Hochrechnung beim Rentenantrag

Hochrechnung beim Rentenantrag

Wer einen Rentenantrag stellt, kann eigentlich wenig verkehrt machen. Ist das Versicherungskonto geklärt muss nur noch die richtige Rentenart gewählt und der Rentenbeginn festgelegt werden. Die meisten Fragen im Rentenantrag R0100 lassen sich dann schnell beantworten.

Es gibt jedoch eine Frage, bei der man sein Kreuz nicht zu schnell setzen sollte. Hier kann es sich lohnen, die rechtlichen Hintergründe zu kennen und eine bewusste Entscheidung zu treffen.

Soll der Rentenversicherungsträger eine Hochrechnung vornehmen oder soll die Hochrechnung unterbleiben?

R0100 – Frage 9.4.1 – Die Frage nach der Hochrechnung

Die Frage, die ich meine, ist die Frage 9.4.1 im Rentenantrag R0100.

Jeder Beschäftigte, der bis zum Rentenbeginn arbeitet, wird an dieser Stelle gebeten, zwischen zwei Optionen zu wählen:

1. Die Anforderung der Gesonderten Meldung für eine Hochrechnung soll durch den Rentenversicherungsträger erfolgen.

Oder:

2. Eine Hochrechnung soll unterbleiben (die Meldung zum Beschäftigungsende bitte abwarten).

Was meint Option 1: Gesonderte Meldung und Hochrechnung?

Zunächst werde ich euch erläutern, warum es überhaupt eine Hochrechnung gibt und mit welcher Problematik man konfrontiert ist, wenn man auf diese verzichtet.

Im Anschluss wird es dann darum gehen, wie die Hochrechnung rein rechnerisch abläuft und wo hier die Tücken liegen können.

Keine rechtzeitige Rentenzahlung ohne Hochrechnung

Ganz allgemein gilt: Die Rentenhöhe hängt davon ab, wie viele Rentenbeiträge ein Arbeitsleben lang an die Rentenversicherung gezahlt wurden.

Eine ganz genaue Berechnung der Rente ist daher erst dann möglich, wenn die Rentenversicherung weiß, wie viel Geld man bis zum allerletzten Tag vor Rentenbeginn verdient hat.

Da aber der Arbeitgeber frühestens am letzten Arbeitstag der Rentenversicherung mitteilen kann, wie viel Geld man verdient hat – meist dauert die Meldung des Arbeitgebers sogar noch deutlich länger – und die Rentenversicherung erst im Anschluss mit der Rentenberechnung beginnen kann, kann der Rentenbescheid ohne eine Hochrechnung erst relativ spät verschickt werden.

Und nicht nur der Rentenbescheid wird erst zu einem sehr späten Zeitpunkt übersandt. Auch die erste Rentenzahlung wird sich meist um ca. ein bis zwei Monate verzögern.

Kein Problem, wenn man über ausreichend finanzielle Rücklagen verfügt. Ganz anders, wenn man aber wegen Mietzahlungen oder anderen Verpflichtungen auf die rechtzeitige Überweisung der Rente angewiesen ist.

Lösung Hochrechnung

Um die Problematik der verzögerten Rentenzahlung zu umgehen, bietet das Rentenrecht die Möglichkeit der Hochrechnung.

Hochrechnung heißt, dass man nicht abwartet, wie viel ein Arbeitnehmer tatsächlich bis zum letzten Arbeitstag verdient hat, sondern für die letzten drei Monaten vor Rentenbeginn einfach einen fiktiven Betrag nimmt, den man anhand der zuvor gezahlten Beiträge berechnet.

Beispiel:

Tanja will ab dem 1. Juni 2020 in Rente gehen.

Entscheidet sie sich für die Hochrechnung, wird Tanjas echter Verdienst bis zum 28. Februar 2020 berücksichtigt. In den drei Monaten März, April und Mai ist dann für die Rentenhöhe egal, wie viel Tanja wirklich verdient. Für diese drei Monate erfolgt die Hochrechnung.

Die gesonderte Meldung

Im Regelfall teilt ein Arbeitgeber dem Rentenversicherungsträger einmal jährlich mit, wie viel der Arbeitnehmer im Vorjahr verdient hat und wie viele Rentenbeiträge infolgedessen gezahlt wurden. Bei dieser Mitteilung handelt es sich um die Jahresmeldung.

