Börse und Altersvorsorge – mit diesen drei Punkten gelingt der Start auf dem Parkett

Börse und Altersvorsorge – mit diesen drei Punkten gelingt der Start auf dem Parkett

Dieser Beitrag erscheint im Rahmen der Blogparade des Finanzblog-Awards der Comdirect Bank. Das offizielle Thema der Blogparade ist „Dein Tipp zum Börsenstart – mit diesen drei Punkten gelingt der Start auf dem Parkett.“ Hat euch dieser Beitrag gefallen? Lasst bei der Abstimmung für den Publikumspreis gerne eure Stimme für rentenfuchs.info da! Vielen Dank!


“Zusätzliche Altersvorsorge” – spätestens seit der Riester-Reform zu Beginn der 2000er-Jahre in aller Munde. Doch obwohl seitdem mehr als 15 Jahre vergangen sind, steht der Großteil der deutschen Bevölkerung nach meiner Erfahrung immer noch eher ratlos vor der Frage: “Soll ich zusätzlich für das Alter vorsorgen und wenn ja, wie?”.

Diese Frage lässt sich relativ leicht beantworten:

Ja! – Es sei denn du willst dich im Alter (deutlich) einschränken!

Wenn du deinen jetzigen Lebensstandard auch im Alter halten möchtest, kommst du um zusätzliche Vorsorge nicht herum. Denn allein die gesetzliche Rente wird nicht reichen, um auf deinem Vor-Renten-Niveau weiterleben zu können.

An Aktien und Fonds kommt man nur schwer vorbei…

Es gibt nicht das perfekte Altersvorsorgeprodukt!

Abhängig von der persönlichen finanziellen Situation, dem Alter, der eigenen Risikobereitschaft und auch den individuellen Zielen für den Ruhestand können ganz verschiedene Produkte “optimal” für die private Altersvorsorge sein.

Doch die meisten, die auf der Suche nach dem “optimalen” Produkt sind, kommen an der Börse und den dort gehandelten Produkten nur schwer vorbei. Zumindest nicht, wenn sie auf der Suche nach einem Produkt mit einer Rendite oberhalb der Inflationsrate sind, noch einige Jahre oder Jahrzehnte bis zum Rentenbeginn bleiben und nicht ganz risikoscheu sind.

Nach dieser Erkenntnis heißt es also für die meisten: “Börsenstart!”

Keine Angst beim Börsenstart!

Gerade die deutsche Bevölkerung hat großen Respekt und auch eine Menge an Vorurteilen, wenn es um Aktien, Börse und Geldanlage geht. Nach der Meinung vieler handelt es sich hierbei um eine hochkomplexe Materie, die höchsten der Bankberater oder Versicherungsvertreter durchdringen kann und bei der es letztlich eh nur darum geht, dem Kunden das Geld aus der Tasche zu ziehen. Und von der Möglichkeit des Totalverlustes will ich gar nicht erst anfangen zu sprechen…

Um dieser misslichen Lage zu entrinnen, habe ich drei Tipps zum Börsenstart, die gar nicht so kompliziert umzusetzen sind:

1. Sich schlaumachen

Wir leben in einer wunderbaren Zeit!

Um fundierte Informationen zu den Themen Geldanlage, Altersvorsorge, Aktien, ETFs und Börse zu erhalten, ist man nicht mehr auf Bankberater, 1000-seitige Ratgeber oder ein betriebswirtschaftliches Studium angewiesen. Das Internet bietet unendlich viele Möglichkeiten um an gute, sehr gute – aber auch viele weniger und gar nicht gute – Informationen zu gelangen.

Vertraut bei eurer Recherche daher nicht nur auf eine Quelle und hinterfragt genau, was ihr lest. Wenn ihr etwas Zeit investiert, werdet ihr euch wundern, wie viel und wie schnell ihr hier dazulernen könnt.

Einen guten Einstieg hierfür kann eine Recherche im Wertpapier-Forum darstellen. Und auch auf Zendepot finden sich viele sehr wertvolle Beiträge (auch wenn die Seite bereits seit einiger Zeit nicht mehr aktualisiert wurde).

2. Depot eröffnen

Auch bei der Frage “Wie eröffne ich ein Depot?” hilft das Internet!

Auf dem deutschen Markt gibt es einen Vielzahl an Banken, die kostenlose Depots anbieten und bei denen Sparpläne (zum Beispiel auch ETF-Sparpläne) kostenlos bespart werden können.

Wer nicht im Rahmen eines Sparplans sparen möchte, kann auch einen der vielen Anbieter wählen, die durch ihre sehr geringen Ordergebühren überzeugen.

