Wer, wann und in welcher Höhe?
Die freiwillige Beitragszahlung zur gesetzlichen Rentenversicherung

5. Februar 2018 Altersvorsorge 0
Freiwillige Beitragszahlung zur gesetzlichen Rentenversicherung

Bei der aktuellen Zinslage wird es immer schwieriger, geeignete Anlageprodukte für die Altersvorsorge zu finden. Während noch vor einigen Jahren der Fokus ganz klar auf privaten Versicherungen und Fondssparplänen lag, rückt die gesetzliche Rentenversicherung nun mehr und mehr ins Blickfeld der Öffentlichkeit.

Eine Einzahlungsmöglichkeit in die gesetzliche Rentenversicherung stellen die sogenannten freiwilligen Beiträge dar. Im Folgenden erfahrt ihr, wer überhaupt zur Zahlung freiwilliger Beiträge berechtigt ist und für wen sich die Zahlung besonders lohnt.

Wer darf freiwillig Beiträge zahlen?

Auch wenn es nicht für jeden nachvollziehbar ist: In Deutschland darf nicht jeder Versicherte freiwillige Beiträge in die Rentenversicherung zahlen. Berechtigt zur freiwilligen Beitragszahlung ist nur derjenige, der im gleichen Monat nicht bereits Pflichtbeiträge einzahlt.

Wer zahlt Pflichtbeiträge? Unter anderem jeder abhängig beschäftigte Arbeitnehmer, ausgewählte Selbstständige sowie Bezieher von Entgeltersatzleistungen wie Krankengeld, Arbeitslosengeld I und Übergangsgeld. Selbst geringfügig beschäftigte Arbeitnehmer zahlen unter Umständen Pflichtbeiträge, wenn sie den Beitrag des Arbeitgebers mit eigenen Beiträgen aufstocken. Gemeint sind die geringfügig Beschäftigten, die auf nicht auf die Versicherungspflicht verzichtet haben. Pflichtbeiträge werden weiterhin für ein Elternteil während der ersten drei Jahre der Kindererziehung gezahlt sowie aufgrund der Pflege eines pflegebedürftigen Angehörigen. Nähere Informationen zur Zahlung von Pflichtbeiträgen findet ihr auch im Artikel zur Regelaltersrente.

Gehört man einer der oben genannten Personengruppen an und möchte dennoch Geld in der gesetzlichen Rentenversicherung unterbringen, kann unter Umständen die Ausgleichszahlung für Rentenabschläge eine Hintertür bieten, um trotz fehlender Berechtigung zur freiwilligen Beitragszahlung, in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen.

Ausgeschlossen von der freiwilligen Beitragszahlung sind zudem Rentner, die bereits die Regelaltersgrenze erreicht haben und eine Altersvollrente beziehen.

Betrachtet man die oben genannten Personengruppen, ist festzustellen, dass ein Großteil der Rentenversicherten überhaupt nicht die Möglichkeit hat, freiwillige Beiträge zu zahlen. Welche Personengruppen bleiben denn noch übrig?

  1. Selbstständige, die nicht der Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung unterliegen
  2. Beamte und Mitglieder der berufsständischen Versorgung
  3. Hausfrauen und Hausmänner, sofern sie sich außerhalb der dreijährigen Kindererziehungszeit befinden
  4. Schüler und Studenten
  5. Bezieher von Arbeitslosengeld II
  6. Bezieher einer Altersvollrente, die keine Pflichtbeiträge zahlen und die Regelaltersgrenze noch nicht erreicht haben
  7. Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit, die sich im Ausland aufhalten
  8. Personen mit der Staatsangehörigkeit eines anderen europäischen Staates, die keine Pflichtbeiträge zahlen und die mindestens einen Beitrag zur deutschen Rentenversicherung geleistet haben
  9. Personen mit der Staatsangehörigkeit eines außereuropäischen Staates, die sich in einem europäischen Staat aufhalten und mindestens einen Beitrag zur deutschen Rentenversicherung gezahlt haben (ähnliche Regelungen können auch gelten, wenn die Personen sich in einem Staat aufhalten, mit dem ein Sozialversicherungsabkommen besteht)
Wann und in welcher Höhe darf ich freiwillige Beiträge zahlen?