Schaut man sich nun jedoch das Beispiel “Tanja” an, ist klar, dass eine solche Jahresmeldung nicht ausreicht, um Tanjas Rente zu berechnen. Denn für die Rentenberechnung muss der Rentenversicherungsträger nicht nur wissen, was Tanja bis zum 31. Dezember 2019 verdient hat, sondern auch die Höhe des Verdienstes in den Monaten Januar und Februar 2020.

Hier kommt nun die gesonderte Meldung ins Spiel.

Entscheidet man sich für die Hochrechnung, bittet der Rentenversicherungsträger den Arbeitgeber darum, eine extra Gehaltsmeldung zu machen. Nämlich bis zu einem Zeitpunkt, der vom Rentenversicherungsträger festgelegt wird.

In Tanjas Beispiel bittet der Rentenversicherungsträger also um eine zusätzliche Meldung für die Monate Januar und Februar 2020.

Grundlage für die Hochrechnung

Nachdem der Arbeitgeber die gesonderte Meldung abgegeben hat – im Beispiel “Tanja” voraussichtlich im Monat März 2020 – verfügt der Rentenversicherungsträger über alle erforderlichen Daten, um Tanjas Rente zu berechnen. Denn laut Gesetz darf er mit Einverständnis des Rentenantragsstellers das Gehalt für die letzten drei Monate vor Rentenbeginn hochrechen.

Wie die Hochrechnung grob funktioniert, lässt sich relativ leicht erklären:

Der Rentenversicherungsträger nimmt den Durchschnittsverdienst der letzten zwölf Monate und geht davon aus, dass der Versicherte in den letzten drei Monaten vor Rentenbeginn Arbeitsentgelt in genau dieser Höhe verdient.

Doch der Teufel steckt im Detail:

Hochrechnung wird tatsächlich meist durch mehr als zwölf Monate beeinflusst

Der Rentenversicherungsträger kennt nämlich nur Jahresverdienste und kann daher in den aller meisten Fällen die Berechnungsgrundlage für die Hochrechnung nicht monatsgenau bestimmen.

Die Ausnahme stellen lediglich Personen dar, die ihre Rente zum 1. April eines Jahres beantragen. In diesem Fall werden dann die Monate Januar bis März auf der Grundlage des Vorjahresverdienstes hochgerechnet werden.

Beispiel:

Würde man im Beispiel “Tanja” die letzten zwölf vom Arbeitgeber gemeldeten Monate für die Hochrechnung heranziehen, wären dies die Monate März 2019 bis Februar 2020.

Der Rentenversicherungsträger kennt für das Jahr 2019 jedoch nur Tanjas Jahresverdienst. Er rechnet daher wie folgt:

Der Jahresverdienst 2019 wird durch 12 Monate geteilt und dann wieder mit 10 Monaten multipliziert. Addiert man nun noch den Verdienst der Monate Januar und Februar 2020 und teilt das Ergebnis wiederum durch 12 Monate, erhält man den Monatsverdienst, der bei der Hochrechnung berücksichtigt wird.

Musterrechnung:

Zur Verdeutlichung dieser Berechnungsweise das gleiche Beispiel noch einmal mit konkrenten Zahlen:

Tanjas Jahresverdienst 2019: 43.200 €

Monatlicher Lohn im Januar und Februar 2020: jeweils 4.000 €

Hochrechnung für die Monate März – Mai 2020:

(43.200 € / 12 Monate x 10 Monate) + (2 x 4.000 €) = 44.000 €

Daraus ergibt sich dann für die Hochrechnung (44.000 € geteilt durch 12 Monate) ein fiktiver Verdienst in Höhe von 3.666,67 €.

Hochgerechnetes Arbeitsentgelt unter Umständen geringer als der tatsächliche Verdienst

Anhand dieses Beispiels wird nun bereits der “Nachteil” der Hochrechnung deutlich:

Wenn Tanja in den Monaten März bis Mai 2020 genauso viel verdienen würde wie im Januar und Februar 2020 (4.000 €), berücksichtigt die Rentenversicherung bei der Hochrechnung dennoch nur 3.666,67 € als Verdienst. Bei der Hochrechnung für drei Monate würde der Rentenversicherungsträger somit 1.000 € an beitragspflichtigem Arbeitsentgelt zu wenig zugrunde legen.

