Kann bzw. muss ich trotz Rentenbezugs Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung zahlen?

24. April 2018 Altersrenten Einkommensanrechnung Rentenleistungen 2
Beiträge zur Rentenversicherung trotz Rentenbezugs

Sei es aus Freude an der Arbeit, sei es aus finanziellen Gründen: Viele Rentner in Deutschland beziehen Rente und müssen oder wollen daneben arbeiten. Laut dem statistischen Bundesamt beträgt die Erwerbstätigenquote von Personen im Alter zwischen 65 bis 74 Jahren insgesamt 11 %. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage:

Müssen bzw. können trotz eines Rentenbezugs noch Beiträge zur Rentenversicherung gezahlt werden und wenn ja, wie steigern diese Beiträge dann die eigene Rente?

Hierzu findet ihr im Weiteren alle notwendigen Informationen.


Vor Beantwortung der Frage nach der Pflicht zur Beitragszahlung und der sich daraus ergebenden Rentensteigerung, ist zunächst festzustellen: Es gibt zwei unterschiedliche Personengruppen, für die deutliche unterschiedliche Regelungen gelten:

Unter die erste Personengruppe fallen diejenigen, die eine vorzeitige Altersrente in Anspruch genommen haben und die Regelaltersgrenze noch nicht erreicht haben.

Andere Regelungen gelten hingegen für alle Rentner, die die an ihr Geburtsjahr geknüpfte Regelaltersgrenze bereits erreicht haben 

Vor Erreichen der Regelaltersgrenze

Wer bestimmte Mindestversicherungszeiten erfüllt, hat mit der Altersrente für langjährig Versicherte, der Altersrente für besonders langjährig Versicherte und der Altersrente für schwerbehinderte Menschen die Möglichkeit, schon vor seinem regulären Renteneintrittsalter Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung zu beziehen.

Bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze gelten jedoch besondere Regelungen hinsichtlich der Anrechnung von Hinzuverdienst und der Zahlung von Rentenversicherungsbeiträgen für Beschäftigungen neben dem Rentenbezug.

Einkommensanrechnung vor Erreichen der Regelaltersgrenze

Hinsichtlich der Einkommensanrechnung gelten die Regelungen der sogenannten Flexi-Rente: Solange der jährliche Hinzuverdienst die Grenze von 6.300 € nicht überschreitet, wird die Rente trotz Hinzuverdienst in voller Höhe gezahlt. Liegt das jährliche Einkommen aus einer Beschäftigung oder aus einer selbstständigen Tätigkeit oberhalb von 6.300 €, wird der übersteigende Betrag zunächst zu 40 % auf die Rente angerechnet. Ab Erreichen des Hinzuverdienstdeckels – einer Grenze, die sich aus dem vor Rentenbeginn erhaltenen Arbeitsentgelt errechnet – erfolgt dann eine 100 %-Anrechnung. Genaueres hierzu findet ihr im Beitrag zur Flexi-Rente.

Zahlung von Rentenversicherungsbeiträgen vor Erreichen der Regelaltersgrenze

Solange die Regelaltersgrenze noch nicht erreicht ist, besteht für Bezieher einer vorgezogenen Altersrente weiterhin Rentenversicherungspflicht. In Bezug auf die Zahlung von Rentenversicherungsbeiträgen ändert sich somit nichts im Vergleich zu einer Person, die regulär erwerbstätig ist und keine Rente bezieht.

Die nach Rentenbeginn eingezahlten Beiträge sind jedoch nicht verloren, sondern werden mit Erreichen der Regelaltersgrenze der bisherigen Rente zugerechnet.

Beispiel:

Eine am 15.08.1955 geborene Person beantragt mit 63 Jahren (also ab dem 01.09.2018) die Altersrente für langjährig Versicherte in Höhe von Brutto 1100 €. Sie arbeitet neben der Rente unter Einhaltung der Hinzuverdienstgrenzen und zahlt weiter Rentenversicherungsbeiträge. Die Regelaltersgrenze erreicht die Person am 15.05.2021, sodass ab dem 01.06.2021 die Hinzuverdienstregelungen nicht mehr gelten.

Für den Zeitraum vom 01.09.2018 – 31.05.2021 verändert sich die Rentenhöhe trotz weiterer Beitragszahlung nicht. Zum 01.06.2021, also im Monat nach Erreichen der Regelaltersgrenze, erfolgt eine Rentenneuberechnung unter Berücksichtigung der nach Rentenbeginn gezahlten Beiträge. Hat die Versicherte jährlich 6.000 € neben der Rente verdient, wird das Rentenplus brutto voraussichtlich zwischen 12 € und 13 € liegen.

