Gleiche Krankenversicherungsbeiträge ab 2019 – Ein Vorteil auch für Rentner

19. August 2018 Aktuelles Altersrenten Rentenleistungen 6
Vorteile für Rentner durch Rückkehr zur paritätischen Finanzierung in der gesetzlichen Krankenversicherung

Rückkehr zur Parität in der gesetzlichen Krankenversicherung hat auch für Rentner finanzielle Vorteile.

Der Bundestag hat am 18. Oktober 2018 dem GKV-Versichertenentlastungsgesetz zugestimmt und damit den Weg für Beitragsentlastungen in der gesetzlichen Krankenversicherung – auch für Rentner – frei gemacht.

 

Am 06. Juni 2018 hat Gesundheitsminister Spahn dem Bundestag das sogenannte GKV-Versichertenentlastungsgesetz vorgelegt. Dieses sieht vor, in der gesetzlichen Krankenversicherung zur paritätischen Beitragsfinanzierung – also zur gleichmäßigen Finanzierung der Beiträge durch Arbeitnehmer und Arbeitgeber bzw. Rentner und Rentenversicherung – zurückzukehren.

Der Bundestag hat dem Gesetz in seiner Sitzung vom 18. Oktober 2018 zugestimmt. Welche Vorteile das GKV-Versichertenentlestungsgesetz für Rentner mit sich bringt, lest ihr im Weiteren:

Zusatzbeitrag – Aktuelle Rechtslage

Seit dem 01.01.2015 können gesetzliche Krankenkassen von ihren Versicherten einen sogenannten Zusatzbeitrag erheben. Dessen Höhe unterscheidet sich von Krankenkasse zu Krankenkasse und dient dazu, finanzielle Engpässe bei der jeweiligen Krankenkasse auszugleichen sowie den Wettbewerb zwischen den Krankenkassen zu steigern.

Nach derzeitiger Rechtslage muss jeder Arbeitnehmer wie auch jeder Rentner den Zusatzbeitrag vollständig alleine zahlen. Am Zusatzbeitrag beteiligt sich also weder der Arbeitgeber noch – bei Rentnern – die gesetzliche Rentenversicherung.

Ein Wechsel der gesetzlichen Krankenkasse kann sich aufgrund dieser Regelung finanziell durchaus auszahlen. Wechselt man beispielsweise von der DAK (Zusatzbeitrag 2018: 1,5 %) zur deutlich günstigeren hkk (Zusatzbeitrag 2018: 0,59 %), spart man als Rentner mit einer Brutto-Rente von 2.000 € ca. 18 € im Monat. Auf das Jahr hochgerechnet sind das mehr als 215 €.

Änderung ab dem 01.01.2019

Wie anfangs schon angedeutet, sieht das GKV-Versichertenentlastungsgesetz vor, dass der Zusatzbeitrag ab dem 01.01.2019 nicht mehr alleine durch den Arbeitnehmer oder Rentner zu zahlen ist, sondern der Arbeitgeber oder der Rentenversicherungsträger eine Hälfte des Zusatzbeitrags übernimmt. Es wird also wieder eine paritätische Finanzierung der Krankenversicherungsbeiträge geben.

Wie hoch ist die Ersparnis für Rentner aufgrund der Neuregelung?

Unstrittig ist, dass Rentner infolge des GKV-Versichertenentlastungsgesetz mehr Geld in der Tasche haben werden. Es stellt sich jedoch die Frage, wie viel mehr es genau sein werden. Die Antwort hängt von zwei Faktoren ab:

  1. Der Höhe des Zusatzbeitrags der eigenen Krankenkasse und
  2. der individuellen Rentenhöhe.
Auswirkungen der Höhe des Zusatzbeitrags und der individuellen Rentenhöhe

Die Höhe des Zusatzbeitrags ist deshalb entscheidend, weil die gesetzliche Rentenversicherung ab dem 01.01.2019 die Hälfte des Zusatzbeitrags übernehmen wird. Zahlt ihr zurzeit einen hohen Zusatzbeitrag, wirkt sich die Rechtsänderung stärker auf eure Netto-Rente aus als wenn ihr einen geringen Zusatzbeitrag zahlt.

Der durchschnittliche Zusatzbeitrag im Jahr 2018 liegt bei 1,0 %. Die Rentenversicherung hat nach dem Gesetzesentwurf ab dem kommenden Jahr hiervon die Hälfte zu zahlen hat, also 0,5 %. Diese 0,5 % spart der jeweilige Rentner.

