Rentenanpassungen im Zeitverlauf: 10-Jahresrückblick

28. März 2018 Allgemein Altersrenten Altersvorsorge Hinterbliebenenrenten Rentenleistungen 1
Rentenanpassungen im Zeitverlauf

Seit einigen Tagen ist klar, wie hoch die Rentenanpassung 2018 ausfallen wird. Dieser Anlass soll genutzt werden, um zu betrachten, wie sich die Rentenanpassungen in den letzten Jahren entwickelt haben.

Gesetzlich festgeschrieben ist, dass zum 01.07. eines Jahres zu ermitteln ist, ob und in welcher Höhe die gesetzlichen Renten erhöht werden müssen. Die Anpassung erfolgt dabei nicht nach Gutdünken der Politik, sondern nach einer im Gesetzestext festgeschriebenen Formel. In dieser sind folgende Faktoren zusammengefasst, die einen Einfluss auf die Rentenhöhe haben.

1, Die allgemeine Lohnentwicklung

Am stärksten wird die Rentenanpassung durch die allgemeine Lohnentwicklung beeinflusst. Steigen die Durchschnittslöhne in Deutschland, erhöht sich dadurch auch der aktuelle Rentenwert und damit die Höhe der gesetzlichen Rente.

Beispiel: Der Durchschnittslohn ist von 34.514 € im Jahr 2014 auf 35.363 € im Jahr 2015 gestiegen.

Berücksichtigt wird dieser Anstieg in Höhe von 2,5 % bei der Berechnung der Rentenanpassung des Jahres 2016, da bei der Rentenanpassung immer die Löhne des Vorvorjahres mit denen des Vorjahres verglichen werden.

2. Der Beitragssatz zur allgemeinen Rentenversicherung

Der zweite, für die Rentenanpassung relevante Faktor ist die Höhe des Beitragssatzes zur gesetzlichen Rentenversicherung. Auch hier wird die Entwicklung des Beitragssatzes des Vorvorjahres mit dem des Vorjahres verglichen.

Wenn sich der Beitragssatz in der Vergangenheit aufgrund hoher Beitragseinnahmen der Rentenversicherung verringert hat, hat sich dieses positiv auf die Rentenanpassung ausgewirkt. Die Renten steigen also stärker als die durchschnittliche Lohnentwicklung.

Muss der Beitragssatz hingegen erhöht werden, fällt die Rentenanpassung im Folgejahr geringer als die allgemeine Lohnentwicklung aus.

3. Der Nachhaltigkeitsfaktor

Der dritte und letzte Faktor, der die Rentenanpassung beeinflusst, ist der Nachhaltigkeitsfaktor. Der Nachhaltigkeitsfaktor beschreibt das Verhältnis zwischen Beitragszahlern und Rentnern.

Verschiebt sich das Verhältnis zwischen Rentnern und Beitragszahlern in Richtung der Rentner (Vergleich Vorjahr mit dem Vorvorjahr), führt dieses dazu, dass die Rentenanpassung geringer als das Lohnwachstum ausfällt.

Steigt hingegen die Anzahl der Beitragszahler im Vergleich zu den Rentner, hat dieses einen positiven Einfluss auf die Höhe der Beitragszahlung.

Abschließend lässt sich feststellen, dass die Rentenformel zwar ziemlich kompliziert wirkt, die Idee dahinter jedoch durchaus auch für einen Laien verständlich ist.

Im Weiteren werden wir betrachten, wie hoch die Rentenanpassungen in den letzten 10 Jahren gewesen sind, die mithilfe der oben beschriebenen Formel errechnet wurden.

Die Rentenanpassungen in den Jahren 2009 – 2018

Die folgende Tabelle zeigt, wie hoch die Rentenanpassungen in den letzten 10 Jahren, also von 2009 – 2018 ausgefallen sind.

Jahr der RentenanpassungProzentuale Rentensteigerung im WestenProzentuale Rentensteigerung im Osten
20092,41 %3,38 %
20100 %0 %
20110,99 %0,99 %
20122,18 %2,26 %
20130,25 %3,29 %
20141,67 %2,53 %
20152,1 %2,5 %
20164,25 %5,95 %
20171,9 %3,59 %
20183,2 %3,4 %

Die durchschnittliche Rentensteigerung im Westen lag in den letzten 10 Jahren bei 2,01 % und im Osten bei 2,9 %. Die Inflationsrate lag jährlich hingegen nur bei ungefähr 1,2 %. Auch unter Berücksichtigung der Preisentwicklung konnten Rentner sich in den letzten 10 Jahren somit über reale Kaufkraftgewinne freuen.

Besondere Situation in den letzten 10 Jahren

Es gilt jedoch zu berücksichtigen, dass die letzten 10 Jahren von besonderen Ereignissen geprägt waren und daher nur begrenzt in die Zukunft fortgeschrieben werden können. Ein besonderes Ereignis war die Finanzmarktkrise im Jahr 2008, aus der Deutschland zwar relativ glimpflich hervorging, deren Einfluss auf die Inflationsrate jedoch noch heute deutlich zu spüren ist. Wie lange die Inflationsrate auf dem niedrigen Niveau verbleiben wird, auf dem sie sich aktuell befindet, kann niemand sagen. Die Europäische Zentralbank strebt jedoch langfristig eine Inflationsrate von knapp unter 2 % an. Berücksichtigt man diesen Wert, bleibt von den Rentenanpassungen nur noch ein geringer Kaufkraftgewinn.

