zeile 23a der Lohnsteuerbescheinigung eingetragen hat. Dies kam mir zwar etwas komisch vor, tatsächlich gibt es jedoch auch keine andere Zeile in der Lohnsteuerbescheinigung, sodass dies auch durchaus stimmen könnte (hier bin ich kein Experte).

      1. Peter

        Hallo Rentenfuchs, Danke für die schnelle Antwort. Mich würde nicht verwundern, wenn nicht alles entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen umgesetzt wird. Da der Sachverhalt in diversen Quellen oft anders dargestellt wird, wolle ich meine Anmerkung zur Diskussion stellen. Gerade was die Formulierung 50% der Zahlungen in der gesetzlichen Grundlage angeht, überzeugt mich die erwähnte Lösung. Denn die Zahlung, oder der eingezahlte Beitrag wird aus dem resultierenden Nettobetrag geleistet. Die Höhe der Bruttoabfindung steht dazu nicht in direktem Zusammenhang; sie sollte jedenfalls nicht als Bezugsgrösse für die 50% dienen. Deshalb wird in der Gehaltsabrechnung meines Unternehmens genau diese Berechnung praktiziert.
        Die Lösung zu dem zweiten Punkt finde ich praktikabel und korrekt. Alles weitere, also die richtige Berücksichtigung der Vorsorgeaufwendungen, bleibt dann dem Finanzamt überlassen.

  2. Michael

    Hallo Rentenfuchs, ich bin heute auf Ihre Seite aufmerksam geworden und ich bin beeindruckt. Vielen Dank für guten, ausführlichen und verständlich aufbereiteten Informationen. Zum obigen Beitrag habe ich eine Frage. Können Sie mir sagen, wieviele Rentenpunkte es in Ihrem Beispiel bei der Ausgleichszahlung geben würde? Schon jetzt vielen Dank und schöne Grüße, Michael

    1. Rentenfuchs

      Hallo Michael, im Jahr 2021 erhält man für eine Einzahlung in Höhe von 7.726,63 Euro exakt einen Rentenpunkt. Zahlt man das Doppelte ein, sind es zwei und so weiter…(etwaige Rentenabschläge aufgrund eines vorzeitigen Renteneintritts sind dabei noch nicht berücksichtigt; deren Höhe ist u.a. abhängig vom Geburtsjahr).

  3. dokter

    Hallo Maik,
    zunächst einmal ein großes Lob für Deine Seite. Den Tipp, die Ausgleichszahlung durch den AG überweisen zu lassen, habe ich bei einem Steuerberater angesprochen, der nur große Augen gemacht hat…
    Ich möchte das Ganze nun gerne mit meiner Steuersoftware durchspielen, kannst Du mir vielleicht sagen, wo ich die Ausgleichszahlung in der Steuererklärung eintragen muss, wenn sie direkt durch den AG vorgenommen wird?
    Danke sehr.

    1. Rentenfuchs

      Hallo, da ich kein Steuerberater bin, kann ich hierzu leider keine verbindliche Auskunft geben. Das BMF hat mir zur Ausgleichszahlung über den Arbeitgeber folgenden Hinweis gegeben, der Ihnen womöglich weiterhelfen kann:

      “Im Rahmen der Einkommensteuererklärung sind die geleisteten Beiträge des Steuerpflichtigen in die gesetzliche Rentenversicherung unter „Beiträge zur Altersvorsorge“ in der Anlage Vorsorgeaufwand einzutragen (Veranlagungszeitraum 2019: Zeile 4 bzw. Zeile 6). Die – im Rahmen der Übergangsregelung für die die Ermittlung des Abzugsbetrags – auch relevanten Beiträge des Arbeitgebers sind in der Einkommensteuererklärung ebenfalls zu erfassen (2019: Zeile 9), jedoch ohne die nach § 3 Nummer 28 EStG steuerfrei geleisteten Zahlungen.”

      Weiterhin würde ich Ihnen empfehlen, auch einmal die Kommentare in meinem Beitrag “Ausgleichszahlung für Rentenabschläge durch den Arbeitgeber” zu lesen. Ich meine mich zu erinnern, dass die Frage auch hier mehrfach aufgekommen ist und ganz gut beantwortet wurde.

      1. dokter

        Vielen Dank für die Rückmeldung 🙂

  4. suchenwi

    Nachtrag: mit Faktor 5 ist die Fünftelregelung offensichtlich ein “Hebelprodukt”. Kann wie berichtet enorme Vorteile bringen. Aber auch (kleinere) Nachteile: für die 159€ zusätzliches Einkommen (aus Kirchensteuererstattung) fielen 193€ mehr Steuern an, also 121%…
    aber ich klage nicht, und werde auch keinen Widerspruch einlegen 🙂
    Es ist alles nicht einfach…

  5. suchenwi

    Genau dieses Thema hatte ich 2020: Altersteilzeit bis Juli 2019 (Alter 63), danach vorgezogene Rente.
    Abfindung wurde Ende Jan. 2020 gezahlt, sehr günstig vorversteuert (ca. 1k Steuern auf 58.8k Abfindung, “Fünftelregelung extrem”)…
    Aber natürlich hatte ich 2020 Renteneinkünfte. Als alle elektronischen Bescheinigungen vorlagen, habe ich die finanzamtliche Elster fliegen lassen, mit zwei Proberechnungen:
    Abfindung 58.8k (Fünftelregelung) + „Arbeitslohn“ 437
    DRV-Rente 19229, davon steuerpflichtig 14998
    VBL-Betriebsrente 748, davon steuerpflichtig 149

    1. Proberechnung ohne frw.Rentenbeiträge: 16550.50 (etwa erwartet)
    2. Proberechnung mit 12855 frw. Rentenbeiträge: 2590
    Delta 13960.50
    Also trägt das FA 108.6% der frw.Beiträge! 🙂

    Nach dem Steuerbescheid (gestern von Elster bekommen) ist die Steuerschuld mit 2783 leicht höher (hatte Erstattungsüberhang Kirchensteuer falsch eingetragen). Das Delta sinkt damit auf 13.767.50, macht aber immer noch 107.1% der frw.Beiträge aus. “Once in a lifetime”… (nochmal werde ich keine Fünftelregelung anwenden können), aber sehr erfreulich, über Amortisation der RV-Beiträge brauche ich nicht mehr zu grübeln, sind ja schon. 😀

    1. Rentenfuchs

      Ganz herzlichen Dank für die detaillierte Darstellung! Zeigt aus meiner Sicht ziemlich eindrücklich, wie lukrativ die zusätzliche Einzahlung in die gesetzliche Rentenversicherung – sei es über die Ausgleichszahlung oder die Zahlung freiwilliger Beiträge – im Einzelfall sein kann.

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