Als Faustformel zur Berechnung der Rentensteigerung eignet sich folgende Berechnung:

Je 1000 € an rentenversicherungspflichtigem Arbeitsentgelt steigt die monatliche Brutto-Rente um ca. 0,82 €.

Bei einem jährlichen Verdienst von 5.000 € ergibt sich daraus beispielsweise pro Jahr der Erwerbstätigkeit neben dem Bezug der Rente ein Rentenplus von brutto 4,10 €.

Rentenversicherungsbeiträge bei einer geringfügigen Beschäftigung

Sofern der monatliche Verdienst die Geringfügigkeitsgrenze von 450 € nicht übersteigt, liegt eine geringfügige Beschäftigung vor. Bei dieser zahlt der Arbeitgeber Rentenversicherungsbeiträge in Höhe von 15 % des monatlichen Verdienstes. Als Arbeitnehmer stockt man diese Beiträge grundsätzlich durch eigene Beiträge bis zum geltenden Rentenversicherungsbeitragssatz auf.

Der Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung liegt seit 2018 bei 18,6 %, sodass man als Arbeitnehmer den Arbeitgeberbeitrag um 3,6 % aufstocken muss.

Bei einem monatlichen Verdienst von 450 € zahlt man entsprechend einen Rentenversicherungsbeitrag von 16,20 € im Monat.

Alternativ besteht die Möglichkeit, seinem Arbeitgeber gegenüber zu erklären, dass man auf die Zahlung eigener Beiträge zur Rentenversicherung verzichten möchte. Bei einem Verdienst von 450 € spart man sich dadurch den monatlichen Beitrag von 16,20 €.

Bezieht man bereits eine Rente, hat die Regelaltersgrenze allerdings noch nicht erreicht, ergibt sich eine Rentensteigerung sowohl bei Aufstockung der Arbeitgeberbeiträge als auch wenn man darauf verzichtet. In beiden Fällen erhöht sich die Rente durch die zusätzlichen Beiträge, sobald man die Regelaltersgrenze erreicht hat. Hat man auf die Zahlung eigener Beiträge verzichtet, fällt die Rentensteigerung jedoch etwas geringer aus.

Die monatliche Rente steigt pro Jahr, in dem eine geringfügige Beschäftigung mit einem Verdienst von 450 € ausgeübt wurde, entweder um 4,40 € bei eigener Beitragszahlung oder um 3,50 €, wenn auf die Zahlung eigener Beiträge verzichtet wurde.

Abgesehen von der geringeren Rentensteigerung, hat der Verzicht auf die eigene Beitragszahlung (für Renter!) so gut wie keine Nachteile. Die Entscheidung hängt somit von der individuellen Lebenserwartung ab: Man zahl zwar jährlich 194,40 € in die Rentenversicherung ein, erhält dafür pro Jahr aber auch 10,80 € Brutto-Rente mehr. Grob gerechnet und Rentenanpassungen außen vor gelassen, hat man sein eingezahltes Geld also nach ca. 20 Jahren des Rentenbezugs wieder raus.

Möchte man trotz Rentenbezug noch weiterhin die Riester-Grundzulage erhalten, kann die Zahlung des Eigenbeitrags sinnvoll sein. Durch den Eigenbeitrag werden Pflichtbeiträge zu Rentenversicherung entrichtet, die zum Erhalt der Zulage notwendig sind.

Will man die geringfügige Beschäftigung über die Regelaltersgrenze hinaus ausüben, empfiehlt sich eher die Fortsetzung der eigenen Beitragszahlung. Hat man einmal eine Verzichtserklärung abgegeben, kann man diese für die gleiche Tätigkeit nicht widerrufen. Ab Erreichen der Regelaltersgrenze gibt es bei einer geringfügigen Beschäftigung, wie unten beschrieben, nur noch eine zusätzliche Beitragssteigerung, wenn selbst Beiträge gezahlt werden.

Rentenversicherungsbeiträge bei einer mehr als geringfügigen Beschäftigung

Liegt das monatliche Einkommen oberhalb von 450 €, bedarf es keinerlei Entscheidungen. Bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze werden weiterhin Rentenversicherungsbeiträge an die gesetzliche Rentenversicherung abgeführt. Die bei Erreichen der Regelaltersgrenze entsprechend der obigen Berechnungen die Rente steigern.

