Ausgleichszahlung für Rentenabschläge von der Steuer absetzen

Ausgleichszahlung für Rentenabschläge von der Steuer absetzen

“Wie hoch ist die Steuerersparnis durch die Ausgleichszahlung für Rentenabschläge?”

Vor einiger Zeit habe ich einen ausführlichen Artikel zur „Ausgleichszahlung für Rentenabschläge“ veröffentlicht. Ich bin darauf eingegangen, wer Rentenabschläge ausgleichen kann, wie sich der maximal einzahlbare Betrag berechnet und welche Rentensteigerung sich aus der Einzahlung ergibt. Natürlich habe ich auch versucht, die wichtige Frage zu beantworten, ob und für wen sich die Ausgleichszahlung für Rentenabschläge lohnen kann.

„Lohnt sich die Einzahlung oder lohnt sie sich nicht?“

Die Beantwortung dieser Frage hängt von einer Vielzahl an Faktoren ab. Ein relevanter Punkt ist in diesem Zusammenhang die steuerliche Absetzbarkeit der Ausgleichszahlung für Rentenabschläge. Diese möchte ich in diesem Beitrag genauer betrachten:

Wie hoch ist die Steuerersparnis bei der Ausgleichszahlung?

Wie viele Steuern ihr durch die Ausgleichszahlung sparen könnt, hängt einerseits von der Höhe eures zu versteuernden Einkommens und andererseits vom Umfang der Ausgleichszahlung ab.

Leistet ihr eine Ausgleichszahlung zur Rentenversicherung, könnt ihr die eingezahlten Beiträge nämlich als Sonderausgaben in eurer Steuererklärung geltend machen, wodurch euer zu versteuerndes Einkommen gesenkt wird und ihr letztlich weniger Steuern zahlen müsst.

Konkret handelt es sich bei der Einzahlung zum Ausgleich von Rentenabzügen um sogenannte Altersvorsorgeaufwendungen.

Maximal absetzbare Altersvorsorgeaufwendungen

Altersvorsorgeaufwendungen können nur bis zu einem vom Gesetzgeber festgelegten Höchstbetrag als Sonderausgaben abgesetzt werden. Der Höchstbetrag liegt für eine ledige Person im Jahr 2019 bei 24.305 €. Für Verheiratete, die steuerlich gemeinsam veranlagt werden, erhöhen sich die maximal absetzbaren Sonderausgaben auf das Doppelte, also 48.610 €.

Dieser Höchstbetrag wird jährlich entsprechend der Entwicklung der Beitragsbemessungsgrenze der knappschaftlichen Rentenversicherung sowie des Beitragssatzes zur knappschaftlichen Rentenversicherung angepasst. Im Jahr 2020 steigt der Höchstbetrag um ca. 700 € auf dann 25.046 € für ledige Personen und 50.092 € für Verheiratete.

Was zählt alles als Altersvorsorgeaufwendung?

24.305 € hört sich zunächst nach einem riesigen Betrag an, der jedes Jahr zusätzlich in die Rentenversicherung eingezahlt und steuerlich abgesetzt werden kann.

Ihr müsst jedoch berücksichtigen, dass ein Teil dieses Maximalbetrags bereits durch andere Zahlungen aufgebraucht wird, die ihr im Laufe des Jahres zum Zwecke der Altersvorsorge tätigt.

Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung

Wenn ihr abhängig beschäftigt seid, müssen von dem Maximalbetrag sowohl die Arbeitgeber- als auch die Arbeitnehmerbeiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung abgezogen werden. Denn auch hierbei handelt es sich um Altersvorsorgeaufwendungen, die eure Steuerlast mindern.

Beispiel Durchschnittsverdiener:

Bei einem Durchschnittsverdiener mit einem jährlichen Brutto-Arbeitsentgelt in Höhe von 38.901 € (2019) machen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung zusammen einen Betrag von 7.235,59 € aus. Dementsprechend stehen also nur noch 17.069,41 € zur Verfügung, um sie zum Beispiel im Rahmen der Ausgleichszahlung für Rentenabschläge steuerlich geltend zu machen.

Beispiel Top-Verdiener:

Liegt euer Jahresverdienst an oder über der Beitragsbemessungsgrenze von 80.400 € (2019) zahlt ihr bzw. euer Arbeitgeber zusammen sogar Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung in Höhe von 14.954,40 € ein. Die absetzbaren Altersvorsorgeaufwendungen, die in diesem Fall verbleiben, stellen mit 9.350,60 € zwar immer noch eine beachtliche Summe dar, sind aber bei Weitem nicht mehr so hoch wie anfangs gedacht.