Ihr seht: Mit ein wenig Recherche kann man bei der Depoteröffnung also gar keine großen Fehler machen. Selbst wenn der ausgewählte Anbieter vielleicht nicht der Erstbeste, sondern nur der Dritt- oder Viertbeste ist, sind die durch das Depot und den Erwerb der Wertpapiere zusätzlich entstehenden Kosten für eure Altersvorsorge meist zu vernachlässigen.

Es kommt vielmehr darauf an, erst einmal mit dem Sparen anzufangen! Der Depotanbieter lässt sich auch zu einem späteren Zeitpunkt immer noch wechseln…

Ich persönlich habe unter anderem ein Depot bei comdirect und bin mit diesem sehr zufrieden. Sollte euch das Angebot von comdirect ebenfalls ansprechen, nutzt gerne den nachfolgenden Link zur Depoteröffnung. Hierdurch unterstützt ihr rentenfuchs.info und tragt zum Bestand dieser Seite bei.

Depoteröffnung comdirect

3. Sparplan einrichten

Da ihr euch mit dem Thema “Börse” und “Geldanlage” bereits intensiver beschäftigt habt, wird euch die Einrichtung eines Sparplans voraussichtlich nur wenig Zeit kosten. Sie dürfte keine Problem darstellen.

Im Optimalfall habt ihr bereits bei der Depotauswahl berücksichtigt, wie ihr für das Alter vorsorgen wollt und welchen Fonds oder ETF ihr hierzu erwerben möchtet. Den Depotanbieter habt ihr dann so ausgewählt, dass ihr dort euer Wunschprodukt besonders günstig kaufen könnt. Diese Entscheidung gilt es jetzt nur noch umzusetzen. Der Rest sind 15 – 30 Klicks!

Nachdem dann euer Sparplan eingerichtet ist, habt ihr euren Börseneinstieg bereits geschafft!

Ab jetzt heißt es: “Weniger ist mehr!”

Haltet an eurer Strategie fest und und schaut nicht täglich in euer Depot! Dies macht im Zweifel nur nervös und kostet wertvolle Rendite!

Doch halt!

Wie ihr anhand meiner drei Tipps zum Börseneinstieg gesehen habt, gestaltet es sich als nicht besonders schwierig, ein Depot zu eröffnen, um Aktien oder Fonds zu kaufen: Ein wenig googlen, die ein oder andere Entscheidung treffen sowie etwas Zeit, um Formulare auszufüllen: Geschafft ist der Börsenstart!

Bevor aber überhaupt die Depoteröffnung ansteht, sind aus meiner Sicht noch drei andere, viel zentralere Voraussetzungen zu erfüllen beziehungsweise Fragen zu beantworten, damit euer Börsenstart tatsächlich und auch langfristig gelingen kann!

Drei Tipps, damit euer Börsenstart tatsächlich gelingt!

1. Notgroschen

Über Geldanlage und euren Börseneinstieg solltet ihr euch erst dann Gedanken machen, wenn ihr über einen ausreichenden Notgroschen verfügt.

Nichts ist schädlicher für eure Altersvorsorge, als der notgedrungene Verkauf von Aktien und Fonds zu Tiefstständen, weil beispielsweise Geld für ein neues Auto benötigt wird oder die Waschmaschine ihren Geist aufgegeben hat. Eine Buy-and-Hold-Strategie (“Kaufen und Halten”), wie sie beispielsweise auch Warren Buffett verfolgt, kann nur dann gelingen, wenn euer Notgroschen ein längeres “Halten” auch zulässt.

Meine Empfehlung zur Höhe des Notgroschens ist: Solange euer Notgroschen nicht bei zwei – besser drei – Monatsgehältern liegt, solltet ihr euren Börseneinstieg solange verschieben, bis ihr diesen Wert erreicht habt.

Notgroschen regelmäßig vergrößern

Und auch für die Zeit danach halte ich es für sinnvoll, nicht alle Ersparnisse vollständig am Parkett zu investieren, sondern mit einem Teil des Geldes den Notgroschen peu à peu zu erhöhen.

Denn ein größerer Notgroschen erlaubt euch, gegebenenfalls auch eine längere Durststrecke finanziell zu überbrücke Ist der Notgroschen groß genug, seid ihr selbst dann nicht gezwungen, eure Altersvorsorge aufzulösen.

Gerade während einer Wirtschaftskrise kann ein höherer Notgroschen von besonderer Bedeutung sein: Wenn ihr beispielsweise euren Job verliert, in die Arbeitslosigkeit rutscht und gleichzeitig die Aktienkurse in die Tiefe rauschen.

Ich persönlich halte – zumindest in jungen Jahren – eine 70-30-Aufteilung für vertretbar: 70 % der Ersparnisse werden risikoreich (zum Beispiel in ETFs) angelegt, für 30 % der Ersparnisse wird eine sichere Anlage gewählt (zum Beispiel auf einem Tagesgeldkonto).