Um den absoluten finanziellen Vorteil zu bestimmen, ist an dieser Stelle der zweite Faktor, die individuelle Rentenhöhe, von Bedeutung. Erhaltet ihr beispielsweise eine Rente in Höhe von 1.000 € brutto im Monat, zahlt ihr bei einem Zusatzbeitrag von 1,0 % zurzeit 10 € im Monat als Zusatzbeitrag. Wenn die Rentenversicherung ab 2019 hiervon die Hälfte übernimmt, habt ihr also in jedem Monat 5 € mehr in der Tasche. Liegt eure Rentenhöhe hingegen bei 2.000 € brutto, führt die Neuregelung sogar zu 10 € netto zusätzlich im Monat (2.000 € x 0,5 % = 10 €).

Deutliche Unterschiede zwischen den Krankenkassen

Im obigen Beispiel habe ich mit dem durchschnittlichen Zusatzbeitrag von 1,0 % gerechnet. Tatsächlich unterscheidet sich die Höhe des Zusatzbeitrags zwischen den Krankenkassen deutlich. So erhebt beispielsweise die hkk einen Zusatzbeitrag von 0,59 %, die Techniker Krankenkasse von 0,9 % und die DAK von 1,5 %.

Die nachfolgende Tabelle zeigt für die drei obigen Krankenkassen, wie hoch die monatlich Ersparnis durch das GKV-Versichertenentlastungsgesetz ist:

KrankenkasseZusatzbeitragErsparnis bei Brutto-Rente von 1.000 €Ersparnis bei Brutto-Rente von 1.500 €Ersparnis bei Brutto-Rente von 2.000 €
hkk0,59 %2,95 € monatlich4,43 € monatlich5,90 € monatlich
TK0,9 %4,50 € monatlich6,75 € monatlich9,00 € monatlich
DAK1,5 %7,50 € monatlich11,25 € monatlich15,00 € monatlich

Ihr solltet nun aber nicht fälschlicherweise auf die Idee kommen, zu einer Krankenkasse mit einem höheren Zusatzbeitrag zu wechseln, nur weil ihr dann durch das GKV-Versichertenentlastungsgesetz „mehr Geld sparen“ könnt. Wechselt ihr zu einer teureren Krankenkasse, werdet ihr auch nach der Gesetzesreform 2019 zwangsläufig einen höheren Beitrag zahlen als jemand, der bei einer günstigeren Krankenkasse versichert ist. Der Unterschied wird lediglich nicht mehr ganz so groß sein.

Schaut man sich das Krankenkassenwechsel-Beispiel zu Beginn nochmal an, dass ich im Bereich „Zusatzbeitrag – Aktuelle Rechtslage“ angebracht habe, so zeigt sich, dass man bei einem Wechsel von der DAK zur hkk nach der aktuellen Rechtslage ca. 18 € im Monat sparen kann. Ab 2019 würde man durch den gleichen Wechseln „immer noch“ ca. 9 € im Monat sparen.

Profitieren auch Rentner mit privater Krankenversicherung?

Nun haben wir die gesamte Zeit von gesetzlich krankenversicherten Rentnern gesprochen. Es gibt jedoch auch solche, die privat krankenversichert sind und monatlich durch die Rentenversicherung einen Zuschuss zur privaten Krankenversicherung erhalten. Ergibt sich auch für diese Gruppe durch die Gesetzesreform ein finanzieller Vorteil?

„Ja!“

Bisher bemisst sich die Höhe des Zuschusses zur privaten Krankenversicherung, indem die Hälfte des allgemeinen Beitragssatzes (ohne Zusatzbeitrag) der gesetzlichen Krankenversicherung mit der individuellen Brutto-Rente multipliziert wird.

Beispiel: Der allgemeine Beitragssatz liegt zurzeit bei 14,6 %. Der Zuschuss beträgt demnach 7,3 % der Brutto-Rente (bei einer Brutto-Rente von 1.000 €: 73 €, bei einer Brutto-Rente von 1.500 €: 109,50 €).

Ab Januar 2019 soll sich der Zuschuss für privat Versicherte um die Hälfte des durchschnittlichen Zusatzbeitrages zur gesetzlichen Rentenversicherung erhöhen. Wie oben bereits erläutert, liegt der durchschnittliche Zusatzbeitrag im Jahr 2018 bei 1,0 %. Bleibt der durchschnittliche Zusatzbeitrag im kommenden Jahr konstant, wird der Zuschuss ab 2019 somit voraussichtlich nicht mehr bei 7,3 % liegen, sondern bei 7,8 %.

Habt ihr noch Fragen zum GKV-Versichertenentlastungsgesetz? Kontaktiert mich gerne oder schreibt einen Kommentar.