Beiträge zu einer Rürup-Rente

Ebenfalls als Altersvorsorgeaufwendungen zu berücksichtigen sind Beiträge, die ihr jährlich in eine sogenannte Basis-Rente, im Volksmund besser als Rürup-Rente bekannt, einzahlt.

Beispiel:

Erhaltet ihr ein Arbeitsentgelt von über 80.400 € jährlich und zahlt daneben monatlich mehr als 780 € (9.360 € jährlich) in einen Rürup-Vertrag ein, wären eure absetzbaren Altersvorsorgeaufwendungen hierdurch bereits vollständig ausgeschöpft.

Würdet ihr euch zusätzlich noch für die Ausgleichszahlung entscheiden – was durchaus möglich ist – würde sich hierdurch für euch jedoch kein Steuervorteil ergeben.

Auch wenn ihr durch die Einzahlung keine Steuern gespart habt, müsstet ihr die Auszahlung der gesetzlichen Rente trotzdem in vollem Umfang versteuern.

Beiträge zu einer Riester-Rente

Wichtig: Zahlt ihr Beiträge in eine Riester-Rente, handelt es sich hierbei im nicht um Altersvorsorgeaufwendungen. Genaueres zur Riester-Zulagenberechtigung könnt ihr im Beitrag zur Erhöhung der Riester-Grundzulage nachlesen.

Beiträge zu einer Betriebsrente

Wer Beiträge zu einer betrieblichen Altersversorgung leistet, profitiert davon, dass die eingezahlten Beiträge bis zu einem Höchstbetrag von 6.424 € pro Jahr (Stand: 2019) nicht versteuert werden müssen. Hierbei handelt es sich um die sogenannte Entgeltumwandlung.

Wer im Rahmen der Entgeltumwandlung Beiträge in eine betriebliche Altersversorgung einzahlt, reduziert hierdurch die maximal absetzbaren Altersvorsorgeaufwendungen nicht.

Kann ich meine Altersvorsorgeaufwendungen, solange ich die Höchstgrenze beachte, zu 100 % von der Steuer absetzen?

Nun könnte man annehmen, dass mit der Berechnung des maximal absetzbaren Höchstbetrags die komplizierteste Frage beantwortet ist. Es gibt jedoch noch eine weitere Einschränkung:

Selbst bei Einhaltung des obigen Maximalbetrags können Altersvorsorgeaufwendungen derzeit nur anteilig als Sonderausgaben berücksichtigt werden.

In welchem prozentualen Umfang die Ausgleichszahlung für Rentenabschläge als Sonderausgaben geltend gemacht werden können, hängt vom Jahr ab, in dem die Einzahlung erfolgt.

Altersvorsorgeaufwendungen erst ab 2025 vollständig steuerlich absetzbar

Der Gesetzgeber hat nämlich festgelegt, dass Altersvorsorgeaufwendungen erst ab dem Jahr 2025 in voller Höhe steuerlich abgesetzt werden können. Bis dahin müsst ihr euch an der nachfolgenden Tabelle orientieren, um zu bestimmen, welcher Anteil eurer Einzahlung das zu versteuernde Einkommen reduziert.

Jahrabsetzbare
Altersvorsorgeaufwendungen
in Prozent
201886 %
201988 %
202090 %
202192 %
202294 %
202396 %
202498 %
2025100 %

Beispiel:

Zahlt ihr im Jahr 2019 5.000 € als Ausgleichszahlung für Rentenabschläge in die gesetzliche Rentenversicherung ein, können hiervon – solange der Maximalbetrag nicht überschritten ist – 88 % als Sonderausgaben geltend gemacht werden. Euer zu versteuerndes Einkommen im Jahr 2019 reduziert sich somit um 4.400 €.

Tätigt ihr die Einzahlung in Höhe von 5.000 € hingegen erst im Jahr 2022, könnt ihr hiervon 94 % als Sonderausgaben absetzen. Euer zu versteuerndes Einkommen im Jahr 2022 würde sich somit um 4.700 € reduzieren.

Wie viel Geld bekomme ich denn nun genau vom Finanzamt zurück?