Hätte Tanja hingegen auf die Hochrechnung verzichtet, wären 1.000 € mehr an Verdienst in die Rentenberechnung eingeflossen und ihre monatliche Rente wäre um ca. 0,85 € brutto höher.

Ein nachträglicher Verzicht auf die Hochrechnung ist nicht möglich

Nun könnte man sich natürlich denken:

Ich entscheide mich zunächst für die Hochrechnung. Der Rentenbescheid liegt dann so früh wie möglich in meinem Postkasten und die Rentenzahlung beginnt rechtzeitig.

Sobald dann das tatsächliche Arbeitsentgelt von meinem Arbeitgeber gemeldet wurde, bitte ich den Rentenversicherungsträger um eine Neuberechnung der Rente anhand des tatsächlichen Verdienstes.

Doch so einfach ist es nicht:

Hat man sich für die Hochrechnung entschieden, ist ein nachträglicher Verzicht auf die Hochrechnung ausgeschlossen, sobald der Rentenbescheid rechtskräftig geworden ist. Die Rechtskraft tritt einen Monat nach Zustellung des Rentenbescheids ein.

Aus diesem Grund sollte man sich also bereits bei der Rentenantragsstellung darüber Gedanken machen, ob hochgerechnet werden soll oder nicht.

Negative Auswirkungen der Hochrechnung auf die Rentenhöhe

Schauen wir uns zunächst einige Fälle an, in denen ich eher von einer Hochrechnung abraten würde.

Klar ist: Da bei dieser Frage natürlich immer individuelle Aspekte eine Rolle spielen, kann es natürlich durchaus auch Fälle geben, in denen man sich trotz (geringer) finanzieller Nachteile für eine Hochrechnung entscheidet.

Man sollte sich aber zumindest vorab mit den Aspekten “Hochrechnung” und “gesonderte Meldung” auseinandergesetzt haben.

1. In den drei Hochrechnungs-Monaten ist der tatsächliche Verdienst höher als der fiktiv ermittelte Verdienst

Wie man am obigen Beispiel von Tanja bereits gesehen hat, kann der hochgerechnete Verdienst durchaus geringer ausfallen als der wirkliche Verdienst innerhalb des Hochrechnungszeitraums.

Meist sind die Unterschiede zwischen hochgerechnetem und tatsächlichem Verdienst marginal. Die Entscheidung für die Hochrechnung führt daher im Regelfall zu keinen wirklichen finanziellen Nachteilen. In Einzelfällen kann der Unterschied aber durchaus mal von Interesse sein.

Faustformel:

Fällt die Hochrechnung – auf den gesamten Drei-Monats-Zeitraum gesehen – um 1.000 € geringer aus, hat dies eine um 85 Cent geringere Brutto-Monatsrente zur Folge.

Daher meine Empfehlung: Jeder, der kurz vor Rentenbeginn seine Arbeitszeit erhöht oder vor Kurzem eine größere Gehaltserhöhung erhalten hat, sollte einmal selbst durchrechnen, wie hoch der finanzielle Unterschied zwischen der Hochrechnung und dem Verzicht auf die Hochrechnung wäre. Auf dieser Grundlage lässt sich dann eine bewusste Entscheidung fällen.

2. Innerhalb des Hochrechnungszeitraums wird noch eine Einmalzahlung erwartet

Die Entscheidung für eine Hochrechnung kann insbesondere dann finanziell nachteilig ausfallen, wenn innerhalb des Hochrechnungszeitraums eine Einmalzahlung – wie zum Beispiel Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld oder eine Gewinnbeteiligung – gezahlt wird.

Denn aufgrund der Hochrechnung würden die Rentenversicherungsbeiträge, die von der Einmalzahlung abgezogen werden, sich nicht rentensteigernd auswirken.

Beispiel:

Der Verdienst von Herrn Maurer hat sich die letzten Jahre nicht verändert: Monatlich erhält er 3.000 € brutto und einmal im Jahr – im November – Weihnachtsgeld in Höhe von 3.000 €.