Zahlung freiwilliger Beiträge zur Rentenversicherung

Neben Personen, die aufgrund ihrer Erwerbstätigkeit verpflichtet sind, Beiträge zur Rentenversicherung zu zahlen, gibt es ebenso Versicherte, die trotz Rentenbezugs noch auf freiwilliger Basis Beiträge zur Rentenversicherung zahlen möchten.

Trotz des Bezugs einer Altersrente ist es im Regelfall möglich – bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze -freiwillige Beiträge zur Rentenversicherung zu zahlen.

Dies gilt jedoch nur für Personen, die nicht aus irgendeinen Grund Pflichtbeiträge zur Rentenversicherung zahlen. Denn freiwillige Beiträge darf nur derjenige zahlen, der keine Pflichtbeiträge zahlt.

Wer also aufgrund einer Beschäftigung, einer Selbstständigkeit oder einer Pflegetätigkeit neben dem Rentenbezug Pflichtbeiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung zahlt, hat nicht die Option zur freiwilligen Beitragszahlung.

Die Höhe und die Dauer der freiwilligen Beitragszahlung kann vom Versicherten frei bestimmt werden. Dabei müssen lediglich die Zahlungsfristen sowie die Mindest- und Höchstbeiträge beachtet werden.

Zahlungsfrist sowie Mindest- und Höchstbeiträge für freiwillige Beiträge

Freiwillige Beiträge können auch für das vergangene Jahr gezahlt werden. Die Zahlung bzw. der Antrag muss jedoch bis Ende März des Folgejahres beim Rentenversicherungsträger eingegangen sein.

Bis Ende März 2019 kann somit noch die freiwillige Beitragszahlung für das Jahr 2018 beantragt werden. Die Zahlung von Beiträge für das Jahr 2017 ist hingegen seit April 2018 nicht mehr möglich.

Der monatliche Mindestbeitrag für freiwillige Beiträge liegt seit 2018 bei 83,70 €. Höchstens darf ein monatlicher Betrag von 1.209 € überwiesen werden.

Um die Rentensteigerung zu berechnen, die sich aus der Einzahlung ergibt, kann folgende Faustformel genutzt werden:

Pro eingezahlte 100 € steigt die Rente bei Erreichen der Regelaltersgrenze um brutto 0,44 €.

Wird beispielsweise ein Jahr lang jeden Monat 100 € als freiwilliger Beitrag gezahlt, errechnet sich daraus eine Rentensteigerung von brutto 5,28 € (12 x 0,44 €).

Genaueres zur freiwilligen Beitragszahlung findet ihr hier.

Zahlung von Beiträgen aufgrund der Pflege eines pflegebedürftigen Angehörigen

Wer einen pflegebedürftigen Angehörigen (Pflegegrad 2 oder höher) mindestens 10 Stunden die Woche an zwei oder mehr Tagen pflegt, kann hierdurch die eigene Rente steigern.

Sofern man nämlich nicht mehr als 30 Stunden pro Woche beschäftigt ist, muss die Pflegekasse des Pflegebedürftigen Rentenversicherungsbeiträge für den Pflegenden zahlen. Hierdurch steigt die Rente der Pflegeperson.

In welchem Umfang die Rente genau steigt, hängt vom Pflegegrad des Pflegebeürftigen ab und davon, welche Art von Leistungen dieser erhält. Bei einem Jahr Pflege beträgt die monatliche Rentensteigerung mindestens 5,40 € (Pflegegrad 2 – Sachleistungsbezug in Ostdeutschland) und maximal 29,86 € (Pflegegrad 5 – Bezug von Pflegegeld im Westen).

Wer bereits eine Rente bezieht, kann trotzdem noch von Rentensteigerungen aufgrund der Pflege einer pflegebedürftigen Person profitieren. Bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze ist es so, dass die Pflegekassen weiterhin verpflichtet sind, Beiträge zur Rentenversicherung abzuführen. Die von der Pflegekasse gezahlten Beiträge kommen der Rente wie auch die Beiträge aus einer abhängigen Beschäftigung oder die freiwilligen Beiträge dann zugute, wenn der Rentner die Regelaltersgrenze erreicht.

Nach Erreichen der Regelaltersgrenze

Alle oben getroffenen Aussagen gelten nur für die Rentner, die die Regelaltersgrenze noch nicht überschritten haben. Ganz anders sieht die Rechtslage für Rentner aus, die bereits die Regelaltersgrenze erreicht haben und weiterhin erwerbstätig sind, freiwillige Beiträge zahlen möchten oder eine pflegebedürftige Person pflegen.