Der Vorteil freiwilliger Beiträge liegt, wie es der Name schon sagt, in der Freiwilligkeit. Es kann sowohl über die Höhe als auch den Zeitraum der Zahlung frei entschieden werden. Dabei müssen lediglich die Mindest- und Höchstgrenzen sowie die Zahlungsfristen eingehalten werden.

Der monatliche Mindestbeitrag für eine freiwillige Zahlung liegt seit dem 01.01.2018 bei 83,70 € (2017: 84,15 €). Der Höchstbeitrag  sind monatlich 1.209 €. Zwischen diesen Grenzen kann derjenige, der freiwillige Beiträge zahlen möchte, frei über die Höhe des monatlichen Beitrags entscheiden.

Freiwillige Beiträge müssen nicht monatlich gezahlt werden, sondern können bis zum 31.03. eines Jahres noch für das gesamte Vorjahr entrichtet werden. Da der 31.03. im Jahr 2018 ein Samstag ist, kann der Antrag auf die freiwillige Beitragszahlung rückwirkend für das Jahr 2017 sogar noch bis zum 02.04.2018 gestellt werden.

Ist dieser Stichtag abgelaufen, können für das Jahr 2017 keine freiwilligen Beiträge mehr gezahlt werden. Eine Beitragszahlung für Zeiten vor dem Jahr 2017 ist im Regelfall ausgeschlossen. Für das Jahr 2018 kann die freiwillige Beitragszahlung noch bis zum 01.04.2019 beantragt werden.

Welche Vorteile bietet mir eine freiwillige Beitragszahlung?

Nachdem nun geklärt ist, wer wann freiwillige Beiträge in welcher Höhe zahlen darf, drängt sich die Frage auf, ob sich die Zahlung freiwilliger Beiträge überhaupt lohnt.

Werden freiwillige Beiträge eingezahlt, erhöht sich hierdurch natürlich die eigene Rente. Zur Berechnung der Rentensteigerung kann folgende Faustformel genutzt werden:

Wenn im Jahr 227 € als freiwilliger Beitrag in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt wird, erhöht sich die monatliche Brutto-Rente dadurch um 1 €. Mittels Dreisatz lässt sich anhand dieser Formel für jede Summe die Brutto-Rentensteigerung errechnen. In folgender Tabelle sind beispielhaft für verschiedene Rentenhöhen die jeweilige Steigerung der monatlichen Brutto-Rente angegeben. Für gesetzlich Krankenversicherte enthält die Tabelle zudem die Netto-Rentensteigerung vor Abzug von Steuern, aber nach Abzug von Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen:

Monatlicher Beitrag:Jährlicher Beitrag:Monatliche Rentensteigerung (brutto):Monatliche Rentensteigerung (netto vor Steuern):
83,70 € (Mindestbeitrag)1004,40 € 4,42 €3,93 €
200 €2.400 €10,57 €9,41 €
500 €6.000 €26,43 €23,52 €
800 €9.600 €42,29 €37,64 €
1.000 €12.000 €52,86 €47,05 €
1.209 € (Höchstbeitrag)14.508 €63,91 €56,88 €

Stellt man Ein- und Auszahlung gegenüber, scheint die freiwillige Beitragszahlung kein besonders lukratives Unterfangen zu sein. Bei einer Einzahlung von 2.400 € ergibt sich zunächst eine jährliche Netto-Rentensteigerung von 112,92 €. Bis die 2.400 € zurückgeflossen sind, müssten 21 Jahre und 3 Monate vergehen. Die steuerliche Belastung der Rentenzahlung ist bei dieser Rechnung noch nicht einmal miteinbezogen.

Diese Berechnung berücksichtigt jedoch nur eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite steht, dass durch die Zahlung freiwilliger Beiträge eine Rente erworben wird, die lebenslänglich gezahlt und an die Preisentwicklung angepasst wird.