Zu welchem Anteil sich das Finanzamt an der Ausgleichszahlung für Rentenabschläge beteiligt, lässt sich leider erst exakt berechnen, wenn die genaue Höhe eurer Einnahmen und (absetzbaren) Ausgaben (zum Beispiel Werbungskosten) eines Jahres bekannt sind – was erst im Jahr nach der Einzahlung der Fall ist. Um euren Steuervorteil zu ermitteln, bedarf es nämlich nicht des Brutto-Einkommens, sondern des zu versteuernden Einkommens.

Das zu versteuernde Einkommen unterscheidet sich insoweit vom Brutto-Einkommen, als hiervon zum Beispiel noch Werbungskosten, Beiträge zur Krankenversicherung und Spenden abgezogen werden.

Eine genaue Anleitung zur Umrechnung eures Brutto-Einkommens in das zu versteuernde Einkommen, kann ich an dieser Stelle leider nicht liefern. Wenn ihr hierzu weitere Fragen habt, werdet ihr im Netz sicher fündig. Konkrete Auskünfte erhaltet ihr ansonsten auch bei einem Steuerberater.

Tipp: Blick auf den Einkommenssteuerbescheid kann helfen

Um einen groben Überblick zur Höhe des zu versteuernden Einkommens zu erhalten, könnt ihr auch einen Blich auf euren Einkommenssteuerbescheid des Vorjahres werfen. Unter dem Punkt: “Einkommen / zu versteuerndes Einkommen” seht ihr, wie hoch euer zu versteuerndes Einkommen im Vorjahr gewesen ist.

Sofern sich eure Ein- und Ausgaben nicht deutlich verändert haben, könnt ihr das dort angegebene zu versteuernde Einkommen als grobe Tendenz nutzen, um anhand der nachfolgenden Tabelle die Höhe der Steuerersparnis durch die Ausgleichszahlung zu ermitteln.

Achtung! Die nachfolgende Tabelle zeigt das zu versteuernde Einkommen, nicht das Brutto-Einkommen!

Die Tabelle soll lediglich ein Gefühl für die Höhe des zu erwartenden Steuervorteils vermitteln!

Die angegebenen Zahlen beziehen sich (Stand: 2018/2019) auf Einzelpersonen. Werden Eheleute steuerlich gemeinsam veranlagt, kann die Höhe des Steuervorteil deutlich von den angegebenen Zahlen abweichen.

zu versteuerndes
Einkommen
(ohne Einzahlung)
jährliche Steuerlast
(ohne Solidaritätszuschlag
und Kirchensteuer)
jährliche
Ausgleichszahlung
davon absetzbar
(2019: 88 %)
Steuerersparnis
20.000 €2.467 €2.000 €1.760 €ca. 460 €
20.000 €2.467 €5.000 €4.400 €ca. 1.125 €
25.000 €3.852 €2.000 €1.760 €ca. 500 €
25.000 €3.852 €5.000 €4.400 €ca. 1.225 €
30.000 €5.348 €2.000 €1.760 €ca. 535 €
30.000 €5.348 €5.000 €4.400 €ca. 1.300 €
40.000 €8.670 €5.000 €4.400 €ca. 1.515 €
50.000 €12.432 €5.000 €4.400 €ca. 1.705 €
60.000 €16.578 €5.000 €4.400 €ca. 1.845 €

Wo trage ich die Ausgleichszahlung in der Steuererklärung ein?

Neben den theoretischen Fragen zur steuerlichen Absetzbarkeit der Ausgleichszahlung für Rentenabschläge gibt es auch noch eine ganz praktische Frage:

“An welcher Stelle in der Einkommenssteuererklärung gebe ich die Ausgleichszahlung für Rentenabschläge an?”

Hierzu nutzt ihr – zumindest bei der Steuererklärung für die Jahre 2017 und 2018 – die Anlage “Vorsorgeaufwand”, bei der ihr unter der Rubrik “Beiträge zur Altersvorsorge” in Zeile 6 alle Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung angeben könnt, die nicht bereits  in Zeile 4 geltend gemacht wurden.

Neben der Ausgleichszahlung für Rentenabschläge könnt ihr in Zeile 6 zum Beispiel auch die freiwillige Beitragszahlung oder die Nachzahlung für Schul- und Ausbildungszeiten eintragen.

Das Bild zeigt die Anlage Vorsorgeaufwand zur Einkommenssteuer mit einem Hinweis, wo die Ausgleichszahlung für Rentenabschläge einzutragen ist.

