Wie wird Arbeitsentgelt auf Witwen- oder Witwerrenten angerechnet?

Wie wird Arbeitsentgelt auf Witwen- oder Witwerrenten angerechnet?

In meinem ersten Beitrag zum Thema „Einkommensanrechnung auf Witwen- und Witwerrenten“ habe ich genau beschrieben, wann und in welcher Höhe die eigene Rente von der Witwenrente abgezogen wird. Doch nicht jede Witwe oder jeder Witwer erhält bereits selbst Rente. Viele Witwen und Witwer sind noch erwerbstätig und bekommen neben ihrer Hinterbliebenenrente Lohn oder haben Gewinne aus selbstständiger Tätigkeit.

Die Anrechnung von Arbeitsverdienst auf eine Witwenrente erfolgt in etwas anderer Form als die Anrechnung einer Rente. Wie genau, beschreibe ich in diesem Beitrag.

Beispiel: Anrechnung Arbeitsentgelt auf Witwenrente

Ähnlich wie im Beitrag zur Anrechnung der eigenen Rente auf die Hinterbliebenenrente werde ich die Regelung zur Einkommensanrechnung auch in diesem Beitrag anhand eines Beispiels genauer erläutern:

Der Ehemann von Frau Müller ist am 15. August 2019 verstorben. Ihr Ehemann war bereits Rentner und hat monatlich 1.500 € an Brutto-Rente erhalten. Frau Müller ist noch erwerbstätig und verdient 3.000 € brutto pro Monat.

Das Sterbevierteljahr

In den ersten drei Monaten nach dem Tod des Ehegatten erfolgt keine Einkommensanrechnung. Außerdem wird die Witwen- oder Witwerrente in diesen drei Monaten in der Höhe gezahlt, in der sie zuvor an den Verstorbenen ausgezahlt wurde beziehungsweise ausgezahlt worden wäre.

Dieses sogenannte Sterbevierteljahr kann sogar in einer Summe für drei Monate ausgezahlt werden. Wichtig ist jedoch, dass der Antrag auf Vorschusszahlung rechtzeitig gestellt wird.

Wer eine Vorschusszahlung erhalten kann und wie diese beantragt wird, habe ich im Beitrag “Wird meine eigene Rente auf meine Witwen- oder Witwerrente angerechnet?” genauer beschrieben.

Das Sterbevierteljahr von Frau Müller

Frau Müller erhält im Zeitraum vom 1. September 2019 bis zum 30. November 2019 monatlich 1.500 € als Witwenrente. Wenn sie die Vorschusszahlung rechtzeitig beantragt hat, erhält sie eine Einmalzahlung in Höhe von 4.500 €.

Höhe der Witwenrente nach Ende des Sterbevierteljahres

Sobald die drei Monate des Sterbevierteljahres abgelaufen sind, ändern sich zwei maßgebliche Aspekte:

1. Die Witwen- oder Witwerrente verringert sich auf 60 % (große Witwen- oder Witwerrente nach altem Recht), auf 55 % (große Witwen- oder Witwerrente nach neuem Recht) oder auf 25 % (kleine Witwen- oder Witwerrente).

Genaueres zur großen und kleinen Witwen-/ Witwerrente findet ihr im Beitrag zur Anrechnung der eigenen Rente auf die Hinterbliebenenrente.

2. Nach Ablauf des Sterbevierteljahres kommt es zur Einkommensanrechnung.

Anrechnung von Arbeitsentgelt nach dem Sterbevierteljahr

Die ersten drei Monate nach dem Tod von Herrn Müller sind mit Blick auf die Einkommensanrechnung nicht besonders kompliziert: Egal, wie viel Frau Müller verdient, sie erhält die volle Witwenrente.

Ab Dezember 2019 stellt sich dann jedoch die Frage, ob Frau Müller weiterhin Anspruch auf eine Witwenrente hat und wie hoch diese ausfällt.

Bei den weiteren Berechnungen bin ich davon ausgegangen, dass Frau Müller eine große Witwenrente nach altem Recht erhält.

Hätte eine Person kein eigenes Einkommen, würde sie nach altem Recht eine große Witwenrente in Höhe von 60 % der Rente des Verstorbenen erhalten.