Unabhängig davon, wie alt man tatsächlich wird, kann man bei einer freiwilligen Beitragszahlung sicher sein, dass die Rente bis zum Lebzeitende gezahlt wird. Hat man das Geld hingegen auf einem Konto oder in einem Sparplan angespart, aus dem man regelmäßig Beträge entnimmt, wird irgendwann der Punkt erreicht sein, ab dem das Geld aufgebraucht ist.

Vorteil: Dynamische Rente

Die Entwicklung der Rentenhöhe ist durch den Gesetzgeber an die allgemeine Lohnentwicklung geknüpft. Das heißt: Steigen die Löhne, steigen auch die Renten. Geht man von eher geringen Rentensteigerungen von jährlich 1 % aus, liegt die monatliche Netto-Rente, die mit 2.400 € erworben wurde, nach 20 Jahren nicht mehr bei 9,41 €, sondern bereits bei 11,48 € und somit bei jährlich 137,76 €. Ob durch eine anderweitige Geldanlage eine vergleichbare Anpassung sichergestellt werden kann, hängt von der jeweiligen Anlage ab.

Vorteil: Steuerliche Absetzbarkeit

Weiterhin ist in die Überlegung miteinzubeziehen, dass der freiwillige Beitrag als Altersvorsorgeaufwendung im Jahr der Einzahlung von der Steuer abgesetzt werden kann. Das Finanzamt beteiligt sich also an einem Teil des Beitrags. Der konkrete Steuervorteil hängt dabei vom individuellen Steuersatz ab.

Liegt das zu versteuernde Einkommen einer ledigen Person zum Beispiel bei 45.000 € und zahlt diese Person freiwillige Beiträge von 5.000 € im Jahr ein, reduziert sich dadurch ihr zu versteuerndes Einkommen. Im Jahr 2018 können 86 % der Altersvorsorgeaufwendungen steuerlich geltend gemacht werden. Bei 5.000 € sind dieses somit 4.300 €. Das zu versteuernde Einkommen sinkt dadurch auf 40.700 €. Statt ca. 8.127 € müssen nur 6.839 € an Steuern an das Finanzamt gezahlt werden (überschlagsmäßige Berechnung mithilfe des BMF-Steuerrechner für eine ledige Person). An einem freiwilligen Beitrag von 5.000 € würde sich das Finanzamt somit mit ca. 1.288 € beteiligen, sodass man selbst de facto nur 3.712 € einzahlen musste.

Während des Rentenbezugs müssen zwar auch auf die Rente Steuern gezahlt werden, da das Einkommen im Alter jedoch im Regelfall geringer als zum Zeitpunkt der Einzahlung ist, ist auch der Steuersatz im Alter meist geringer. Die an Steuern gesparten 1.950 € wird man daher voraussichtlich nicht gänzlich wieder an das Finanzamt abführen.

Vorteil: Höhere Hinterbliebenenrente

Nicht vernachlässigt werden darf weiterhin, dass durch die freiwillige Beitragszahlung die Höhe einer späteren Witwen- oder Witwerrente sowie unter Umständen die Höhe einer zu zahlenden Waisenrenten erhöht wird.

Hier hängt es davon ab, ob eine Witwenrente im Todesfall überhaupt zur Auszahlung käme. In den ersten drei Monaten nach dem Tod wird die Hinterbliebenenrente ohne Einschränkungen in der Höhe gezahlt, in der auch die Rente gezahlt wurde.

Ab dem 4. Monat reduziert sich die Rentenhöhe auf 55 % bzw. 60 % und zudem finden die Regelungen zur Einkommensanrechnung Anwendung. Hat die Witwe oder der Witwer selbst ein Einkommen von netto über 820 €, findet eine Kürzung der Hinterbliebenenrente statt. Liegt das Einkommen deutlich über dem Betrag von 820 € kann es sogar dazu kommen, dass die Witwen- oder Witwerrente überhaupt nicht ausgezahlt wird.

Vorteil: Beitragszuschuss bei privat krankenversicherten Rentnern

Bei Personen, die privat krankenversichert sind, rentiert sich die Zahlung von freiwilligen Beiträgen früher als bei solchen, die in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert sind. Diese erhalten nämlich die Brutto-Rente ohne Abzug von Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen und zudem noch einen Beitragszuschuss von 7,3 % für die private Krankenversicherung.

