Rente zum 1. Dezember beantragen und bis Lebzeitende Steuern sparen!

21. November 2018 Altersrenten 0
Hose, aus der mehrere Geldscheine herausschauen.

Wer tut es nicht gern – Steuern sparen?! Auch durch einen geschickt gewählten Rentenbeginn lassen sich – gegebenenfalls bis Lebzeitende – Steuern sparen.

Bei vielen Personen steht der Tag des Rentenbeginns exakt fest: Sei es, weil sie erst ab einem bestimmten Zeitpunkt die Voraussetzungen zum Erhalt einer Altersrente erfüllen, sei es weil sie mit ihrem Arbeitgeber einen konkreten Zeitpunkt für den Renteneintritt vereinbart haben. In diesen Fällen gibt es  wenig Gestaltungsmöglichkeiten für den Zeitpunkt des Rentenbeginns.

Es gibt jedoch ebenfalls viele Personen, die eine vorgezogene Altersrente, wie die Altersrente für langjährig Versicherte oder die Altersrente für schwerbehinderte Menschen, beantragen und den Rentenbeginn grundsätzlich sehr frei gestalten können. Diese Freiheit lässt sich unter Umständen nutzen, um bis zum Lebzeitende (und darüberhinaus) Steuern zu sparen.

Wie es euch gelingt, mit einem geschickt gewählten Rentenbeginn die Höhe der im Alter zu zahlenden Steuern zu beeinflussen, lest ihr im Weiteren.

Der Rentenfreibetrag

Die Ursache dafür, dass sich durch einen geschickt gewählten Rentenbeginn Steuern sparen lassen, verbirgt sich in den Regelungen zum Rentenfreibetrag. Der Rentenfreibetrag beschreibt den Anteil der gesetzlichen Rente, der auf Dauer steuerfrei bleibt. Dieser wird bei der Berechnung der als Rentner zu zahlenden Einkommenssteuer nicht berücksichtigt.

Die genaue Höhe des Rentenfreibetrags ist vom Zeitpunkt des Rentenbeginns abhängig: Je weiter in der Zukunft der Rentenbeginn liegt, umso kleiner wird der prozentuale Anteil der gesetzlichen Rente, der als Rentenfreibetrag steuerfrei bleibt. Wie hoch in Abhängigkeit vom Rentenbeginn dieser Prozentsatz genau ist, zeigt nachfolgende Tabelle:

Jahr des RentenbeginnsProzentualer Rentenfreibetrag
201824 %
201922 %
202020 %
202119 %
202218 %
202317 %
202416 %
2025 15 %

Auch nach dem Jahr 2025 reduziert sich der Prozentsatz weiter jedes Jahr um 1 %, sodass alle Personen, die 2040 oder später in Rente gehen, über gar keinen Rentenfreibetrag mehr verfügen werden. Personen, die 2040 oder später in Rente gehen, müssen ihre Rente somit zu 100 % versteuern.

Berechnung des Rentenfreibetrags

Abgesehen davon, dass der Rentenfreibetrag vom Zeitpunkt des Renteneintritts abhängig ist, gibt es noch weitere Besonderheiten, die bei der Berechnung des Rentenfreibetrags zu beachten sind:

  • Der Rentenfreibetrag ist ein fixer Geldbetrag, der einmalig berechnet wird und sich auch bei Rentenanpassungen nicht verändert.

Wurde im Jahr 2017 festgestellt, dass der Rentenfreibetrag bei 5.000 € liegt, wird dieser auch im Jahr 2025 noch bei 5.000 € liegen, obwohl es in der Zwischenzeit eine Vielzahl an Rentenanpassungen gegeben haben wird. Hierin liegt auch der Grund, warum es immer heißt: „Rentenanpassungen müssen voll versteuer werden!“. Denn Rentenanpassungen erhöhen aufgrund der einmaligen Berechnung des Rentenfreibetrags diesen nicht!

  • Der Rentenfreibetrag berechnet sich, indem die Jahres-Brutto-Rente mit dem bei Rentenbeginn maßgeblichen Prozentsatz (siehe Tabelle oben) multipliziert wird. Die Jahres-Brutto-Rente wird immer für das Kalenderjahr ermittelt, in dem zum ersten Mal durchgängig von Januar bis Dezember Rente bezogen wurde.