Herr Maurer beabsichtigt, zum 1. Januar 2020 in Rente zu gehen. Er fragt sich, wie er die Frage 9.4.1 im Rentenantrag R0100 beantworten soll:

Option 1: Entscheidung für die Hochrechnung

Entscheidet Herr Maurer sich für die Hochrechnung, würde für die Monate Oktober, November und Dezember 2019 folgender Verdienst berücksichtigt:

Jahresverdienst Herr Maurer 2018: 39.000 €

Verdienst von Januar 2019 bis September 2019: 27.000 €

Hochrechnung für die Monate Oktober – Dezember 2019:

(39.000 € / 12 Monate x 3 Monate) + (27.000 €) = 36.750 €

Daraus ergibt sich dann für die Hochrechnung (36.750 € geteilt durch 12 Monate) ein fiktiver Verdienst in Höhe von 3.062,50 €. Insgesamt würde damit für Oktober bis Dezember ein Verdienst von 9.187,50 € berücksichtigt.

Option 2: Verzicht auf die Hochrechnung

Verzichtet Herr Maurer hingegen auf die Hochrechnung, wird bei der Rentenberechnung sein tatsächlicher Verdienst zugrunde gelegt – inklusive des Weihnachtsgeldes.

Für die Monate Oktober bis Dezember hieße dies: 3 Monate x 3.000 € + Weihnachtsgeld in Höhe von 3.000 € = 12.000 €.

Dies sind 2.812,50 € mehr als wenn Herr Maurer sich für die Hochrechnung entscheidet. Bei einem Verzicht auf die Hochrechnung würde Herr Maurers Brutto-Rente daher monatlich um ca. 2,40 € höher ausfallen.

Sollte Herr Maurer 20 Jahre lang Rente erhalten, würde er durch die Entscheidung für die Hochrechnung auf mindestens 580 € verzichten; und Rentenerhöhungen sind bei dieser Berechnung noch gar nicht miteingerechnet.

Option 3: Verkürzte Hochrechnung

Im Fall von Herrn Maurer gibt es sogar noch eine dritte Option. Auf diese Möglichkeit wird euch der Berater der gesetzlichen Rentenversicherung jedoch vermutlich – von einigen Ausnahmen mal abgesehen – eher nicht hinweisen.

Nirgendwo ist gesetzlich festgeschrieben, dass die Hochrechnung für genau drei Monate erfolgen muss. Durch einen handschriftlichen Vermerk auf dem Rentenantrag (R0100) kann der Wunsch geäußert werden, nur für einen oder zwei Monate hochzurechen. In diesem Fall würde der Rentenversicherungsträger die gesonderte Meldung für einen entsprechend längeren Zeitraum anfordern und nur für ein oder zwei Monate hochrechnen.

Will Herr Maurer, dass das Weihnachtsgeld bei der Rentenberechnung mitberücksichtigt wird, könnte er im Rentenantrag darum bitten, nur den Dezember 2019 hochzurechnen. Damit wäre vor Rentenbeginn zumindest noch etwas Zeit für die Ausfertigung des Rentenbescheids und Herr Maurer hätte keine finanziellen Nachteile zu beklagen – tatsächlich wäre seine Rente sogar minimal höher:

Rentenberechnung für Option 3:

Jahresverdienst Herr Maurer 2018: 39.000 €

Verdienst von Januar 2019 bis November 2019: 36.000 € (inklusive Weihnachtsgeld)

Hochrechnung für den Dezember 2019:

(39.000 € / 12 Monate x 1 Monat) + (36.000 €) = 39.250 €

Daraus ergibt sich dann für die Hochrechnung (39.250 € geteilt durch 12 Monate) ein fiktiver Verdienst in Höhe von 3.270,83 €.

Im Vergleich zu Option 2 (“ohne Hochrechnung”) wäre die monatliche Rente von Herrn Maurer bei Option 3 um 23 Cent höher. Zudem würde er den Rentenbescheid früher als in Option 2 erhalten.

3. Der eigene Verdienst übersteigt die Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung

Es gibt eine Gruppe an Versicherten, bei denen sich die Hochrechnung auch ohne Gehaltserhöhung und Einmalzahlung negativ auswirkt: Gemeint sind alljene Versicherte, deren Jahresverdienst oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung liegt.