Aus einer jährlichen Zahlung freiwilliger Beiträge von 2.400 € ergibt sich somit eine monatliche Rentensteigerung von 10,57 € Brutto-Rente + 0,77 € Beitragszuschuss. Das Einkommen im Alter steigt entsprechend pro Jahr um 136,08 €. Ohne Berücksichtigung der Rentenanpassung dauert es in diesem Fall 17,6 Jahre, bis man zumindest die eingezahlten Beiträge zurückerhalten hat.

Vorteil: Erfüllung von Mindestversicherungszeiten durch freiwillige Beitragszahlung

Um eine Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung erhalten zu können, ist es immer erforderlich, eine gewisse Mindestversicherungszeit zu erfüllen. Diese Mindestversicherungszeit lässt sich häufig auch durch die Zahlung freiwilliger Beiträge erfüllen. Bei welchen Mindestversicherungszeiten freiwillige Beiträge mitzählen, ist im Folgenden aufgelistet:

1. Die allgemeine Wartezeit

Um die Regelaltersrente erhalten zu können, müssen mindestens fünf Jahre lang Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt worden sein. Erfüllt man diese Voraussetzung nicht, besteht nur die Möglichkeit, sich die Beiträge erstatten zu lassen, die man selbst getragen hat.

Da bei der Mindestdauer von fünf Jahren auch freiwillige Beiträge berücksichtigt werden, kann die freiwillige Beitragszahlung insbesondere für Versicherte interessant sein, die die fünfjährige Mindestversicherungszeit knapp nicht erfüllen.

Beispiel:

Hat eine Frau ein Kind erzogen, wurden ihr infolgedessen Kindererziehungszeiten in der Rentenversicherung anerkannt. Wenn das Kind vor 1992 geboren wurde, sind zwei Jahre der Kindererziehung anerkannt worden, wenn das Kind später geboren wurde, sogar drei Jahre. Diese Zeiten werden bei der fünfjährigen Mindestversicherungszeit berücksichtigt. Hat die Frau davon abgesehen aber keinerlei Beiträge zur Rentenversicherung entrichtet, besteht kein Rentenanspruch. Eine Beitragserstattung ist ebenfalls nicht möglich, da bei Kindererziehungszeiten selbst keine Beiträge gezahlt wurden.

Entschließt sich die Person mit einem ab dem 01.01.1992 geborenen Kind dazu, für 24 Monat den Mindestbeitrag von 83,70 € zu zahlen, kann sie die Mindestversicherungszeit von fünf Jahren erfüllen. Mit 2.008,80 € erwirbt sie unter Berücksichtigung der Kindererziehungszeit einen Rentenanspruch von monatlich ca. 100 € brutto bzw. 90 € netto vor Steuern. Bereits nach zwei Jahren des Rentenbezugs hätte man in dieser Konstellation sein eingezahltes Geld wieder raus.

2. Die 35-jährige Wartezeit

Die 35-jährige Mindestversicherungszeit gilt es zu erfüllen, wenn man die Altersrente für langjährig Versicherte oder die Altersrente für schwerbehinderte Menschen erhalten möchte, die einen vorzeitigen Renteneintritt ermöglichen. Hat man die 35 Jahre fast erfüllt, legt aktuell jedoch keine Zeiten zurück, die in der Rentenversicherung anerkannt werden (weil man z. B. selbstständig oder Hausfrau / Hausmann ist), kann man die 35 Jahre mithilfe von freiwilligen Beiträgen erfüllen und sich so die Möglichkeit sichern, vorzeitig in Rente zu gehen.

3. Die 45-jährige Wartezeit

Versicherte, die die 45-jährige Mindestversicherungszeit erfüllen, können ohne Rentenabschlag vorzeitig in Rente gehen (Altersrente für besonders langjährig Versicherte). Auch bei der 45-jährigen Mindestversicherungszeit können freiwillige Beiträge mitgezählt werden, wobei die Anforderungen hier etwas höher sind.