Die allgemeine Regelung ab Erreichen der Regelaltersgrenze ist so, dass ein Rentenbezieher im Normalfall keine Beiträge mehr zur Rentenversicherung entrichtet und es somit auch zu keinen Rentensteigerungen kommt (abgesehen von der jährlichen Rentenanpassung).

Wer also bereits eine Rente bezieht, die Regelaltersgrenze erreicht hat und weiterhin einer Beschäftigung nachgeht, muss keine Rentenversicherungsbeiträge mehr zahlen. Damit kommt es jedoch auch zu keinen Rentensteigerungen mehr. Ähnlich verhält es sich in Bezug auf freiwillige Beiträge und die Zahlung von Beiträgen für die Pflege eines pflegebedürftigen Angehörigen. Die Zahlung von freiwilligen Beiträgen ist für Bezieher einer Altersvollrente ab Erreichen der Regelaltersgrenze ausgeschlossen. Genauso endet auch die Pflicht der Pflegekassen, Beiträge für Pflegepersonen an die Rentenversicherung abzuführen, wenn eine Altersvollrente bezogen wird und zudem die Regelaltersgrenze erreicht ist.

Rentenversicherungsbeiträge bei einer abhängigen Beschäftigung nach Erreichen der Regelaltersgrenze

Aufgrund des Flexirentengesetz hat ein Rentner, der bereits die Regelaltersgrenze erreicht hat und weiterhin beschäftigt ist, zwei Optionen:

  • Er lässt alles beim oben beschriebenen Normalfall. In diesem Fall muss er nichts veranlassen und bekommt vom Arbeitgeber automatisch sein Arbeitsentgelt ausgezahlt. Von dem Arbeitsentgelt wird kein Rentenversicherungsbeitrag abgezogen. Der Arbeitgeber muss den Arbeitgeberanteil zwar weiterhin an die Rentenversicherung abführen, dieser steigert jedoch nicht die persönliche Rente, sondern kommt der Versichertengemeinschaft zugute.

 

  • Alternativ besteht die Option, seinem Arbeitgeber gegenüber zu erklären, dass man trotz Erreichen der Regelaltersgrenze weiterhin Beiträge zur Rentenversicherung zahlen möchte. Diese Erklärung kann jederzeit gegenüber dem Arbeitgeber abgegeben werden. Es bedarf dazu keiner besonderen Form. Die Erklärung gilt ab dem Tag, nach Abgabe der Erklärung. Der Arbeitgeber zieht ab dem Zeitpunkt Beiträge zur Rentenversicherung vom monatlichen Gehalt ab.  Solange die Beschäftigung besteht, kann diese Erklärung nicht rückgängig gemacht werden.
Rentensteigerung bei Verzicht auf die Versicherungsfreiheit.

Es stellt sich nun die Frage, ob es sich überhaupt lohnt, seinem Arbeitgeber gegenüber zu erklären, dass man weiterhin Beiträge zur Rentenversicherung zahlen möchte.

Die Antwort auf diese Frage lautet: Es hängt davon ab!

Konkret hängt es davon ab, wie lange man lebt und infolgedessen Rente erhält.

Entscheidet man sich nämlich für eine Fortsetzung der Beitragszahlung nach Erreichen der Regelaltersgrenze verzichtet man zunächst auf Geld.

Erklärt man seinem Arbeitgeber gegenüber, weiterhin Beiträge zur Rentenversicherung zahlen zu wollen, werden, wie bei jemandem vor Erreichen der Regelaltersgrenze, der hälftige Rentenversicherungsbeitrag vom Lohn abgezogen. Die andere Hälfte zahlt weiterhin der Arbeitgeber. Da der Beitragssatz zur Rentenversicherung aktuell (2018) bei 18,6 % liegt, verzichtet man also auf 9,3 % seines Gehalts.

Bei einem monatlichen Verdienst von 1.500 € brutto würde man somit jeden Monat 139,50 € weniger im Portmonee haben (jährlich: 1.674 €). Die gezahlten Rentenversicherungsbeiträge kann man steuerlich absetzen, in welchem Umfang sich das Finanzamt an der Zahlung beteiligt, hängt allerdings vom individuellen Steuersatz ab. Da der höhere Rentenbetrag schlussendlich aber auch wieder versteuert werden muss, wird der Aspekt „Steuern“ bei der weiteren Betrachtung ausgeklammert.

Wann und in welcher Höhe werden Beiträge nach der Regelaltersgrenze berücksichtigt?