In Zeile 4 tragt ihr übrigens die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung ein, die euer Arbeitgeber direkt von eurem Lohn einbehalten und an die Rentenversicherung überwiesen hat.

Steuern und Sozialversicherungsbeiträge sparen bei Ausgleichszahlung durch den Arbeitgeber

Rein rechtlich ist es übrigens möglich, dass nicht ihr selbst, sondern euer Arbeitgeber im Rahmen der Ausgleichszahlung für Rentenabschläge in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt. Hierdurch lassen sich gegebenenfalls noch mehr Steuern und sogar Sozialversicherungsbeiträge sparen.

Genaueres zum zum Thema im Beitrag: “Ausgleichszahlung für Rentenabschläge durch den Arbeitgeber”.

Ich hoffe, dass meine Ausführungen zur steuerlichen Absetzbarkeit der Ausgleichszahlung für Rentenabschläge etwas Licht ins Dunkel gebracht haben.

Auch wenn der Steuervorteil aus meiner Sicht in den seltensten Fällen den Ausschlag für oder gegen die Ausgleichszahlung geben sollte, halte ich es für wichtig, sich ausführlich mit allen Vor- und Nachteilen der Ausgleichszahlung zu beschäftigen – und hierunter fällt dann auch die steuerliche Absetzbarkeit.


Habt ihr Fragen, Anmerkungen oder Erfahrungen mit der steuerlichen Absatzbarkeit der Ausgleichszahlung für Rentenabschläge? Schreibt gerne einen Kommentar oder eine E-Mail an rentenfuchs@gmx.de.

Dieser Beitrag hat 26 Kommentare

  1. Michael B.

    Hallo Rentenfuchs, muss die Ausgleichszahlung im aktuellen Steuerjahr eingezahlt werden, damit diese von der Steuer absetzbar ist, oder gibt es die Möglichkeit, den Betrag im neuen Jahr rückwirkend, z. B. Januar bis März, einzuzahlen?

    Vielen Dank im Voraus
    Michael B.

    1. Rentenfuchs

      Hallo Michael, im Steuerrecht gilt das Zu- und Abflussprinzip. Das heißt: Die steuerliche Absetzbarkeit ist immer an das Jahr gebunden, in dem die Einzahlung tatsächlich erfolgt ist.

  2. Wolfgang

    Vielen Dank für den fantastischen Artikel. Eine Frage: Meine Frau ist noch unter 50, ich drüber. Können wir dann den Höchstbetrag von gemeinsam Veranlagten ausschöpfen und den Betrag dann aber nur meinem Rentenkonto gutschreiben?

    1. Rentenfuchs

      Hinsichtlich der steuerlichen Absetzbarkeit spielt das Alter Ihrer Frau keine Rolle. Sie können also den für Ehegatten geltenden Höchstbetrag für Altersvorsorgeaufwendungen (abzüglich bereits geleisteter Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung der Eheleute) in voller Höhe ausnutzen.

  3. Sabine

    Hallo lieber Rentenfuchs,
    auch von mir erst mal ein großes Dankeschön für deine kompetenten und umfangreichen Auskünfte. Ich kann ab 01.01.2027 die Rente nach 45 Berufsjahren in Anspruch nehmen. Da diese nicht so hoch ausfallen wird, habe ich nun bei der DRV die Rente ab 63 angefragt, will den Rentenminderungsbetrag zumindest teilweise ausgleichen und dann aber trotzdem erst mit 65 incl. einer etwas erhöhten Rente mit dem Arbeiten aufhören. Das ist ja zulässig. Wie sieht es aber aus, wenn ich vor dem 01.01.2027 meine Arbeit verlieren sollte? Kann mich dann z.B. die Arbeitsagentur “zwingen” schon mit 63 in Rente zu gehen, da ich das ja offiziell ohnehin vorhatte und auch zusätzliche Einzahlungen erfolgt sind? Oder bleibt mir auch dann die Möglichkeit, mich arbeitslos zu melden und (falls ich keinen neuen Job mehr finde) zur Erfüllung der 45 Jahre Wartezeit einen Minijob anzunehmen? Besten Dank!

    1. Sabine

      …Meine Frage passt, wie ich jetzt erst gesehen habe, wohl besser in den Hauptbeitrag “Rentenbezüge ausgleichen”, sorry. Falls es sich nicht verschieben lässt, schreibe ich es gern dort nochmal neu.