Freiwillige Beiträge werden nur mitgezählt, wenn im Versicherungsleben mindestens 18 Jahre mit Pflichtbeiträgen vorliegen. Außerdem zählen freiwillige Beiträge in den letzten zwei Jahren vor Rentenbeginn nur dann mit, wenn nicht gleichzeitig auch Arbeitslosengeld I bezogen wird.

Freiwillige Beiträge und Erwerbsminderungsrente

Neben Altersrenten erbringt die gesetzliche Rentenversicherung auch Rentenzahlungen an Personen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr oder nur noch eingeschränkt erwerbstätig sein können. Um eine Erwerbsminderungsrente erhalten zu können, muss man nicht allein gesundheitlich eingeschränkt sein, sondern zudem in den fünf Jahren vor Beginn der gesundheitlichen Einschränkung mindestens drei Jahre lang Pflichtbeiträge zur Rentenversicherung entrichtet haben.

Freiwillige Beiträge stellen keine Pflichtbeiträge dar. Wer also lediglich freiwillige Beiträge zur Rentenversicherung zahlt, hat damit nicht das Risiko der Erwerbsminderung abgesichert.

Dieser Punkt ist insbesondere für Selbstständige relevant, die vor der Frage stehen, ob sie auf Antrag Pflichtbeiträge zur Rentenversicherung zahlen sollen oder freiwillige Beiträge. Entscheidet man sich aufgrund der Flexibilität für die freiwilligen Beiträge, verzichtet man damit früher oder später auf die Absicherung gegen die Erwerbsminderung.

Eine Ausnahme stellen allein die Personen dar, die bereits am 01.01.1984 die allgemeine Wartezeit (fünf Jahre) erfüllt hatten. Wenn diese Voraussetzung gegeben ist und seit dem 01.01.1984 jeder Monat mit für die Rentenversicherung relevanten Zeiten belegt ist, besteht ebenfalls ein Anspruch auf eine Erwerbsminderungsrente. Selbst wenn in den letzten fünf Jahren vor Eintritt der Erwerbsminderung keine drei Jahre mit Pflichtbeiträgen vorliegen. Um jeden Monat lückenlos mit Zeiten zu belegen, genügen hierzu auch freiwillige Beiträge.

Vorteil: Ausnutzen des neuen Freibetrags in der Grundsicherung

Seit dem 01.01.2018 gibt es in der Grundsicherung einen Freibetrag für private Altersvorsorge. Ziel dieses Freibetrags ist es, Sparen selbst dann attraktiv zu machen, wenn man im Alter voraussichtlich auf Grundsicherungsleistungen angewiesen sein wird.

Konkret ist der Freibetrag so ausgestaltet, dass bis zu 100 € an monatlicher Rente, die aus freiwilliger Vorsorge entstammen, nicht auf die Grundsicherung angerechnet wird. Weiterhin werden 30 % des 100 € übersteigenden Betrags aus freiwilliger Vorsorge nicht mit den Grundsicherungsleistungen verrechnet. Anrechnungsfrei bleiben im Jahr 2018 maximal 208 €.

Diesen Betrag erreicht man, wenn monatlich 460 € aus freiwilliger Vorsorge gezahlt werden (100 € bleiben vollständig anrechnungsfrei und von den darüber hinausgehenden 360 € sind 30 %, also 108 € anrechnungsfrei – in Summe somit 208 €).

Da nicht nur Riester- und Rürup-Renten als freiwillige Vorsorge zählen, sondern auch freiwillige Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung, kann sich die Zahlung von freiwilligen Beiträge also auch für Personen lohnen, die im Alter voraussichtlich Grundsicherungsleistungen erhalten werden.

Um auf eine Rentenzahlung von 100 € aus freiwilligen Beiträgen zu kommen, müsste jedoch 10 Jahre lang monatlich ein freiwilliger Beitrag von ca. 200 € an die Rentenversicherung gezahlt werden.

Wie beantrage ich eine freiwillige Beitragszahlung?

