Freiwillige Beitragszahlung trotz Regelaltersgrenze?

19. Februar 2018 Altersrenten Rentenleistungen 0
Freiwillige Beitragszahlung trotz Regelaltersgrenze

Wann endet eigentlich die Möglichkeit, freiwillige Beiträge zur Rentenversicherung zu zahlen? Im Regelfall mit Erreichen der Regelaltersgrenze. Mit einem Trick habt ihr jedoch die Möglichkeit, auch nach Erreichen der Regelaltersgrenze freiwillige Beiträge zur Rentenversicherung zu zahlen. Genaueres ist im Weiteren beschrieben.


Wer, wann und in welcher Höhe freiwillige Beiträge zur Rentenversicherung zahlen darf, wurde in diesem Artikel schon eingehend erläutert.

Für Rentner war die Regelung dabei wie folgt beschrieben: Solange ihr die Regelaltersgrenze noch nicht erreicht habt, dürft ihr weiterhin freiwillige Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung zahlen. Diese Beiträge steigern die Rente zwar nicht sofort, jedoch ab Erreichen der Regelaltersgrenze.

Ist die Regelaltersgrenze erreicht, besteht für Rentner keine Möglichkeit mehr, freiwillige Beiträge zur Rentenversicherung zu zahlen.

Ist diese Aussage richtig? Besteht wirklich keine Möglichkeit mehr zur Einzahlung?

Laut Gesetzestext ist die freiwillige Beitragszahlung dann ausgeschlossen, wenn nach Erreichen der Regelaltersgrenze eine Vollrente wegen Alters bezogen wird.

Mit der sogenannten Flexi-Gesetzgebung wurde die Möglichkeit geschaffen, sowohl vor als auch nach Erreichen der Regelaltersgrenze auf einen prozentualen Anteil seiner Rente zu verzichten.

Nach Erreichen der Regelaltersgrenze hat der Verzicht auf einen Teil der Rente den Vorteil, dass sich die Rente durch den Verzicht erhöht. Pro Monat, den man auf einen Teil seiner Rente verzichtet, steigt dieser Teil um 0,5 %. Genauere Informationen hierzu findet ihr in diesem Beitrag.

Wenn ihr auf einen Teil eurer Rente verzichtet, folgt daraus zudem, dass ihr keine Vollrente wegen Alters mehr erhaltet. Da die freiwillige Beitragszahlung nur bei einem Vollrentenbezug ausgeschlossen ist, hättet hättet ihr unter diesen Umständen auch wieder die Möglichkeit, freiwillige Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen. Um von dieser Regelung zu profitieren, genügt es, auf lediglich einen Prozent seiner Rente zu verzichten.

Zusammenfassung

Wer die Regelaltersgrenze bereits erreicht hat und eine Rente bezieht, kann solange freiwillige Beiträge zur Rentenversicherung zahlen, wie er auf mindestens einen Prozent seiner Rente verzichtet.

Wann kommen die freiwilligen Beiträge der Rente zugute?

Erhält man bereits eine Rente und hat die Regelaltersgrenze erreicht, ist es so, dass zusätzliche Beiträge die Rentenhöhe nicht sofort steigern.

Stattdessen gilt die Regelung, dass einmal im Jahr, nämlich zum 01.07., alle im Vorjahr gezahlten Beiträge in eine monatliche Rentenzahlung umgerechnet und auf die bisher gezahlte Rente draufgerechnet werden.

Für die Umrechnung der freiwilligen Beiträge in eine monatliche Rentenzahlung gelten die gleichen Berechnungssätze, die auch für freiwillige Beiträge vor Erreichen der Regelaltersgrenze gelten (vergleiche Beitrag zur freiwilligen Beitragszahlung). Bei einem Jahresbeitrag in Höhe von 227 € würde die monatliche Rente beispielsweise um 1 € steigen.

Zusätzlich zu der oben beschriebenen Rentensteigerung wird noch ein Zuschlag berechnet. Diesen berechnet man, indem man alle Monate vom Erreichen der Regelaltersgrenze bis zum 01.07. des Jahres, in dem die freiwilligen Beiträgen die Rente erhöhen, zusammenrechnet. Die Anzahl der Monate multipliziert man dann mit dem Faktor 0,5 %.