Hat man nach Erreichen der Regelaltersgrenze Beiträge zur Rentenversicherung gezahlt, werden diese der Rente immer am 01.07. des auf die Beitragszahlung folgenden Jahres gutgeschrieben.

Beispiel:

Ein Rentner erhält seine Regelaltersrente seit dem 01.07.2017. Er hat im Jahr 2018 einen Brutto-Jahresverdienst in Höhe von 18.000 € gehabt (Monatsverdienst: 1.500 €) und entsprechend Rentenversicherungsbeiträge gezahlt. Aus den im Jahr 2018 gezahlten Rentenversicherungsbeiträgen errechnet sich die Rentensteigerung zum 01.07.2019.

Mit einem Verdienst von 18.000 € erwirbt man  im Jahr 2018 (Durchschnittsverdienst: 37873 €)  0,4753 Entgeltpunkte. Der Wert eines Entgeltpunktes liegt ab dem 01.07.2018 bei 32,03 € im Westen. Somit ergibt sich eine Brutto-Rentensteigerung durch die zusätzlichen Beiträge in Höhe von 15,22 € brutto.

Hinzu kommt ein Steigerungsbetrag für jeden Monat, der zwischen der Hinzurechnung des Steigerungsbetrags und dem Erreichen der Regelaltersgrenze liegt. In obigen Beispiel liegen vom 01.07.2017 – 30.06.2019 24 Monate. Die Steigerung pro Monat beträgt 0,5 %. Der Betrag von 15,22 € ist daher um weitere 12 % auf 17,05 € anzuheben.

Reduziert man diesen Betrag wiederum um ca. 11 % für Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung kommt man ab dem 01.07.2019 auf eine zusätzliche Netto-Rente (vor Steuern) von ca. 15 €. Aufgrund der eigenen Beiträge hat man demzufolge pro Jahr ca. 180 € mehr in der Tasche.

Bis man das Geld, auf das man zunächst verzichtet hat, wieder raus hat, müsste man noch 9 weitere Jahre seine Rente beziehen. Rentenanpassungen sind hierbei nicht miteingerechnet. Ebenfalls unberücksichtigt bleibt, dass auch eine etwaige Witwen- oder Witwerrente möglicherweise höher ausfallen würde.

Da eine weitere Lebenserwartung von 9 Jahren für viele Personen durchaus realistisch ist, sollte man bei einer Beschäftigung nach Erreichen der Regelaltersgrenze zumindest einmal über die Option der weiteren Beitragszahlung nachdenken.

Besonderheiten bei geringfügigen Beschäftigungen nach Erreichen der Regelaltersgrenze

Wird nach Erreichen der Regelaltersgrenze eine geringfügige Beschäftigung ausgeübt, gilt auch hier: Solange dem Arbeitgeber gegenüber nicht erklärt wird, dass man selbst Beiträge zur Rentenversicherung zahlen möchte, werden euch keine Rentenversicherungsbeiträge abgezogen. Eine Rentensteigerung bleibt damit aber auch aus.

Da der Arbeitgeberanteil bei einer geringfügigen Beschäftigung bei 15 % liegt, lohnt es sich hier umso mehr, zu erklären, weiterhin Beiträge zahlen zu wollen.

Bei einem Beitragssatz von 18,6 % (Jahr 2018) liegt der Eigenbeitrag des Rentners somit bei lediglich 3,6 %. Verdient man beispielsweise 450 €, werden davon als Eigenbeitrag 16,20 € monatlich abgezogen. Pro Jahr verzichtet man somit auf 194,40 €.

Die sich daraus ergebende Rentensteigerung liegt brutto bei monatlich 4,42 €. Dazu kommt noch ein Zuschlag in Höhe von 0,5 % für alle Monate, die seit Erreichen der Regelaltersgrenze vergangen sind.

Selbst wenn man den Zuschlag außen vor lässt, wird klar, dass es sich hierbei um eine lukrative Entscheidung handelt: Pro Jahr hat man brutto mindestens 53 € mehr. Vier Jahre des Rentenbezugs sind somit ausreichend, um den Verzicht wieder auszugleichen.

Freiwillige Beitragszahlung nach Erreichen der Regelaltersgrenze

Die wenigsten Rentner machen sich nach Erreichen der Regelaltersgrenze noch Gedanken darüber, ob sie freiwillige Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen können. Somit ist es in der Regel auch kein Problem, dass die Zahlung von freiwilligen Beiträgen nach Erreichen der Regelaltersgrenze ausgeschlossen ist.