 

6 Antworten

  1. Max Diegel sagt:

    In wie weit gilt die Beitragsparität ab 2019 bei der GKV auch für Betriebsrentner, oder werden sie ein weiteres mal benachteiligt.

    • Rentenfuchs sagt:

      Auch 2019 müssen die meisten Betriebsrentner weiterhin den vollen Beitragssatz zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung zahlen – daran ändert auch das GKV-Versichertenentlastungsgesetz zunächst nichts. Lediglich bei Personen, die ihre Betriebsrente nach dem Ausscheiden aus dem Betrieb privat weitergeführt haben, ist die Erhebung des vollen Krankenversicherungsbeitrags (auf den privat weitergeführten Teil der Betriebsrente) laut Urteil des Bundesverfassungsgerichts nicht rechtmäßig.

      Unabhängig vom GKV-Versichertenentlastungsgesetz soll aber im kommenden Jahr das Thema „Beitragspflicht von Betriebsrentnern“ erneut auf die Agenda kommen. Das Ergebnis bleibt abzuwarten.

  2. Ich bin 76 Jahre alt und erhalte mtl 823,49 € Rente. Ich habe nur ca 3o Jahre beitragspflichtig
    gearbeitet ( incl. einige Jahre arbeitslosengeld ). Dadurch bin ich bei meiner Krankenversiche-
    rung als freiwillig angeführt. In der ob. gen. Rentenehöhe ist ein Zuschuß von 56,03 € enthalten.
    Meinem Krankenkassenbeitrag wird ein Bemessungsbeitrag von 1.015 € zugrunde gelegt.
    das sind 157,88 € Beitrag ( 15,700 )% zuzgl. 25,88 € Pflegeversicherung .
    ( Ich bin zwar sehr enttäuscht, dass bei meiner Rente von 787,40 € und dem Zuschuss zur
    freiwilligen Krankenversicherung 56,03 €) eine Mindestbemessungsgrundlage von 1.015,00 €
    zugrunde gelegt wird ist aber wohl nicht zu ändern.
    Meine Frage : Wie wirkt sich die Einführung des paritätischen Sysems auf meine zukünftige
    Rente aus ?

    • Rentenfuchs sagt:

      Von der Rückkehr zur Parität in der gesetzlichen Krankenversicherung profitieren auch Rentner, die freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert sind. Bisher wird zur Berechnung des Zuschusses lediglich die Hälfte des allgemeinen Beitragssatzes zugrunde gelegt. Ab 2019 wird jedoch bei der Berechnung des Zuschusses zudem der individuelle Zusatzbeitrag der jeweiligen Krankenkasse hälftig berücksichtigt. Sind Sie also beispielsweise bei der DAK krankenversichert, die einen Zusatzbeitrag in Höhe von 1,5 % erhebt, erhöht sich Ihr Zuschuss zur Krankenversicherung um 0,75 % der Rente. In Ihrem Fall wären dies also monatlich knapp über 6 €.
      Sofern Sie Kinder haben, könnte es sich übrigens lohnen, erneut prüfen zu lassen, ob Sie die Voraussetzungen für die Krankenversicherung der Rentner (KVdR) weiterhin nicht erfüllen. Voraussetzung für die KVdR ist, dass man in der zweiten Hälfte seines Erwerbslebens mindestens zu 90 % gesetzlich krankenversichert war. Pro Kind werden jedoch seit August 2017 bis zu 3 Jahre zusätzlich gutgeschrieben, in denen man nicht gesetzlich versichert gewesen ist. Durch diese Verbesserung kommen nun auch viele Rentner – sofern Sie einen Antrag stellen – in den Genuss der KVdR, die bei Antragsstellung die Voraussetzungen noch nicht erfüllt hatten.

  3. Dieter Monz sagt:

    Ich bin Rentner
    Die DAK erhebt einen Zusatzbeitrag
    zur KV von 1,5%.
    Bisher musste ich diesen Zusatzbeitrag in voller Höhe selbst tragen.
    Ab 1.1.2019 nur 0,75% ??
    Ist das so ??

    Gilt das auch für Betriebsrenten ?????
    Z.B. Für die VBL Betriebsrente ?????

    • Rentenfuchs sagt:

      Korrekt, ab 2019 übernimmt die gesetzliche Rentenversicherung die Hälfte des Zusatzbeitrags.

      Bei Betriebsrenten zahlt man als Rentner den Beitrag zur Krankenversicherung vollständig alleine. Hier gibt es durch die Rückkehr zur paritätischen Finanzierung also keine Verbesserung.

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