Beispiel:

Erreicht eine Person die Regelaltersgrenze am 15.06.2015, erhält sie die Regelaltersrente ab dem 01.07.2015. Verzichtet diese Person im Jahr 2018 auf 1 % der Rente, um freiwillige Beiträge in Höhe von 2.270 € zu zahlen, wirken sich die im Jahr 2018 gezahlten freiwilligen Beiträge ab dem 01.07.2019 auf die Rentenhöhe aus. Bei einer Zahlung von 2.270 € liegt die monatliche Steigerung bei 10 € brutto plus den beschriebenen Zuschlag.  Da zwischen dem 01.07.2015 und dem 01.07.2019 exakt vier Jahre, also 48 Monate liegen, beträgt der Zuschlag 24 %.

Zum 01.07.2019 erhöht sich die Brutto-Rente somit um insgesamt 12,40 € (10 € aus der freiwilligen Beitragszahlung und 2,40 € aus dem Zuschlag).

Lohnt sich die freiwillige Beitragszahlung nach Erreichen der Regelaltersgrenze?

Um diese Frage eindeutig beantworten zu können, müsste man wissen, wie lange man seine Rente erhalten wird und wie sich die Renten zukünftig entwickeln werden.

Denn sowohl durch die freiwillige Beitragszahlung als auch durch den Verzicht auf 1 % der Rente hat man zunächst weniger Geld. Die Hoffnung liegt darin, dass dieses Geld über die Jahre wieder zurückfließt.

Der Rentner im obigen Beispiel würde im Jahr 2018 eine Einzahlung von 2.270 € in die gesetzliche Rentenversicherung tätigen und zwölf Monate lang auf 15 € verzichten (bei einer Netto-Rente von 1.500 €). Insgesamt investiert er also 2.450 € in seine Rentenzahlung.

Ab dem 01.07.2019 erhält er durch die freiwilligen Beiträge 12,40 € brutto, was ca. 11 € nach Abzug von Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen und vor Steuern entspricht.

Der Zuschlag auf die freiwillige Beitrasgzahlung wurde oben bereits berechnet und lag bei 24 %. Der Rentner erhält jedoch noch einen weiteren Zuschlag, nämlich auf das eine Prozent der Rente auf das er 12 Monate lang verzichtet hat (Wir gehen davon aus, dass der Rentner ab dem 01.01.2019 wieder die volle Rente beantragt hat). Für jeden Monat des Rentenverzichts beträgt der Zuschlag 0,5 %, sodass sich ein Zuschlag von 6 % auf 15 € ergibt. Der Zuschlag wirkt sich ab dem Zeitpunkt aus, ab dem die Rente wieder in voller Höhe in Anspruch genommen wird, also ab dem 01.01.2019. Die Höhe des Zuschlags liegt netto vor Steuern bei ca. 0,80 €.

Jährlich hat unser Beispiel-Versicherter durch die freiwillige Einzahlung ca. 140 € mehr in der Tasche. Bis er die 2.450 € zurückerhalten hat, muss er noch ca. 17,5 Jahre lang seine Rente erhalten.

Rentenanpassungen

Gesetzlich vorgesehen ist es, dass die Renten jährlich zum 01.07. an die allgemeine Lohnentwicklung angepasst werden. Sind die durchschnittlichen Löhne gestiegen, sollen auch die Renten in ähnlichem Umfang steigen. Die Rentenanpassung erfolgt in prozentualem Umfang auf die Gesamtrentenhöhe. Ist diese höher, fällt folglich auch die Rentenanpassung höher aus.

Hat man seine Rente durch freiwillige Beiträge erhöht, fallen somit zukünftige Rentenanpassungen höher aus. Es dauert aus dem Grund weniger als 17,5 Jahre, bis man die eingezahlten Beiträge zurückerhalten hat.

Hierbei darf allerdings nicht vernachlässigt werden, dass man das eingezahlte Geld auch hätte anlegen können und dann entsprechende Zinszahlungen erhalten hätte.