Im Fall von Frau Müller läge die große Witwenrente somit vor Anrechnung des Einkommens bei 900 €.

Vorjahreseinkommen oder laufendes Einkommen – welcher Verdienst wird angerechnet?

Frau Müller ist jedoch noch erwerbstätig und erhält 3.000 € brutto pro Monat. Wie viel von diesen 3.000 € werden nun von ihrer Witwenrente abgezogen?

Um diese Frage zu beantworten, sind mehrere Rechenschritte erforderlich.

Denn grundsätzlich gilt: Die Rentenversicherung schaut sich das Einkommen von Frau Müller nicht monatsweise an, sondern ermittelt die Höhe des anzurechnenden Einkommens in den meisten Fällen einmal pro Jahr.

Erhält eine Witwe oder ein Witwer in dem Monat, ab dem die Hinterbliebenenrente gezahlt wird, Lohn oder Einkommen aus selbstständiger Tätigkeit, schaut die Rentenversicherung sich zwei unterschiedliche Beträge an: Zum einen das Vorjahreseinkommen der Witwe/ des Witwers und zum anderen das laufende Einkommen im Monat des Rentenbeginns.

Relevant für die Einkommensanrechnung ist dann im Regelfall das geringere Einkommen.

Das Vorjahreseinkommen

Herr Müller ist im Jahr 2019 verstorben. Für die Einkommensanrechnung schaut sich die Rentenversicherung daher zunächst an, was Frau Müller im Jahr 2018 brutto (inklusive Einmalzahlungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld) verdient hat. 2018 hat Frau Müller noch etwas weniger verdient als im Jahr 2019. Insgesamt lag ihr Brutto-Jahreseinkommen bei 30.000 €.

Sofern Frau Müller im Jahr 2018 volle 12 Monate erwerbstätig war, ergibt sich ein monatlich anzurechnendes Brutto-Einkommen von 2.500 € (30.000 € / 12 Monate).

Das laufende Einkommen

In einem zweiten Schritt betrachtet der Rentenversicherungsträger Frau Müllers laufendes Einkommen im Monat des Rentenbeginns. Ziel ist es, zu ermitteln, ob das laufende Einkommen gegebenenfalls geringer als das Vorjahreseinkommen ist. Denn in diesem Fall wäre es für die Witwe oder den Witwer günstiger, wenn bei der Einkommensanrechnung das laufende Einkommen anstelle des Vorjahreseinkommens berücksichtigt würde.

Im September 2019 lag Frau Müllers Brutto-Monatsverdienst bei 3.000 €. Zusätzlich zu den 3.000 € sind noch ein Zwölftel der jährlichen Einmalzahlungen zu berücksichtigen. Da Frau Müller 2019 voraussichtlich ein Weihnachtsgeld in Höhe von 1.200 € erhalten wird, liegt ihr laufendes Einkommen, das bei der Einkommensanrechnung zu berücksichtigen wäre, insgesamt bei 3.100 €.

Kleiner Hinweis: Obwohl Einkommen tatsächlich erst ab dem 1. Dezember 2019 angerechnet wird, ist für die Ermittlung des anzurechnenden Einkommens die Höhe des Einkommens im Monat des Rentenbeginns – im Fall von Frau Müller also September 2019 – relevant.

Das laufende Einkommen wird nur berücksichtigt, wenn es mindestens 10 % geringer als das Vorjahreseinkommen ist.

Bei Frau Müller ist der Fall sehr klar: Ihr Vorjahreseinkommen ist um 600 € geringer als das laufende Einkommen. Die Einkommensanrechnung erfolgt somit auf Grundlage des Vorjahreseinkommens.

Wichtig ist: Damit das laufende Einkommen bei der Einkommensanrechnung berücksichtigt wird, muss es nicht nur geringer als das Vorjahreseinkommen sein, es muss sogar um 10 % geringer sein.

