Vorzeitige Rente aus gesundheitlichen Gründen

Die Altersrente für schwerbehinderte Menschen

6. Januar 2018 Altersrenten Rentenleistungen 2
Altersrente für schwerbehinderte Menschen

Wer unter gesundheitlichen Beschwerden leidet, kann unter Umständen nicht bis zum 63. Lebensjahr, geschweige denn bis zum 67. Lebensjahr arbeiten. Diesem Umstand wird im Rentenrecht mit der Rente wegen Erwerbsminderung und der in diesem Beitrag thematisierten Altersrente für schwerbehinderte Menschen Rechnung getragen. Die Altersrente für schwerbehinderte Menschen kann früher als die Altersrente für langjährig Versicherte beantragt werden und ist im Regelfall auch noch höher.

Doch welche Voraussetzungen gilt es zu erfüllen, um in den Genuss der Altersrente für schwerbehinderte Menschen zu kommen? Im Gesetzestext finden sich folgende drei Voraussetzungen:

1. Das 65. Lebensjahr muss vollendet sein (Ein früherer Rentenbezug mit Rentenabschlägen ist jedoch möglich!)

2. Bei Rentenbeginn muss eine anerkannte Schwerbehinderung nach § 2 Abs. 2 SGB IX vorliegen.

3. Die Wartezeit von 35 Jahren muss erfüllt sein.

Widmen wir uns zunächst den Voraussetzungen zwei und drei, da diese vergleichsweise schnell erklärt sind.

Anerkannte Schwerbehinderung

Unter dem Begriff „anerkannte Schwerbehinderung“ verbirgt sich, dass mindestens ein Grad der Behinderung von 50 vorliegen muss. Der Grad der Behinderung ist auf dem Schwerbehindertenausweis vermerkt. Nicht notwendig ist, dass die Schwerbehinderung unbefristet festgestellt wurde. Der Ausweis muss lediglich zum Zeitpunkt des Rentenbeginns (nicht des Rentenantrags!) gültig sein.Sollte die Schwerbehinderung also nur befristet sein, ist zu kontrollieren, ob die Befristung mindestens bis zum Rentenbeginn andauert. Ausgestellt wird der Schwerbehindertenausweis in den meisten Bundesländern vom Versorgungsamt. Die zuständige Behörde kann jedoch von den Bundesländern eigenständig festgelegt werden, sodass hierzu keine allgemeingültige Aussage getroffen werden kann.

Wartezeit von 35 Jahren

Bei der Wartezeit von 35 Jahren werden alle rentenrechtlich relevanten Zeiten berücksichtigt. Neben Beitragszeiten sind dieses unter anderem Schul- und Studienzeiten, Kinderberücksichtigungszeiten und sogar Zeiten, in denen Arbeitslosengeld II bezogen wurde. Genauer eingegangen wird auf die 35-jährige Mindestversicherungszeit im Beitrag zur Altersrente für langjährig Versicherte.

Renteneintrittsalter

Hinsichtlich des Mindestalters, ab dem die Altersrente für schwerbehinderte Menschen bezogen werden kann, muss etwas weiter ausgeholt werden. Wie bei der Regelaltersrente und der Altersrente für besonders langjährig Versicherte ist der mögliche Rentenbeginn vom Geburtsjahr abhängig. Wer Jahrgang 1964 oder jünger ist, kann die Altersrente für schwerbehinderte Menschen frühestens ab 62 erhalten. Für ältere Jahrgänge zeigt die nachfolgende Tabelle, wie alt sie mindestens sein müssen, um die Altersrente für schwerbehinderte Menschen beantragen zu können.

GeburtsjahrAnhebung um Monatevorzeitige Inanspruchnahme möglich ab
19537607
19548608
19559609
1956106010
1957116011
195812610
195914612
196016614
196118616
196220618
1963226110
196424620
Rentenabschlag

Zu berücksichtigen ist, dass es auch bei der Altersrente für schwerbehinderte Menschen einen Rentenabschlag gibt.

Der Rentenabschlag beträgt bei der Altersrente für schwerbehinderte Menschen unabhängig vom Geburtsjahrgang immer 10,8 %, wenn der frühestmöglichen Rentenbeginn gewählt wird. Beantragt beispielsweise eine 1957 geborene Versicherte die Altersrente für schwerbehinderte Menschen mit 60 Jahren und 11 Monaten, wird von der bis zu diesem Zeitpunkt erarbeiteten Rente lebenslänglich 10,8 % abgezogen. Für jeden Monat, die die Rente später als der frühestmögliche Zeitpunkt beantragt wird, verringert sich der Abschlag um 0,3 %. Drei Jahre nach dem frühestmöglichen Rentenbeginn kann die Altersrente für schwerbehinderte Menschen somit ohne Abschlag in Anspruch genommen werden. Die 1957 geborene Versicherte kann die Rente somit mit 63 Jahren und 11 Monaten ohne Abschlag erhalten.