Denn: Wenn die Hochrechnung sich gänzlich oder zum Großteil aus Werten des Vorjahres zusammensetzt, wird quasi die Beitragsbemessungsgrenze des Vorjahres bei der Hochrechnung herangezogen, obwohl aufgrund des Anstiegs der Beitragsbemessungsgrenze tatsächlich höhere Beiträge gezahlt werden.

Beispiel 1:

Frau Runge verdienst 10.000 € im Monat. Sie plant, zum 1. April 2020 in Rente zu gehen. Auch Frau Runge stellt sich nun die Frage, wo sie ihr Kreuz bei Frage 9.4.1 im Rentenantrag R0100 machen soll.

Option 1: Entscheidung für die Hochrechnung

Die Hochrechnung für die Monate Januar bis März 2020 erfolgt auf der Grundlage des Jahresverdienstes 2019.

Die Beitragsbemessungsgrenze (West) der gesetzlichen Rentenversicherung liegt 2019 bei 80.400 €. Teilt man die Beitragsbemessungsgrenze durch 12 Monate, ergibt sich für die Hochrechnung im Jahr 2020, dass pro Monat ein Verdienst in Höhe von 6.700 € berücksichtigt wird.

Option 2: Verzicht auf die Hochrechnung

Verzichtet Frau Runge hingegen auf die Hochrechnung, werden bei der Rentenberechnung die tatsächlich von ihr gezahlten Beiträge herangezogen.

Da die monatliche Beitragsbemessungsgrenze im Jahr 2020 auf 6.900 € erhöht wird, würden im Vergleich zu Option 1 pro Monat 200 € zusätzlich an beitragspflichtigen Arbeitsentgelt berücksichtigt. Die zu zahlende Brutto-Rente wäre bei Option 2 dadurch um ca. 51 Cent pro Monat höher.

Beispiel 2:

Im Beispiel 1 wurde der “Extremfall” beschrieben. Wird die Rente aber zu einem anderen Zeitpunkt als zum 1. April eines Jahres beantragt, verringert sich der errechnete Unterschied für die betreffende Personengruppe:

Würde Frau Runge ihre Rente beispielsweise erst zum 1. Oktober 2020 beantragen (Hochrechnung für die Monate Juli bis September), ergäbe sich folgende Differenz:

Jahresverdienst Frau Runge 2019: 80.400 €

Verdienst von Januar 2020 bis Juni 2020: 41.400 €

Hochrechnung für die Monate Juli – September 2020:

(80.400 € / 12 Monate x 6 Monate) + (41.400 €) = 81.600 €

Ergebnis für die Hochrechnung (81.6000 € geteilt durch 12 Monate) ist dann ein fiktiver Verdienst in Höhe von 6.800 €. Die monatliche Rentenminderung durch die Entscheidung für die Hochrechnung läge in diesem Fall damit bei lediglich 25 Cent.

Hochrechnung kann auch von Vorteil sein

In allen bisher beschriebenen Beispielen wäre es aus rein finanzieller Sicht sinnvoll gewesen, sich gegen die Hochrechnung oder zumindest für eine verkürzte Hochrechnung zu entscheiden.

Es soll jedoch nicht der Eindruck vermittelt werden, dass man sich in den meisten Fällen gegen die Hochrechnung entscheiden sollte, wenn man auf die höchstmögliche Rente abzielt.

Denn alle von mir oben dargestellten Beispiele stellen eher Extremfälle dar – und selbst bei diesen würde die Entscheidung für die Hochrechnung keinen horrenden “Verlust” an Rente bedeuten.

Tatsächlich gibt es sogar viele Fälle, bei denen sich die Hochrechnung – in kleinem Umfang – positiv auf die Rente auswirkt.

Auch hierzu noch zwei Beispiele:

Beispiel 1: Verringerung der Arbeitszeit

Bei einer Erhöhung der Arbeitszeit oder Lohnsteigerungen ist ein Verzicht auf die Hochrechnung finanziell von Vorteil. Bei Personen, die kurz vor Rentenbeginn ihre Arbeitszeit reduzieren – was in der Realität wohl häufiger vorkommen wird -, ist genau das Gegenteil der Fall:

Beispiel-Otto will zum 1.8.2020 in Rente gehen. Um den Übergang angenehm zu gestalten, hat er bereits zum 1. Januar 2020 seine Arbeitszeit um die Hälfte reduziert. Auch sein Gehalt hat sich dadurch von 4.000 € auf 2.000 € reduziert.