Im Falle von Frau Müller hieße dies: Nur, wenn ihr laufendes Einkommen bei 2.250 € oder weniger läge, würde bei der Einkommensanrechnung das laufende Einkommen aus September 2019 berücksichtigt. Hätte Frau Müller im September 2019 2.300 € verdient, wäre dennoch das Vorjahreseinkommen in Höhe von 2.500 € berücksichtigt worden, da das laufende Einkommen in Höhe von 2.300 € um nicht mindestens 10 % geringer als das Vorjahreseinkommen ist.

Aus Brutto mach Netto

Nun steht schon einmal fest, dass monatlich 2.500 € Brutto-Arbeitsentgelt auf die Witwenrente von Frau Müller angerechnet werden.

In einem zweiten Schritt wird aus diesen 2.500 € Brutto-Arbeitsentgelt nun ein Netto-Arbeitsentgelt errechnet. Für die Rentenversicherung ist dabei völlig egal, wie hoch Frau Müllers tatsächliches Netto-Arbeitsentgelt ist. Denn für die Einkommensanrechnung sind im Gesetz genaue Prozentsätze festgelegt, nach denen aus einem Brutto-Arbeitsentgelt ein Netto-Arbeitsentgelt zu berechnen ist.

Für reguläre, sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse gilt: Um das Netto-Arbeitsentgelt zu ermitteln, werden vom Brutto exakt 40 % abgezogen.

Im Falle von Frau Müller ergibt sich somit für die Einkommensanrechnung ein Netto-Verdienst von 1.500 €.

Der Freibetrag

Im nächsten Schritt werden diese 1.500 € nochmals um einen Freibetrag reduziert.

Es ist nämlich so, dass man neben dem Bezug einer Witwen- oder Witwerrente bis zu einer bestimmten Höhe eigenes Einkommen erhalten kann, ohne dass es überhaupt zu einer Einkommensanrechnung kommt.

Aktuell (1.7.2019 – 30.6.2020) liegt dieser Freibetrag für Personen, die in den alten Bundesländern wohnen, bei monatlich 872,52 € und für Witwen oder Witwer, die ihren Wohnsitz in den neuen Bundesländern haben, bei 841,90 €.

Hat der Hinterbliebene Kinder, die noch so jung sind, dass sie eine Waisenrente erhalten können, erhöht sich der Freibetrag pro Kind um 185,08 € (bei einem Wohnort in den alten Bundesländern) beziehungsweise 178,54 € (bei einem Wohnort in den neuen Bundesländern).

Angenommen, Frau Müller hat ihren Wohnsitz in den westdeutschen Ländern und es gibt keine Kinder, die eine Waisenrente erhalten können, sind von den 1.500 € Netto-Arbeitsverdienst 872,52 € abzuziehen. Für die Einkommensanrechnung verbleiben somit noch 627,48 €.

Einkommen oberhalb des Freibetrags wird zu 40 % angerechnet

Übersteigt das Einkommen den Freibetrag, ist gesetzlich festgelegt, dass 40 % des Betrages oberhalb des Freibetrags von der eigentlich zu zahlenden Witwen- oder Witwerrente abzuziehen sind.

Auf das Beispiel von Frau Müller übertragen heißt dies:

Frau Müller überschreitet den Freibetrag um 627,48 €. 40 % dieses Betrags – also 250,99 € – sind von der eigentlich zu zahlenden Witwenrente abzuziehen. Frau Müller erhält somit ab Dezember 2019 nicht 900 € an Witwenrente, sondern nur 649,01 €.

Wann ändert sich der für die Einkommensanrechnung relevante Betrag?

Wie oben bereits angedeutet, prüft der Rentenversicherungsträger die Höhe des anzurechnenden Einkommens nicht monatsweise, sondern in den meisten Fällen nur einmal pro Jahr.

Konkret gibt es zwei Anlässe, bei denen es zu einer Überprüfung des Einkommens beziehungsweise einer Neuberechnung kommt:

1. Jedes Jahr zum 1. Juli vergleicht der Rentenversicherungsträger das laufende Einkommen mit dem Vorjahreseinkommen und ermittelt auf diesem Weg das Einkommen, das in den folgenden zwölf Monaten auf die Hinterbliebenenrente angerechnet wird.

2. Verringert sich das anzurechnende Einkommen einer Witwe oder eines Witwers um mindestens 10 %, kann ein Antrag auf Neuberechnung der Einkommensanrechnung gestellt werden.