    2. Rentenfuchs

      Hallo Sabine,
      die Agentur für Arbeit hat kein Recht dazu, Sie zur Stellung eines Rentenantrags aufzufordern; eine geleistete Ausgleichszahlung ändert an diesem Umstand nichts. (Lediglich das Jobcenter kann Bezieher von Arbeitslosengeld II, wie in diesem Beitrag beschrieben, unter bestimmten Voraussetzungen zur Antragsstellung auffordern.) Es ist also problemlos möglich, zunächst noch zwei Jahre lang Arbeitslosengeld I zu beziehen und erst dann die Altersrente zu beantragen. In diesem Fall muss man nur, genau wie Sie schreiben, schauen, ob man noch auf die 45 Jahre kommt, die erfüllt sein müssen, um die abschlagsfreie Altersrente für besonders langjährig Versicherte in Anspruch nehmen zu können. Denn Zeiten des Arbeitslosengeld I-Bezugs zählen in den letzten zwei Jahren vor Rentenbeginn für die 45 Jahre nicht mit – es sei denn man hat daneben einen Minijob, über den man weiter in die Rentenversicherung einzahlt.

      1. Sabine

        Vielen Dank für die Info. Wäre es dann egal in welcher Form und Höhe der Minijob ist, Hauptsache es gibt eine Einzahlung in die Rentenversicherung? Könnte ich mich z.B. von einem Verwandten (nicht gleicher Haushalt) als Haushaltshilfe für einen kleinen Betrag im Monat anstellen lassen? Und noch eine andere weitere Frage: Gilt die Regel, dass man im ersten Quartal des Jahres für das zurückliegende Jahr eine Ausgleichszahlung vornehmen kann immer, oder nur bei der ersten (Teil)Einzahlung? Falls man das immer machen könnte, ließen sich ja die steuerliche Absetzbarkeit und die Auswahl voraussichtlich “günstigerer” Einzahlungsjahre besser verbinden.

        1. Rentenfuchs

          Eine Vorgabe zum Mindestverdienst bei der geringfügigen Beschäftigung gibt es nicht. Hier muss man lediglich beachten, dass bei einem Verdienst von weniger als 175 € der Beitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung dennoch auf der Grundlage von 175 € berechnet wird. Der Arbeitgeber zahlt dann seinen Beitrag auf der Grundlage des tatsächlichen Verdienstes, der Arbeitnehmer muss den Arbeitgeberbeitrag hingegen auf den monatlichen Mindestbeitrag von 32,55 € (175 € x 18,6 %) aufstocken.
          Zu deiner zweiten Frage: Hier muss man zwischen Rentenrecht und Steuerrecht differenzieren. Steuerrechtlich ist die Einzahlung immer in dem Jahr absetzbar, in dem sie tatsächlich geleistet wird (Abflussprinzip). Im Rentenrecht soll sich die Bearbeitungszeit des Rentenversicherungsträgers nicht negativ für den Versicherten auswirken . Deshalb gelten einmalig – wenn man innerhalb von drei Monaten nach Bescheiderteilung die Einzahlung leistet – die Konditionen (Preis für einen Entgeltpunkt), die zum Zeitpunkt der Antragsstellung galten.

          1. Anonymous

            Vielen Dank, dann bin ich nun ein ganzen Stück schlauer als vorher. Wenn ich also noch im Dezember die erste Teileinzahlung (Preis für Rentenpunkte und steuerlich absetzbar 2020) vornehme, wäre eine weitere Teilzahlung im Januar zwar innerhalb der ersten 3 Monate nach Bescheiderteilung und steuerlich in 2021 absetzbar, aber der Rentenpunktpreis wäre trotzdem der für 2021, da ich meine Ersteinzahlungsoption schon im Dezember “verbraucht” hätte? Viele Grüße!

          2. Rentenfuchs

            Sofern auch die zweite Einzahlung innerhalb von drei Kalendermonaten nach Erteilung der besonderen Rentenauskunft erfolgt, müssten auch in diesem Fall noch die Werte gelten, die zum Zeitpunkt des Antrags maßgeblich waren. Diesbezüglich könnte man aber auch nochmal Rücksprache mit der Rentenversicherung halten bzw. müsste unter Umständen Widerspruch einlegen, wenn die Rentenversicherung für die zweite Zahlung die “neuen” Werte zugrunde legt.