70 % der Ersparnisse werden risikoreich (zum Beispiel in ETFs) angelegt, für 30 % der Ersparnisse wird eine sichere Anlage gewählt (zum Beispiel auf einem Tagesgeldkonto).

Börse auf Pump

Noch risikoreicher als ein Investment ohne Notgroschen ist es, geliehenes Geld an der Börse zu investieren. Ein Verkauf zum falschen Zeitpunkt kann sich in diesem Fall nicht nur negativ auf die Rendite eurer Altersvorsorge auswirken, sondern sogar den finanziellen Ruin bedeuten.

Daher meine Empfehlung (mit ganz wenigen Ausnahmen): Solange ihr Schulden habt, nutzt eure Ersparnisse, um diese Schulden abzuzahlen. Über den Börsenstart könnt ihr euch im Nachhinein immer noch Gedanken machen.

2. Absicherung gegen existenzielle Risiken

Die kaputte Waschmaschine oder das neue Auto sind das eine: Für diese Fälle habt ihr euren Notgroschen!

Es gibt aber noch ganz andere Risiken, für die euer Notgroschen bei Weitem nicht ausreicht. Bevor ihr an der Börse einsteigt, solltet ihr euch gegen diese existenziellen Risiken abgesichert haben.

Haftpflichtversicherung

Hier wäre zum einen die Haftpflichtversicherung zu nennen, die für Schäden eintritt, die ihr anderen Personen zufügt oder an deren Eigentum verursacht.

Gerade wenn es um Personenschäden geht, können die Schadensersatzforderungen schnell sechs- oder siebenstellige Beträge erreichen. Müsst ihr diese aus eurem Privatvermögen bestreiten, könnt ihr euch schnell von eurer Altersvorsorge verabschieden.

Haftpflichtversicherungen sind nicht besonders teuer. Ich halte es hier für fahrlässig – nur um 20 € oder 30 € im Jahr zu sparen – einen nur ausreichenden Vertrag abzuschließen. Auch wenn es um Haftpflichtversicherungen geht, sollte man gut vergleichen und beispielsweise statt der 20 Mio. €-Absicherung bei Personenschäden doch eher die 50 Mio. €-Absicherung wählen.

Berufsunfähigkeitsversicherung

Für die meisten Menschen ist Arbeit die Hauptquelle ihres monatlichen Einkommen. Je mehr Jahre der Erwerbstätigkeit ein Sparer noch vor sich hat, desto höher ist das Einkommen, das er in Zukunft voraussichtlich noch aus seiner Erwerbstätigkeit wird erzielen können.

Ein erhebliches finanzielles Risiko ist vor diesem Hintergrund die Berufsunfähigkeit beziehungsweise die Erwerbsminderung. Denn mit einem Verlust der Erwerbsfähigkeit – zum Beispiel aufgrund eines Unfalls oder einer Krankheit – würde man auch einen Großteil des Einkommens verlieren, dass man in Zukunft – ohne Erwerbsminderung – noch hätte erzielen können.

Es handelt sich also auch in diesem Fall um ein Risiko, das sich durch den oben beschriebenen Notgroschen in keiner Weise absichern lässt.

Unzureichende Absicherung durch die gesetzliche Rentenversicherung

Die gesetzliche Rentenversicherung – und im schlimmsten Fall auch die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung – bilden im Falle der Erwerbsminderung zwar eine Mindestabsicherung , ob man diese jedoch als ausreichend beurteilt, muss jeder für sich individuell entscheiden. Gerade bei jungen Menschen kommt darüber hinaus hinzu, dass sie im Falle der Erwerbsminderung nicht immer über die gesetzliche Rentenversicherung abgesichert sind.

Anders als bei der Haftpflichtversicherung kann es auch durchaus Argumente dafür geben, keine Versicherung gegen die Berufsunfähigkeit abzuschließen. Das Vorhandensein einer solchen Versicherung ist daher aus meiner Sicht auch keine zwingende Voraussetzung vor dem Börseneinstieg. Ich finde es jedoch ganz wichtig, dass man sich vor dem Börsenstart zumindest mit diesem Thema auseinandergesetzt hat.

3. Betreibt Altersvorsorgeplanung

Wer weder weiß, wo er aktuell steht, noch sich im Klaren darüber ist, wo er überhaupt hin möchte, sollte sich diese beiden Punkte zunächst bewusst machen. Erst dann kann er in eine bestimmte Richtung laufen und weiß, dass er sich dabei seinem Ziel nähert.