Hat man sich dazu entschlossen, freiwillige Beiträge zur Rentenversicherung zu zahlen, stellt sich als nächstes die Frage, ob man einfach anfangen kann, der Rentenversicherung Geld zu überweisen.

Da die Rentenversicherung erst einmal überprüfen muss, ob überhaupt das Recht zur Zahlung freiwilliger Beiträge besteht, ist zunächst ein Antrag auf die freiwillige Beitragszahlung notwendig.

Der erforderliche Antrag V0060 findet sich im Internet und kann bequem am Computer ausgefüllt werden. Hier kann auch eingetragen werden, in welcher Höhe der freiwillige Beitrag gezahlt werden soll.

Die Zahlung kann entweder per Überweisung oder per Bankeinzug durch die Rentenversicherung erfolgen. Entscheidet man sich für die zweite Variante, ist zusätzlich der Vordruck V0005 auszufüllen.

Bereits Rente und dennoch freiwillige Beiträge? Was gilt es zu beachten?

Wie oben bereits angeklungen ist, ist können auch Rentner freiwillige Beiträge  zahlen, um ihre Rente weiter zu erhöhen. Hierbei gilt es jedoch einige Aspekte zu beachten.

Wer eine Altersvollrente bezieht, die Regelaltersgrenze noch nicht erreicht hat und nicht weiterhin Pflichtbeiträge zahlt (zum Beispiel aufgrund einer Erwerbstätigkeit oder der Pflege eines pflegebedürftigen Angehörigen), kann genauso wie ein Nicht-Rentner freiwillige Beiträge zahlen.

Die Besonderheit liegt bei dieser Personengruppe darin, dass die freiwilligen Beiträge die Rente nicht sofort steigern. Trotz freiwilliger Beitragszahlung bleibt die Rente zunächst unverändert, bis die Regelaltersgrenze erreicht ist. Zu diesem Zeitpunkt errechnet die Rentenversicherung die Rentenerhöhung, die sich aus den Beiträgen ergibt, die nach Rentenbeginn gezahlt wurden. Ab diesem Zeitpunkt wird dann die höhere Rente ausgezahlt.

Rentner, die die Regelaltersgrenze erreicht haben und eine Altersvollrente beziehen, sind nicht zur Zahlung freiwilliger Beiträge berechtigt. Ab Erreichen der Regelaltersgrenze endet somit die Möglichkeit, freiwillige Beiträge in die Rentenversicherung zu zahlen.

Will man trotz Erreichen der Regelaltersgrenze freiwillige Beiträge zur Rentenversicherung zahlen, gibt es ein Hintertürchen: Die Zahlung ist nur ausgeschlossen, wenn man eine Altersvollrente erhält. Solange man auf mindestens einen Prozent der Rente verzichtet, also nur 99 % der Rente ausgezahlt bekommt, kann man weiterhin freiwillige Beiträge zahlen.

Diese Option wird an anderer Stelle noch genauer beleuchtet werden.

Zusammenfassung

Nach dieser umfangreichen Betrachtung der freiwilligen Beitragszahlung lässt sich die Frage: „Sollte ich freiwillige Beiträge zur Rentenversicherung zahlen?“ mit folgendem Satz beantworten:

„Es kommt darauf an…“

1. In der gesetzlichen Rentenversicherung sind keine unschlagbaren Renditen zu erzielen. Wer aber auf der Suche nach einer sicheren und lebenslangen Rente ist, ist hier relativ gut aufgehoben.

2. Die freiwillige Beitragszahlung kann sinnvoll sein, um bestimmte Mindestversicherungszeiten zu erfüllen oder vom neuen Freibetrag in der Grundsicherung zu profitieren.

3. Sowohl der steuerliche Aspekt als auch die Absicherung von Hinterbliebenen dürfen nicht unberücksichtigt bleiben.

Da die Zukunft ungewiss ist, lässt sich die Frage selbst unter Betrachtung aller relevante Faktoren nie perfekt beantworten.

Im Zweifel empfehle ich, eher etwas zu viel vorzusorgen als zu wenig…jedoch ist in dieser Hinsicht auch jeder Mensch unterschiedlich.

 

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