  4. Thomas Schwank

    Sehr geehrter Herr Bäker,

    ich habe eine Frage zur Überzahlungsbeträgen bei der Riesterrente. Sie schreiben hier:

    “Einzahlungen in eine Riester-Rente zählen bei förderberechtigten Personen insoweit als Altersvorsorgeaufwendungen, als die jährliche Summe aus eigenen Einzahlungen und staatlichen Zulagen zusammengerechnet 2.100 € übersteigt.
    Beispiel:
    Liegt die jährliche Einzahlung (eigene Beiträge + Zulagen) bei 3.000 €, zählen 2.100 € nicht als Altersvorsorgeaufwendungen. Die restlichen 900 € werden allerdings als Altersvorsorgeaufwendungen berücksichtigt.”

    Wo kann ich den Überzahlbetrag, in Ihrem Beispiel 900 €, als Altersvorsorgeaufwendung in der Steuererklärung, in welcher Zeile eintragen?

    Vielen Dank im Voraus!

    Mit freundlichen Grüßen
    Thomas Schwank

    1. Rentenfuchs

      Hallo Herr Schwank,

      der von Ihnen zitierte Passus ist tatsächlich nicht korrekt gewesen. Dies tut mir sehr leid. Übersteigt die Einzahlung in die Riester-Rente den Höchstbetrag, kann der “überzahlte” Betrag nicht steuerlich als Altersvorsorgeaufwendungen abgesetzt werden.

      Den Beitrag habe ich dahingehend korrigiert.

  5. Anonymous

    Hallo Rentenfuchs,
    für mich wurde der Ausgleich zur Rentenminderung durch den Arbeitgeber in die Rentenkasse gezahlt.Auf meinen Lohnsteuerbescheinigung steht der halbe eingezahlte Betrag in Zeile 10 (Ermäßigter besteuerter Arbeitslohn für mehrere Kalenderjahre)Diesen Betrag habe ich in der Steuererklärung in der Anlage Vorsorgeaufwand (Abschnitt, Beiträe zu gesetzlichen Rentenversicherung eingetragen.
    Dieser Betrag wurde vonm Finanzamt ,wie auch bei Fred König,s.o.)nicht berücksichtig, sodass ich jetzt Steuern nachzahlen muß.
    Ich habe zur steuerlichen Absetzbarkeit im Netz einen Sachstand vom Deutschen Bundestag gefunden worin steht,dass die 2. Hälfte der Einzahlung nach Füntelregelung versteuert werden muß.
    Hier der Link: https://www.bundestag.de/resource/blob/665596/8c9b5978024b879a36436d0e42b20e0a/WD-4-121-19-pdf-data.pdf
    Andererseits gibt es aber auch das Schreiben vom BMF(sieh Kommentar von Fred König).
    Bist du trotzdem der Meinung das ich den Betrag als Vorsorgeaufwand absetzen kann?

    1. Rentenfuchs

      Hallo,
      scheinbar scheint in Bezug auf die steuerliche Absetzbarkeit der Ausgleichszahlung auch bei den Finanzämtern noch einiges unklar oder auch unbekannt zu sein. Wird die Ausgleichszahlung durch den Arbeitgeber geleistet – hierzu habe ich auch einen eigenen Beitrag veröffentlicht -, ist es nach meiner Auffassung so, dass eine Hälfte der Einzahlung direkt bei der Einzahlung durch den Arbeitgeber steuerfrei bleibt. Diese Hälfte kann dann auch nicht nochmal als Altersvorsorgeaufwendungen geltend gemacht werden. Die andere Hälfte müsste man als Arbeitnehmer jedoch innerhalb der gesetzlichen Grenzen als Altersvorsorgeaufwendungen absetzen können. Die Fünftelregelung ist nach meinem Verständnis nur dann anwendbar, wenn die Ausgleichszahlung als Abfindung geleistet wurde. An deiner Stelle würde ich auf jeden Fall Rücksprache mit dem Finanzamt halten und auch den Weg des Einspruchs nicht scheuen. Drücke die Daumen! Solltest du zu dem Thema noch mehr Material benötigen, schreibe mir gerne auch eine E-Mail an rentenfuchs@gmx.de. Mir liegt zu diesem Thema noch eine Stellungnahme des Finanzministeriums vor, die ich dir übersenden könnte.