Überprüfung der Einkommensanrechnung zum 1. Juli eines Jahres

Jedes Jahr zum 1. Juli erfolgt das selbe Prozedere, welches ich oben bereits für die erstmalige Anrechnung von Einkommen auf eine Witwen- oder Witwerrente beschrieben habe:

1. Ermittlung des Brutto-Vorjahreseinkommens

2. Vergleich mit dem laufenden Einkommen im Monat Juli

3. Aus Brutto mach Netto

4. Abzug des Freibetrags vom Netto-Einkommen

5. Anrechnung des verbleibenden Betrages zu 40 %

Beispiel: Änderung der Einkommensanrechnung zum 1. Juli 2020

Schauen wir uns die Neuberechnung der Einkommensanrechnung zum 1. Juli eines Jahres nun noch einmal am Beispiel von Frau Müller an:

Frau Müller hat bis zum 30. Juni 2020 weiterhin ihre 3.000 € im Monat verdient, ihre Arbeitszeit jedoch ab dem 1. Juli 2020 um ein Drittel reduziert und erhält daher ab diesem Zeitpunkt nur noch 2.000 € Brutto-Lohn im Monat.

Die Neuberechnung zum 1. Juli erfolgt in jedem Fall. Diese hätte es auch gegeben, wenn sich das Einkommen von Frau Müller nicht verändert hätte. Bei der Neuberechnung ist nach den oben genannten Schritten vorzugehen:

(1) Rechnet man das Vorjahreseinkommen (2019) von Frau Müller (36.000 € + 1.200 € Weihnachtsgeld) auf den Monat herunter, ergibt sich ein für die Einkommensanrechnung relevantes Brutto-Arbeitsentgelt von 3.100 €. Dieses ist bei der Einkommensanrechnung zu berücksichtigen, sofern das laufende Einkommen nicht um mindestens 10 % (2.790 €) geringer ist.

(2) Der Brutto-Lohn von Frau Müller liegt im Juli 2020 tatsächlich nur bei 2.000 €. Weihnachtsgeld erhält sie nicht mehr. Für die Einkommensanrechnung ist somit das laufende Einkommen zu berücksichtigen.

(3) 2.000 € Brutto-Lohn bedeuten für die Einkommensanrechnung 1.200 € Netto-Verdienst, (4) von denen wiederum der Freibetrag von 872,52 € abzuziehen ist. Es verbleiben also 327,48 €, (5) von denen 40 % (130,99 €) auf die Witwenrente von Frau Müller angerechnet werden.

Der Freibetrag von 872,52 € erhöht sich zum 1. Juli 2020 sogar noch im Umfang der Rentenanpassung 2020. Da diese bisher jedoch noch nicht feststeht, habe ich an dieser Stelle zunächst mit dem Freibetrag aus Juli 2019 gerechnet. Voraussichtlich wird die Rentenanpassung 2020 jedoch bei ca. 3 % liegen (Artikel zur ersten Schätzung).

Änderung des Einkommens zu einem anderen Zeitpunkt als zum 1. Juli

Die Anpassung der Einkommensanrechnung zum 1. Juli eines Jahres ist der Regelfall. Es kann aber natürlich sein, dass sich das Einkommen auch zu einem anderen Zeitpunkt im Jahr verändert. Welche Auswirkungen hätte dies auf die Einkommensanrechnung?

1. Das Einkommen steigt

Erhöht sich das Einkommen, führt dies nicht sofort zu einer Veränderung bei der Einkommensanrechnung. Erst zum nächsten 1. Juli wird wieder der Vergleich zwischen Vorjahreseinkommen und laufendem Einkommen angestellt.

Würde beispielsweise Frau Müller zum 1. Januar 2021 wieder Vollzeit arbeiten und monatlich 3.000 € verdienen, bliebe es dennoch bis zum 30. Juni 2021 bei der Anrechnung von 130,99 €.

2. Das Einkommen sinkt um weniger als 10 %

Auch bei sinkenden Einkommen kommt es nicht zwangsläufig zu Veränderungen bei der Einkommensanrechnung.