Option 1: Entscheidung für die Hochrechnung

Ottos Jahresverdienst 2019 lag bei 48.000 €.

Von Januar 2020 bis April 2020 hat er 8.000 € verdient.

Hochrechnung für die Monate Mai bis Juli 2020:

(48.000 € / 12 Monate x 8 Monate) + (8.000 €) = 40.000 €

Die Rentenversicherung nimmt bei der Hochrechnung also an, dass Otto von Mai bis Juli 2020 9.999,99 € verdienen wird.

Option 2: Verzicht auf die Hochrechnung

Tatsächlich verdient Otto von Mai bis Juli 2020 jedoch nur 6.000 €.

Verzichtet Otto auf die Hochrechnung, würde er nicht nur seinen Rentenbescheid deutlich später erhalten als bei Option 1, sondern zudem auch auf monatlich ca. 3,40 € an Brutto-Rente verzichten.

Beispiel 2: Rentensteigerung durch Berücksichtigung der im Vorjahr gezahlten Einmalzahlung im Rahmen der Hochrechnung

Wie bereits beschrieben, sollte man sich gegen die Hochrechnung oder für eine verkürzte Hochrechnung entscheiden, wenn im Hochrechnungszeitraum Anspruch auf eine Einmalzahlung besteht.

Anders ist es hingegen, wenn man in einem anderen Monat – außerhalb des Hochrechnungszeitraum – eine Einmalzahlung erhalten hat. Die Entscheidung für die Hochrechnung kann sich nämlich dann sogar rentensteigernd auswirken:

Herr Maurer aus dem obigen Beispiel erhält ein Gehalt in Höhe von 3.000 € monatlich sowie im November eines jeden Jahres eine Einmalzahlung in Höhe von 3.000 €. Will er beispielsweise zum 1. Juli 2020 in Rente gehen, sollte er die Hochrechnung wählen:

Option 1: Entscheidung für die Hochrechnung

Jahresverdienst Herr Maurer 2019: 39.000 €

Verdienst von Januar 2020 bis März 2020: 9.000 €

Hochrechnung für April – Juni 2020:

(39.000 € / 12 Monate x 9 Monate) + (9.000 €) = 38.250 €

Daraus ergibt sich dann für den gesamten Hochrechnungszeitraum ein fiktiver Verdienst von 9.562,50 €

Option 2: Verzicht auf die Hochrechnung

Würde Herr Maurer auf die Frage 9.4.1 hingegen mit “Eine Hochrechnung soll unterbleiben (die Meldung zum Beschäftigungsende bitte abwarten).” antworten, würden bei der Rentenberechnung von April bis Juni 2020 lediglich 9.000 € berücksichtigt. Herr Maurers Rente fiele damit um ca. 48 Cent pro Monat geringer aus.


Allein die Länge dieses Beitrags sollte verdeutlichen, welche Komplexität hinter der Frage 9.4.1 des Rentenantrags R0100 steht.

Im Normalfall kann hier problemlos “Die Anforderung der Gesonderten Meldung für eine Hochrechnung soll durch den Rentenversicherungsträger erfolgen.” angekreuzt werden.

In einigen Konstellationen, über die ich euch in diesem Beitrag einen Überblick gegeben habe, ist aus finanzieller Sicht aber auch einmal zum Verzicht auf die Hochrechnung zu raten.

Man sollte also nicht leichtfertig sein Kreuz setzen, sondern sich vorab informieren oder Beratung – zum Beispiel bei den Auskunfts- und Beratungsstellen der gesetzlichen Rentenversicherung – einholen.

Solltet ihr bei der Beantwortung der Frage 9.4.1 unsicher sein, könnt ihr gerne auch eine E-Mail an rentenfuchs@gmx.de schicken und um meine unverbindliche Einschätzung bitten.

Habt ihr noch Fragen zur Hochrechnung? Schreibt diese gerne in die Kommentarspalte!

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