  6. Frank Rummel

    Hallo Herr Bäker,

    ich bin heute auf Ihre Seite gestoßen und möchte mich wie meine Vorgänger für Ihre Beiträge bedanken. Alles sehr schön verständlich. Nun weiß ich endlich, wo ich im nächsten Jahr meine Ausgleichszahlungen für Rentenabschläge eintragen muss. Ich hoffe, dass “mein” Finanzbeamter 2021 besser informiert ist, als der des Herrn König in 2019.

    1. Rentenfuchs

      Ich drücke die Daumen!

  7. Peter

    Hallo, sind Sie sicher dass auch der ArbeitGEBER Anteil zur Rentenversicherung auf den Höchstbetrag angerechnet wird? Abetzbar ist ja nur der ArbeitNEHMER Anteil (und davon ja auch nur 88% in 2019). M.e. verringert sich im Beispiel “Durchschnittsverdiener” der für Ausgleichszahlungen noch zur Verfügung stehende Betrag auf 20687,21€.
    MfG

  8. Willi D.

    Es fehlen bei mir 10 Monate um als besonders langjährig Versicherter zu gelten; ich könnte demnach ab 01. November mit Abschlägen in Rente gehen. Um auf 45 Beitragsjahre zu kommen müßte ich ALG I beziehen und gleichzeitig einen Minijob annehmen. Oder kann man einmalig einen bestimmtem Betrag einzahlen, damit man ohne Abschläge in Rente gehen kann?

    1. Rentenfuchs

      Hallo, die Möglichkeit sich mit einer einmaligen Zahlung die fehlenden Monate für die 45 Beitragsjahre zu erkaufen, gibt es nicht. Die Option mittels einer geringfügigen Beschäftigung die 10 Monate noch zu erreichen, wird in Ihrem Fall vermutlich die günstigste / einfachste sein. Alternativ könnte man auch freiwillige Beiträge zahlen, müsste dann jedoch auf das ALG I verzichten.

  9. Fred König

    Sehr detaillierte und nachvollziehbare Informationen zur steuerlichen Betrachtung der Ausgleichszahlungen. Leider kennt mein Bearbeiter im Finanzamt Ihre Seite nicht. Habe für die ESt-Erklärung 2018 meine Ausgleichszahlungen in die Anlage “Vorsorgeaufwand” Zeile 6 eingetragen. Den Beitragsnachweis der DRV gleich beigelegt – NULL-EURO wurden berücksichtigt, was bei einer 5-stelligen Summe ärgerlich ist. Vielleicht ist im Amt nicht bekannt, dass diese Zahlungen (2018=86%)
    als Sonderausgaben absetzbar sind. Diesbezüglich gibt es auch eim BMF-Schreiben vom 24.Mai 2017
    Az. IV C 3 – S 2221/16/10001 :004 Dok. 2017/0392623 Randziffer 1 -2. Werde am Montag Einspruch einlegen-immerhin geht es um ca. 4200 € Steuererstattung für Ausgleichszahlungen. Auf meine heutige telefonische Anfrage, wurde informiert , dass zu diesem Thema noch keine Schulung durchgeführt wurde und dieser Sachverhalt (Absetzbarkeit der Ausgleichszahlungen) als Sonderausgaben nicht bekannt sei. Eine sogenannte “Niesche” auch Sonderfall genannt.

    1. Rentenfuchs

      Vielen Dank für das Feedback! Verrückt, dass die Ausgleichszahlung bei Ihrem Finanzamt so gar nicht bekannt ist. Da war Ihr Einspruch zweifelsohne die richtige Entscheidung. Halten Sie mich und alle anderen Leser gerne auf dem Laufenden, wie Ihr Einspruch ausgegangen ist.

    2. suchenwi

      Das Finanzamt Konstanz wollte 2019 zwar Belege für die freiwillige Einzahlung (knapp 16k) sehen, war aber dann einverstanden.
      Zum Test (ob ich die Regeln richtig verstanden habe) hatte ich 1€ mehr eingezahlt als rechnerisch anerkennbar. Und tatsächlich wurde genau dieser 1€ gekappt… 🙂

  10. Thomas Höfling

    Sehr geehrter Herr Bäker,

    auch dieser Nachfolgebeitrag zum Thema ist (wie der Einstiegstext) wieder gut strukturiert aufgebaut, bestens nachvollziehbar erklärt und durch “lebensnahe” Beispiele plastisch dargestellt.

    Vielen Dank für Ihr Engagement !

    1. Rentenfuchs

      Es freu mich, zu hören, dass auch diese Artikel Ihnen gefallen hat!

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