Solange nämlich das Einkommen um weniger als 10 % sinkt, bleibt es weiterhin bei dem zum 1. Juli festgestellten Anrechnungsbetrag.

Auf das Beispiel von Frau Müller übertragen heißt das: Aktuell werden 2.000 € Bruttoverdienst angerechnet. Solange ihr Bruttoeinkommen um weniger als 200 € sinkt, verändert sich die Einkommensanrechnung nicht. Es würden weiterhin die 130,99 € berücksichtigt.

3. Das Einkommen sinkt um mindestens 10 %

Eine Neuberechnung der Einkommensanrechnung erfolgt tatsächlich nur dann, wenn sich das Einkommen der Witwe oder des Witwers um mindestens 10 % verringert. Ist dies der Fall, wird ab dem Monat, in dem sich das Einkommen verringert hat, das verringerte, laufende Einkommen berücksichtigt.

Sollte es zu einer entsprechenden Einkommensminderung kommen, ist es jedoch wichtig, dass die Witwe beziehungsweise der Witwer die Rentenversicherung auch über die Einkommensminderung informiert. Denn andernfalls erfährt der Rentenversicherungsträger hiervon nichts und wird auch keine Neuberechnung der Einkommensanrechnung vornehmen.

Um die Rentenversicherung über die Einkommensminderung zu informieren, empfehle ich, den Vordrucks R0665 durch den Arbeitgeber ausfüllen zu lassen und im Anschluss an den Rentenversicherungsträger zu übersenden. Unter Ziffer 2.3 ist der Monat einzutragen, ab dem sich das Einkommen um mindestens 10 % reduziert hat, und unter Punkt 3 sind die konkreten Angaben zum laufenden Bruttoverdienst in diesem Monat zu machen.

Verändert sich das Einkommen zu einem anderen Zeitpunkt als zum 1. Juli, kann auf das Ausfüllen der Ziffer 4 verzichtet werden. Denn das Vorjahreseinkommen ist nur bei der erstmaligen Ermittlung der Einkommensanrechnung sowie zum 1. Juli eines Jahres relevant.

Beispiel für eine Einkommensminderung um mindestens 10 %

Frau Müller entscheidet sich zum 1. Januar 2021 dazu, ihre Arbeitszeit weiter zu reduzieren. Ihr Bruttoverdienst liegt ab diesem Zeitpunkt nur noch bei 1.500 €.

Da sie auf www.rentenfuchs.info erfahren hat, dass eine Neuberechnung der Einkommensanrechnung möglich ist, wenn sich das Einkommen um mindestens 10 % verringert, lässt sie den Vordruck R0665 durch ihren Arbeitgeber ausfüllen und teilt ihrem Rentenversicherungsträger die neue Einkommenshöhe mit.

Der Rentenversicherungsträger stellt daraufhin fest, dass sich das Einkommen von Frau Müller um mindestens 10 % (200 €) verringert hat und daher ab dem 1. Januar 2021 das verringerte Einkommen bei der Einkommensanrechnung berücksichtigt werden muss.

Für das neue Brutto-Einkommen von 1.500 € nimmt der Rentenversicherungsträger nun wieder die oben genannten Schritte (3) bis (5) vor.

(3) Bei einem Brutto-Einkommen von 1.500 € sind für die Einkommensanrechnung netto 900 € zu berücksichtigen. (4) Hiervon ist der Freibetrag (872,52 €) abzuziehen. (5) Von den verbleibenden 27,48 € werden 40 % (10,99 €) auf die Witwenrente von Frau Müller angerechnet.


Habt ihr Fragen zur Einkommensanrechnung bei Hinterbliebenenrenten? Schreibt gerne eine E-Mail an rentenfuchs@gmx.de oder einen Kommentar!