Weiterhin hat die gute wirtschaftliche Entwicklung positive Auswirkungen auf den Umfang der Rentenanpassungen. Steigende Löhne führen zum Anstieg des allgemeinen Lohnniveaus, welches sich wiederum direkt auf die Renteformel auswirkt.

Ein hohes Beschäftigungsniveau verbessert zweitens die Einnahmesituation der gesetzlichen Rentenversicherung, was Senkungen des Beitragssatzes zur Folge hat. Wie oben beschrieben wirken sich Beitragssatzsenkungen positiv auf die Rentenanpassungen aus.

An dritter Stelle wird auch der Nachhaltigkeitsfaktor positiv von der wirtschaftlichen Lage beeinflusst. Bei einem Anstieg der Beschäftigungszahlen verschiebt sich das Verhältnis zwischen Rentnern und Beitragszahlern in Richtung der Beitragszahler, was ebenfalls Rentensteigerungen zur Folge hat.

Ausblick

Da keiner von uns über eine Glaskugel verfügt und in die Zukunft schauen kann, stellen jegliche Vorhersagen zur zukünftigen Entwicklung der Rentenanpassungen lediglich gut oder weniger gut begründete Mutmaßungen dar.

Die Rentenversicherung selbst weist in ihrer Renteninformation zwei verschiedene zukünftige Szenarien aus. Im eher pessimistischen Szenario geht sie davon aus, dass die Renten jährlich um 1 % steigen. Im eher positiven Szenario liegen die Rentenanpassungen bei 2 %.

Meine persönliche Empfehlung ist, die Rentenanpassung bei der Altersvorsorgeplanung beziehungsweise bei der Planung der zukünftigen finanziellen Verhältnisse gänzlich zu ignorieren. Im Gegenzug kann man dann auch den Aspekt „Inflation“ außer Acht lassen.

Beispiel:

Im Jahr 2010 wird eine Rente von 1.500 € gezahlt. Bei einer Rentensteigerung von jährlich 1,5 % liegt die Rentenzahlung nach 5 Jahren, also im Jahr 2015 bei 1.615 €.

Wenn der Preis für eine 3-Zimmer-Wohnung im Jahr 2010 bei 750 € liegt und die Preise sich jährlich um 1,5 % erhöhen (Inflationsrate von 1,5 %), dann muss für die gleiche Wohnung im Jahr 2015 ein Betrag von 808 € aufgebracht werden. Genauso verhält es sich auch mit allen anderen Kosten, sodass man im Jahr 2015 zwar 1.615 € in der Tasche hat, sich hiermit jedoch die gleichen Dinge kaufen kann, die man im Jahr 2010 für 1.500 € bekommen hat.

Sollten die Rente stärker als die Inflation steigen, kann man sich über den Anstieg der Kaufkraft freuen. Hiermit zu planen, ist jedoch eher ungünstig.

Rentenminderungen ausgeschlossen

Betrachtet man die oben aufgeführten Faktoren, wäre es rein theoretisch denkbar, dass es in einzelnen Jahren auch vorkommen kann, dass die Renten nicht erhöht, sondern gesenkt werden müssen.

Wenn beispielsweise die Durchschnittslöhne sinken, hätte dieses laut Formel entsprechende Rentenminderungen zur Folge.

Hier hat der Gesetzgeber allerdings einen Riegel vorgeschoben:

Selbst wenn die Renten aufgrund der Rentenformel sinken müssten, bleiben sie konstant. Rentensenkungen sind somit gesetzlich ausgeschlossen.

Tritt der Fall ein, dass die Renten laut Formel eigentlich hätten gesenkt werden müssen, hat dieses allerdings Auswirkungen auf die Rentenanpassungen der Folgejahren. Diese fallen dann nämlich etwas geringer aus.

Indirekte Rentenminderungen

Liegen die Rentenanpassungen allerdings niedriger als die Inflationsrate, kommt es zu indirekten Rentenminderungen. Die absolute Rentenhöhe vermindert sich zwar nicht oder steigt sogar an, aufgrund der Inflation können mit der Rente jedoch weniger Produkte erworben werden.

In der Vergangenheit gab es durchaus Jahre, in denen es zu solch indirekten Rentenminderungen gekommen ist. Um in diesem Fall dennoch seinen Lebensstandard halten zu können, sollte man sich rechtzeitig mit dem Thema Altersvorsorgeplanung beschäftigen und Rücklagen schaffen.

Weitere Informationen zum Thema Altersvorsorgeplanung findet ihr hier.

 

Eine Antwort

  1. Anonymous sagt:

    Was ist mit der Kürzung der Witwenrente von 60 % auf 55 % ?
    Und dem herauf setzen der Altersgrenze auch wenn man über 40 b .z .w. dann bei fast 50 Jahren erwerbstätig ist , ach ja man kann ja früher gehen . Mit Abzug !

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