Steuerliche Betrachtungsweise

Bei Berechnungen wie oben wird der Punkt „Steuern“ meist ausgeklammert, da diese stark von den individuellen Einkommensverhältnissen abhängt und nur schwer verallgemeinert werden kann. Grundsätzlich gilt: In dem Jahr, in dem man die freiwilligen Beiträge zahlt und auf einen Prozent seiner Rente verzichtet, spart man Steuern. Einerseits, weil man die freiwilligen Beiträge als Altersvorsorgeaufwendungen vom zu versteuernden Einkommen abziehen kann und andererseits, weil man aufgrund des Rentenverzichts ein geringeres Einkommen hat.

Ab dem Zeitpunkt, ab dem man die höhere Rente erhält, verkehrt sich der Aspekt wiederum ins Gegenteil. Aufgrund der höheren Rente müssen dann mehr Steuern gezahlt werden.

Aus steuerlicher Sicht kann die Zahlung freiwilliger Beiträge nach Erreichen der Regelaltersgrenze dann interessant sein, wenn man in einem bestimmten Jahr ein besonders hohes zu versteuerndes Einkommen hat. Verringert man dieses durch die Zahlung von freiwilligen Beiträgen, senkt man seinen Durchschnittssteuersatz. In den Folgejahren muss man dann aufgrund einer höheren Rente etwas mehr an Steuern entrichten, hat aufgrund der Steuerprogression in dem Jahr, mit überdurchschnittlich hohem Einkommen, aber zumindest aus steuerlicher Sicht kein schlechtes Geschäft gemacht.

In allen anderen Fällen sollte die Entscheidung: „Freiwillige Beitragszahlung ja oder nein?“ nicht von steuerlichen Gründen abhängig gemacht werden.

Privat Krankenversicherte

Sowohl bei der Ausgleichszahlung von Rentenabschlägen als auch im allgemeinen Artikel zur freiwilligen Beitragszahlung findet sich die Aussage, dass Rentner, die privat krankenversichert sind, stärker von der Einzahlung profitieren. Dieses gilt auch für freiwillige Beiträge nach Erreichen der Regelaltersgrenze.

Dem privat krankenversicherten Rentner wird zusätzlich zur Brutto-Rente noch ein Zuschlag zu seiner privaten Krankenversicherung ausgezahlt, der bei 7,3 % der Rentenhöhe liegt. Steigt die Rentenhöhe aufgrund der Zahlung freiwilliger Beiträge, steigt auch der Zuschlag.

Witwen- oder Witwerrenten

Sofern man verheiratet ist, hat der Ehegatte beim eigenen Tod Anspruch auf die Zahlung einer Witwen- oder Witwerrente. Hat man die eigene Rente durch freiwillige Beiträge gesteigert, steigt infolgedessen auch die Hinterbliebenenrente. In diesem Zusammenhang gilt es jedoch zu beachten, dass die Höhe der Witwen- oder Witwerrente auch vom Einkommen des Hinterbliebenen abhängig ist. Liegt dieses netto oberhalb von 819,19 €, wird der 819,19 € übersteigende Betrag zu 40 % von der Witwen- oder Witwerrente abgezogen.

Fazit

Zunächst ist festzustellen: Selbst wenn man die Regelaltersgrenze erreicht hat, gibt es Wege und Möglichkeiten, weiterhin Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung zu zahlen.

Für den Otto-Normal-Rentner wird diese Mögichkeit jedoch eher wenig bis keinen Sinn ergeben.

Will man aber seine lebenslang gezahlte Rente noch steigern und hatte vor Erreichen der Regelaltersgrenze hierzu keine Möglichkeit bzw. ist nicht dazu gekommen, kann die aufgezeigte Verfahrensweise eine sinnvolle Option darstellen.

Ebenfalls sinnvoll kann die freiwillige Beitragszahlung für Personen sein, die ihre Steuerlast in einem konkreten Jahr reduzieren wollen.

Wer im Alter noch erwerbstätig ist, kann seine Rente auch auf anderem Weg steigern. Nach Erreichen der Regelaltersgrenze zahlt man als Rentner nämlich grundsätzlich keine Beiträge zur Rentenversicherung mehr. Erklärt man seinem Arbeitgeber gegenüber jedoch, dass man weiterhin Beiträge zahlen möchte, steigern diese Beiträge regelmäßig die Rente. Genaueres hierzu könnt ihr bald an anderer Stelle lesen.

 

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