Ganz allgemein lässt sich zwar sagen, dass für viele Personen ein kleiner oder größerer Börseneinstieg durchaus der richtige Weg ist, es gibt aber auch viele Personen, bei denen dies eben nicht der Fall ist und die sich durch einen Börseneinstieg eher von ihrem eigentlichen Ziel entfernen würden.

Wer beispielsweise plant, innerhalb der nächsten fünf Jahre Wohneigentum zu erwerben, macht sich auf einen sehr riskanten Weg, wenn er seine gesamten Ersparnisse in einen – egal wie guten – ETF steckt.

Altersvorsorgeplanung meint in diesem Kontext ganz grob:

Ist-Analyse

Ich schaue mir zunächst an, wie hoch mein aktuelles Vermögen ist und welche Einkünfte ich im Alter ungefähr zu erwarten habe.

Hierzu gehört auch, sich einen Überblick über seine monatlichen und jährlichen Einnahmen und Ausgaben zu verschaffen. Als Ergebnis lässt sich feststellen, über welche finanziellen Möglichkeiten man derzeit überhaupt verfügt; was also zum Sparen zur Verfügung steht.

Ich weiß also schon einmal, wo ich stehe.

Zieldefinition

Als nächstes geht es um die Frage: “Wo will ich eigentlich hin?”

“Wo will ich eigentlich hin?” meint in diesem Zusammenhang zum einen die mittelfristige und zum anderen auch die langfristige Perspektive.

Mittelfristige Perspektive

Im Rahmen der mittelfristigen Planung solltet ihr euch Gedanken darüber machen, welche Ziele, die mit finanziellen Auswirkungen verbunden sind, – zum Beispiel Wohneigentum, Kinder, Sabattical – ihr innerhalb der nächsten 5 – 15 Jahre verfolgen wollt. Denn diese Ziele müssen – siehe das obige Beispiel – bei der Altersvorsorgeplanung berücksichtigt werden.

Daneben sind auch andere geplante oder zu erwartende Veränderungen wie ein Jobwechsel bei der mittelfristigen Perspektive zu berücksichtigen, sofern mit ihnen finanzielle Auswirkungen einhergehen.

Langfristige Perspektive

Im Zentrum der langfristigen Perspektive steht natürlich der Ruhestand:

Wie will ich im Alter leben? “

“Wie viel Geld werde ich benötigen?

Wie will ich meine Freizeit gestalten?”

Klar ist: Heute kann ich natürlich noch nicht genau sagen, was ich wohl im Alter will und wie ich leben werde. Aus meiner Sicht lohnt es sich aber dennoch, dies in Gedanken durchzuspielen und für sich selbst eine grobe Tendenz zu entwickeln.

Da sich diese Tendenz im Laufe der Zeit immer wieder verschieben wird, ist es sinnvoll, sich in regelmäßigen Abständen mit seinem Ruhestand zu beschäftigen und gegebenenfalls sein Ziel anzupassen.

Altersvorsorgeplanung ist also nicht nach einem Durchgang abgeschlossen.

Die Frage nach dem Weg und dem Fortbewegungsmittel

Habt ihr Schritt 1 und Schritt 2 gewissenhaft durchlaufen, wisst ihr genau, wo ihr steht und wo ihr hinwollt. Jetzt gilt es nur noch, den richtigen Weg zum Ziel und das richtige Fortbewegungsmittel zu wählen.

Ist euer langfristiges Ziel beispielsweise, im Alter so viel Geld zur Verfügung zu haben, dass ihr euch auch im Alter nicht einschränken müsst, können ganz verschiedene Wege zu diesem Ziel führen:

Weg 1

Ihr könnt heute und in Zukunft auf unnötigen Konsum verzichten. Als Ergebnis könnt ihr jetzt mehr Geld sparen und benötigt darüber hinaus auch im Alter weniger Einkommen.

Weg 2

Eine andere Alternative wäre, das aktuelle Einkommen zu steigern. Hierdurch würden einerseits höhere Rentenbeiträge gezahlt – also die die zukünftige Rente erhöht – und andererseits hätte man – ohne sich finanziell einschränken zu müssen – Geld zum Sparen übrig.

Weg 3

Auch die richtige Finanzanlage könnte ein Weg zum Ziel sein:

Ob Riester, die betriebliche Altersvorsorge oder ein Immobilienerwerb das beste Fortbewegungsmittel für diesen Weg sind, ist stark von eurem individuellen Ziel abhängig. Doch in vielen Fällen wird es sich empfehlen, für ein längeres Stück des Weges das Fortbewegungsmittel “Börse” beziehungsweise “ETF” zu nutzen.

Und sobald ihr zu diesem Ergebnis gekommen seid, könnt ihr wieder einen Blick nach oben auf meine “Drei Tipps für den Börsenstart” werfen und endlich auf dem Parkett einsteigen!

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