In bestimmten Konstellationen kann man jedoch trotz Erreichen der Regelaltersgrenze auf die Idee kommen,  freiwillig in die Rentenversicherung einzuzahlen. Dieses ist jedoch nur durch ein Hintertürchen möglich.

Die Zahlung freiwilliger Beiträge ist nämlich ausgeschlossen, wenn die Regelaltersgrenze erreicht ist und eine Altersvollrente bezogen wird. Verzichtet man für die Zeit, in der man freiwillige Beiträge zahlen möchte, auf einen Prozent der Rente – erhält also nur noch eine 99 %-Rente – gilt dieser Ausschluss nicht mehr. Genaueres hierzu und für wen sich die Zahlung freiwilliger Beiträge nach Erreichen der Regelaltersgrenze unter Umständen lohnen kann, lest ihr hier.

Beiträge aufgrund der Pflege einer pflegebedürftigen Person nach Erreichen der Regelaltersgrenze

Es mutet ungerecht an, dass die Pflegekassen für pflegende Personen, die bereits Rente erhalten, aber die Regelaltersgrenze noch nicht erreicht haben, Beiträge zur Rentenversicherung zahlen, hiermit jedoch aufhören, sobald die Regelaltersgrenze erreicht ist.

Diese Empfindung kann ich komplett nachvollziehen, jedoch ist die Rechtslage insoweit klar, dass kein Beiträge mehr zu zahlen sind, sobald die Regelaltersgrenze erreicht ist und eine Altersvollrente gezahlt wird.

An der Formulierung der Voraussetzung wird klar: Es verhält sich hier ähnlich wie bei der Zahlung freiwilliger Beiträge. Wer auf mindestens einen Prozent seiner Rente verzichtet, erhält keine Altersvollrente mehr und die Pflegekasse ist trotz Erreichen der Regelaltersgrenze weiterhin zur Zahlung von Beiträgen an die Rentenversicherung verpflichtet.

Inwieweit sich der Verzicht lohnt, hängt davon ab, wie hoch die Rentenzahlung ist und welchen Pflegegrad die zu pflegende Person hat. In den meisten Fällen ist das Geld, auf das man zunächst verzichtet hat, jedoch schnell durch die Beiträge der Pflegekasse wieder zurückgeflossen.

Hier empfiehlt sich auf jeden Fall eine persönliche Beratung in einer Auskunfts- und Beratungsstelle der Rentenversicherung oder bei einem unabhängigen Rentenberater.

Sollten noch Fragen zur Beitragszahlung nach Rentenbeginn bestehen, schreibt mir gerne eine Nachricht oder kommentiert unter diesem Beitrag.

 

 

2 Antworten

  1. Hardy sagt:

    Hier steht KANN !!!

    https://www.deutsche-rentenversicherung.de/Allgemein/de/Inhalt/2_Rente_Reha/01_rente/01_grundwissen/03a_flexirente/04_freiwillige_versicherung.html

    Freiwillige Versicherung auch für Altersvollrentner

    Die Rente kann auch durch freiwillige Beiträge erhöht werden. Wer eine vorgezogene Altersrente erhält, kann bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze freiwillige Beiträge zahlen. Die Regelung galt bisher nur für Altersteilrentner und Erwerbsminderungsrentner. Seit 1. Januar 2017 dürfen sich nun auch Altersvollrentner freiwillig versichern. Für wen sich die Beitragszahlung lohnen kann, erfahren Sie bei Ihrem Rentenversicherungsträger.

    ich erreiche im Mai 2020 meine Regelaltersgrenze. Wenn ich nun die Flexirente beantrage habe ich einen Abzug und kann doch selbst entscheiden ob ich noch einzahle oder nicht ???

    • Rentenfuchs sagt:

      Guten Tag,

      wenn Sie die Flexi-Rente beantragen und daneben noch erwerbstätig sind, müssen Sie bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze weiterhin Pflichtbeiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung zahlen. In dem von Ihnen zitierten Artikel geht es um die freiwillige Beitragszahlung. Wer eine vorgezogene Altersrente beantragt – also vor Erreichen der Regelaltersgrenze in Rente geht- KANN freiwillige Beiträge zur Rentenversicherung zahlen, wenn er nicht aus irgendeinen Grund (z. B. aufgrund einer weiterhin ausgeübten Beschäftigung) Pflichtbeiträge zahlen muss. Alles zur freiwilligen Beitragszahlung finden Sie in meinem diesbezüglichen Beitrag.

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