Möchte man frühestmöglich in Rente gehen, jedoch die Rente dennoch ohne Abschlag erhalten, kann man durch eine Einzahlung in die Rentenversicherung den Abschlag ausgleichen. Genaueres hierzu findet ihr in diesem Beitrag.

Vergleich Altersrente für schwerbehinderte Menschen und Altersrente für besonders langjährig Versicherte

Hat ein Versicherter auf der einen Seite die 45-jährige Mindestversicherungszeit erfüllt, die für die Altersrente für besonders langjährig Versicherte notwendig ist, auf der anderen Seite aber auch eine anerkannte Schwerbehinderung, stellt sich die Frage, welche Rente für ihn denn nun günstiger ist. Hier sind drei Fälle zu unterscheiden:

1. Will man vor dem 63. Lebensjahr in Rente gehen, ist nur ein Antrag auf die Altersrente für schwerbehinderte Menschen möglich, da die Altersrente für besonders langjährig Versicherte erst mit 63 + X gezahlt werden kann.

2.Will man ohne Rentenabschlag in Rente gehen, lohnt sich für die Jahrgänge bis 1957 die Altersrente für besonders langjährig Versicherte mehr als die Altersrente für schwerbehinderte Menschen, da die Altersrente für besonders langjährig Versicherte etwas früher gezahlt werden kann.

3. Für Jahrgang 1958 und jünger gilt: Die Altersrente für schwerbehinderte Menschen wird zum gleichen Zeitpunkt ohne Abschlag gezahlt wie auch die Altersrente für besonders langjährig Versicherte bezogen werden kann. Es macht somit keinen Unterschied, welche der beiden Renten beantragt wird.

Festzustellen bleibt, dass die Altersrente für schwerbehinderte Menschen zwar eine Möglichkeit für gesundheitlich beeinträchtigte Personen bietet, früher in Rente zu gehen, hiervon jedoch nur Versicherte profitieren, die eine anerkannte Schwerbehinderung haben und ihren regulären Rentenbeginn bereits fast erreicht haben. Außerdem wird die Rente im Regelfall nicht außerordentlich hoch ausfallen, da aufgrund des früheren Rentenbeginns weniger Beiträge in die Rentenversicherung eingezahlt werden und die Rente zudem um den Rentenabschlag verringert wird.

Für jüngere Versicherte, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr oder nur noch eingeschränkt arbeiten können, ist die Altersrente für schwerbehinderte Menschen hingegen keine Option. Hier können lediglich Leistungen zur medizinischen Rehabilitation (Kuren), Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (Umschulungen und ähnliches) oder im schlimmsten Fall die Erwerbsminderungsrente eine Lösung bieten.

Merkbox

1. Die Altersrente für schwerbehinderte Menschen kann erhalten, wer einen Schwerbehindertenausweis mit mindestens GdB 50 besitzt, die 35-jährige Mindestversicherungszeit erfüllt und das für seinen Geburtsjahrgang maßgebliche Lebensjahr erreicht hat.

2. Das maßgebliche Lebensalter hängt vom Geburtsjahrgang ab und liegt zwischen 60 und 62.

3. Der Rentenabschlag liegt immer bei 10,8 %, wenn der frühestmögliche Rentenbeginn gewählt wird.

4. Der Rentenabschlag kann durch eine Einzahlung ausgeglichen werden.

5. Bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze führt ein jährlicher Hinzuverdienst von über 6.300 € zu einer Kürzung der Rentenzahlung.

 

 

 

2 Antworten

  1. Marina Minta sagt:

    Ich bekomme jetzt die volle Rente aber nur bis September 2019. Wird sie danach automatisch verlängert?

    • Rentenfuchs sagt:

      Hallo Marina, ich gehe mal davon aus, dass dir eine Erwerbsminderungsrente und keine Altersrente für schwerbehinderte Menschen bewilligt wurde. Die Erwerbsminderungsrente wird nämlich häufig nur zeitlich befristet gewährt. Die Ursache hierfür ist, dass der Arzt bei vielen Erkrankungen nicht problemlos sagen kann, ob sich in einigen Jahren eine Besserung ergeben wird oder nicht. Ca. 6 Monate bevor die Erwerbsminderungsrente auf Zeit endet, wird dir per Post ein Verlängerungsantrag zugeschickt. Solltest du dich weiterhin für erwerbsgemindert halten, füllst du diesen aus und lässt ihn der Rentenversicherung zu kommen. Die dortigen Ärzte werden dann prüfen, ob sie dich ebenfalls weiterhin für erwerbsgemindert halten.

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