Das erste Kalenderjahr, in dem durchgängig von Januar bis Dezember Rente bezogen wurde, ist in den meisten Fällen das Jahr nach Rentenbeginn. Wurde die Rente beispielsweise zum 01.07.2016 beantragt, ist für die Berechnung des Freibetrags das Jahr 2017 relevant, da in diesem Jahr von Januar bis Dezember Rente gezahlt wurde. Wird die Rente hingegen zum 01.01.2017 bezogen, wird für die Berechnung des Freibetrags nicht das Folgejahr herangezogen, sondern das Jahr 2017, da bereits im gesamten Jahr 2017 Rente gezahlt wurde.

Beispiel:

Beim Thema „Rente und Steuern“ handelt es sich um ein äußerst komplexes Thema, das sich anhand eines Beispiels wahrscheinlich besser nachvollziehen lässt:

Frau M. beantragt zum 01.07.2019 ihre Altersrente in Höhe von brutto 1.500 €. Aufgrund der Rentenanpassung zum 01.07.2020 erhöht sich die Rente von Frau M. dann auf brutto 1.550 €. Da Frau M. erstmalig im Jahr 2020 von Januar bis Dezember Rente erhält, wird dieses Jahr zur Bestimmung des Freibetrags zugrunde gelegt. Frau M.’s Jahres-Brutto-Rente liegt 2020 bei 18.300 €. Bei einem Rentenbeginn 2019 bleiben 22 % der Jahres-Brutto-Rente steuererfrei. Im Falle von Frau M. wären dies dann 4.026 €. Dieser Betrag ist fix und wird auch durch spätere Rentenanpassungen nicht mehr beeinflusst.

Teilrenten und Hinterbliebenenrenten

Unter Umständen stellt ihr euch nun die Frage: „Wenn die Berechnung des Rentenfreibetrags einmalig erfolgt und sich der Betrag nicht mehr ändert, wie verhält es sich dann, wenn ich von einer Vollrente in eine Teilrente oder umgekehrt wechsele? Wie ist dies Rechtslage bei Hinterbliebenenrenten?“

Bei Teilrenten wird der einmal bestimmt Freibetrag lediglich prozentual angepasst. Das heißt: Wenn man beispielsweise von einer 100 %-Rente in die 60 %-Rente wechselt, verringert sich der Freibetrag genauso wie die Rente um 40 %. Entscheidet man sich zu einem späteren Zeitpunkt wieder für die volle Rente, erhöht sich auch der Freibetrag wieder auf den Ausgangsbetrag.

Zahlt die gesetzliche Rentenversicherung infolge eines Todesfalls eine Witwen- oder Witwerrente, wird der Freibetrag auf den Prozentsatz reduziert, in dessen Höhe die Hinterbliebenenrente gezahlt wird – also bei der großen Witwen- oder Witwerrente auf 55 % bzw. 60 %.

Die Wahl des Rentenbeginns beeinflusst die Höhe des Rentenfreibetrags

Hat man die vorherigen Absätze aufmerksam gelesen, ist relativ klar, warum es sich aus steuerlicher Sicht unter Umständen anbieten kann, die Rente zum 1.12. eine Jahres zu beantragen. Denn hierdurch sichert man sich den höheren Prozentsatz zur Berechnung des Freibetrags (siehe Tabelle oben).

Hätte Frau M. aus dem obigen Beispiel ihre Rente bereits zum 01.12.2018 beantragt, hätten sich zwei Veränderungen ergeben: Da Frau M. bereits im Jahr 2019 durchgängig Rente bezogen hat, wäre die Jahres-Brutto-Rente des Jahres 2019 für die Bestimmung des Freibetrags herangezogen worden. Die Jahres-Brutto-Rente von Frau M. lag im Jahr 2019 bei 17.730 € (1.455 € vom 01.01.2019 – 30.06.2019 und 1.500 € vom 01.07.2019 – 31.12.2019) – also etwas geringer als 2020. Auf der anderen Seite hätte sie vom im Jahr 2018 um 2 % höheren Freibetrag (24 %) als 2019 profitiert. Ihr fixer Rentenfreibetrag hätte unter Berücksichtigung dieser Zahlen bei 4.255 € gelegen, also ca. 200 € höher als im ersten Beispiel.