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Iris Friebe

    Hallo lieber Rentenfuchs,

    wie sieht denn die Berechnung aus, wenn Erwerbseinkommen und Erwerbsersatzeinkommen in einem Jahr zusammentreffen?
    Lt. Dt. Rentenversicherung wird dann nur das Erwerbseinkommen zur Berechnung herangezogen.
    Danke für eine Info

    1. Rentenfuchs

      Hier muss man wieder ein wenig differenzieren: Bei der Berechnung des Vorjahreseinkommens gilt: Wurde Erwerbseinkommen neben Erwerbsersatzeinkommen erzielt (also gleichzeitig), sind diese Einkommen zusammenzurechnen; wurden diese Einkommen zeitlich aufeinander folgend erzielt, ist das Erwerbseinkommen maßgebend.

      Beim laufenden Einkommen ist es so, dass hier solange das Erwerbsersatzeinkommen zugrunde gelegt wird, wie es bezogen wird. Wenn dann aber zum Beispiel das Krankengeld endet, zählt wiederum das Einkommen, welches vor der Entgeltersatzleistung bezogen wurde.

  2. Renate Durst

    ich erhalte demnächst eine einmalzahlung aus einer rentenversicherung.
    meine witwenrente wird nach neuem recht berechnet.
    ich weiss, dass diese einmalzahlung fiktiv in eine laufende rentenzahlung umgerechnet wird.
    aber nirgendwo ist zu erfahren durch wieviele monate dieser betrag nun geteilt wird.
    über eine info würde ich mich sehr freuen und bedanke mich im voraus.
    renate durst

    1. Rentenfuchs

      Liebe Frau Durst,

      entschuldigen Sie, dass ich erst jetzt dazu komme, Ihre Anfrage zu beantworten, jedoch hatte sich in den letzten Wochen einiges angestaut und zudem war die Beantwortung Ihrer Frage auch mit ein wenig Recherche verbunden.

      Also: Wie wird nun eine private Renten- oder Lebensversicherung auf die Hinterbliebenenrente der gesetzlichen Rentenversicherung angerechnet?

      Vom Grundsatz her ist es so, dass der „Gewinn“ aus der privaten Versicherung abzüglich des jährlichen Sparer-Pauschbetrags in Höhe von 801 € zwecks Anrechnung auf die zwölf Monate nach der Auszahlung der Renten- oder Lebensversicherung aufgeteilt wird. Wenn die Auszahlung also im August 2020 erfolgt, wird der „Gewinn“ im Zeitraum von September 2020 bis August 2021 auf die Hinterbliebenenrente angerechnet.

      Doch was meint in diesem Zusammenhang genau „Gewinn“? Dies ist davon abhängig, ob die Versicherung vor 2005 oder später abgeschlossen wurde.

      Wurde die Versicherung zu einem späteren Zeitpunkt abgeschlossen, meint „Gewinn“ den Unterschied zwischen den eingezahlten Beiträgen und der ausgezahlten Leistung. Wurden also 30.000 € an Beiträgen eingezahlt und 50.000 € wieder ausgezahlt, liegt der Gewinn bei 20.000 €. Hiervon kann noch der Sparerpauschbetrag abgezogen werden, sodass 19.199 € verbleiben. In Abhängigkeit von der Art der Besteuerung wird dieser Betrag dann nochmals um 12,5 % bzw. 25 % gekürzt, sodass ca. 14.400 € für die Einkommensanrechnung verbleiben. Verteilt auf die Monate September 2020 bis August 2021 würden somit pro Monat rund 1.200 € als Einkommen bei der Einkommensanrechnung berücksichtigt.

      Handelt es sich hingegen um eine Versicherung, die vor 2005 abgeschlossen wurde, wird der „Gewinn“ anhand der rechnungsmäßigen und außerrechnungsmäßigen Zinsen ermittelt, die auf den Sparanteil entfallen. Da Auszahlungen von vor 2005 abgeschlossenen Versicherungen nicht versteuert werden müssen, erfolgt hier auch keine Kürzung um 12,5 % bzw. 25 %.

      Wie Sie sehen, ist die Anrechnung von Einnahmen aus Versicherungen auf Hinterbliebenenrenten äußerst komplex. Ich kann daher gut verstehen, wenn noch Fragen offen geblieben sein sollten. Melden Sie sich dann gerne einfach nochmal bei mir! Vielleicht kann hier auch eine Beratung in einer Auskunfts- und Beratungsstelle der Deutschen Rentenversicherung noch einige Unklarheiten aufklären.

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