Wie hoch der Steuervorteil bei einem um 200 € höheren Rentenfreibetrag genau ist, ist von der persönlichen Einkommenssituation sowie dem zu versteuernden Einkommen abhängig. Bei einem Grenzsteuersatz von 15 % läge die jährliche Steuerersparnis bei ca. 30 €, bei einem Grenzsteuersatz von 20 % bei ca. 40 €.

Eine Steuerersparnis von jährlich 40 € scheint zunächst nicht die Welt zu sein. Es gilt jedoch zum einen zu berücksichtigen, dass die Höhe der Steuerersparnis stark von der Rentenhöhe und dem zu versteuernden Einkommen abhängig ist. So ist es bei höheren Rentenzahlungen auch durchaus möglich, durch die geschickte Wahl des Rentenbeginns jährlich 150 € – 250 € an Steuern zu sparen. Zum anderen darf nicht außer Acht gelassen werden, dass man von der Steuerersparnis Jahr für Jahr profitiert. Bei einer Rentenbezugsdauer von 25 Jahren kommt man also auch bei einer jährlichen Ersparnis von 40 € bezogen auf die gesamte Rentendauer durchaus auf eine Ersparnis von 1.000 €.

Am ungünstigsten ist aus steuerlicher Sicht übrigens, seine Rente zum 01.01. eines Jahres zu beantragen. Denn im Vergleich zum Dezember hat man einen geringeren Prozentsatz, der bei Berechnung des Rentenfreibetrags zugrunde gelegt wird. Ein Rentenantrag im Februar (oder in einem späteren Monat) wäre insoweit von Vorteil, dass bei der Berechnung des Rentenfreibetrags zumindest die Brutto-Jahres-Rente des Folgejahres zugrundegelegt würde. Die Brutto-Rente des Folgejahres ist aufgrund der Rentenanpassung zum 01.07. eines Jahres im Regelfall höher als die Vorjahresrente und somit letztlich auch der Rentenfreibetrag.

Ist es auch ab 2020 noch sinnvoll, seine Rente zum 1.12. eines Jahres zu beantragen?

Im oben beschriebenen Fall ergibt sich die Steuerersparnis dadurch, dass der Prozentsatz, mit dem der Rentenfreibetrag errechnet wird, Jahr für Jahr abgesenkt wird und es daher sinnvoll ist, seine Rente früher zu beantragen. Bis 2020 sinkt der Prozentsatz jährlich um 2 %, ab 2020 nur noch um 1 %. Es stellt sich daher die Frage, ob sich eine geschickte Wahl des Rentenbeginns ab 2020/2021 überhaupt noch lohnt.

Die Antwort: „Ja, aber nicht mehr so stark!“

Würde man das obige Rechenexempel in das Jahr 2021 verschieben – die Zahlen bleiben gleich -, läge der Rentenfreibetrag bei einem Rentenbeginn zum 01.07.2021 bei 3.477 € (Rentenfreibetrag in Höhe von 19 %). Hätte man seinen Rentenantrag hingegen zum 01.12.2020 gestellt, hätte man von einem Rentenfreibetrag in Höhe von 3.546 € profitiert. Die Differenz liegt bei 69 €. Man hätte somit – in Abhängigkeit vom zu versteuernden Einkommen – pro Jahr ca. 10 € – 15 € mehr im Portmonee.

„Nachteile“ bei einem vorgezogenen Rentenbeginn

Bisher wurden lediglich die Vorzüge dargestellt, die ein geschickt gewählter Rentenbeginn aus steuerlicher Sicht mit sich bringt. Es gibt jedoch auch zwei Aspekte zu berücksichtigen, die bei einem Rentenbeginn zum 1.12. eines Jahres eher als Nachteil zu bewerten sind.

1. Höhere Rentenabschläge

Wer eigentlich erst zum 1. Februar in Rente gehen wollte, sich dann aber aus steuerlichen Gründen für den 1. Dezember als Rentenbeginn entschieden hat, hat – sofern er die Altersrente für langjährig Versicherte oder die Altersrente für schwerbehinderte Menschen beantragt – vermutlich zum 01.12. einen um 0,6 % höheren Rentenabschlag als bei einem Rentenbeginn zum 01.02. des Folgejahres. Dieser Abschlag bleibt ein Leben lang.

Hierbei handelt es sich jedoch nur bedingt um einen Nachteil, da der Rentenabschlag auf der einen Seite zwar höher ist, man auf der anderen Seite jedoch auch zwei Monate früher Rente erhält.

2. Steuerliche Belastung im Jahr des Rentenbeginns

Ein Rentenbeginn zum 01.12. kann gegebenenfalls auch (negative) Auswirkungen auf die im Jahr des Rentenbeginns zu zahlenden Steuern haben. Eine eindeutige Beurteilung fällt hier jedoch schwer. Denn: Die Höhe der in einem Jahr zu zahlenden Steuern bemisst sich anhand des im jeweiligen Jahr erzielten zu versteuernden Einkommens. Verschiedene Konstellationen ziehen unterschiedliche steuerliche Bewertungen nach sich.

Klar ist: Wer seine Rente zum 01.12. beantragt und im Rahmen der Flexi-Regelung gleichzeitig noch arbeitet, hat auf jeden Fall steuerliche Nachteile im Vergleich dazu, wenn er die Rente später beantragt hätte. Denn durch den gleichzeitigen Bezug von Rente und Arbeitsentgelt erhöht sich das zu versteuernde Einkommen und damit auch der Steuersatz.

Beendet man seine Erwerbstätigkeit zum 01.12. muss man die Dezember-Rente im Vergleich zu den Folgejahre wahrscheinlich mit einem höheren Steuersatz versteuern, da man aufgrund seiner Erwerbstätigkeit von Januar bis November vermutlich ein höheres zu versteuerndes Einkommen hatte als man es als Rentner in den nächsten Jahren haben wird. Infolgedessen wird auch der Steuersatz in diesem Jahr höher liegen. Andererseits hätte man jedoch noch mehr Steuern gezahlt, wenn man das gesamte Jahr gearbeitet hätte. Der Steuersatz wäre dann noch höher gewesen.

Insbesondere zu Nachteil #2 fällt eine allgemeingültige Beurteilung eher schwer. In den meisten Fällen wird dieser Nachteil aber aufgrund der späteren Steuerersparnis spätestens nach einigen Jahren kompensiert sein.

Der 10 %-Trick

Will man die beiden oben genannten Nachteile möglichst gering halten, gibt es noch einen besonderen Trick, mit dem ich diesen Artikel beenden möchte:

Selbst wenn ihr lediglich ein Teilrente beantragt – deren Höhe muss bei mindestens 10 % der Vollrente liegen – sichert ihr euch den höheren Prozentsatz zur Berechnung des Rentenfreibetrags. Es besteht also die Möglichkeit, zum 1.12. lediglich eine 10-prozentige Teilrente zu beantragen.

Warum sinken hierdurch die obigen Nachteile?

  1. Der höheren Rentenabschlag von 0,6 % wird nur auf 10 % der Rente angewendet. Auf die Vollrente bezogen würde man seine Monatsrente also lediglich um 0,06 % reduzieren (bei 1.500 € sind das monatlich 0,90 €). Gleichzeitig profitiert man vollständig vom höheren Rentenfreibetrag.
  2. Da man im Monat Dezember nur einen geringen Rentenbetrag erhält, steigt hierdurch das zu versteuernde Einkommen im ersten Jahr des Rentenbeginns nur in geringem Umfang. Die steuerlichen Auswirkungen sind infolgedessen zu vernachlässigen.
Bis wann muss der Rentenantrag spätestens gestellt werden, um vom Rentenbeginn „1. Dezember“ zu profitieren

In der gesetzlichen Rentenversicherung besteht die Möglichkeit, seine Rente bis zu zu zwei Monate rückwirkend zu beantragen. Wer also seine Rente zum 1. Dezember beantragen will, um seinen Rentenfreibetrag und damit seine Steuerlast zu optimieren, muss spätestens Ende Februar seinen Rentenantrag stellen.

 

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